Niederländer gießen die Oldesloer Blumen

Lübecker Nachrichten   04.07.2019

Neue Pflanzampeln verleihen der Stadt ein freundliches Gesicht – Ausschreibung hat das Unternehmen Flower and Shower aus Beekbergen gewonnen – Lokale Anbieter gab es nicht

Eine Blumenampel der Firma Flower and Shower in der Bad Oldesloer Innenstadt. fotos: Dorothea von Dahlen/HFR

Bad Oldesloe. Blumenampeln, die schier überquillen von leuchtend magentafarbenen und schneeweißen Petunien, zieren neuerdings die Oldesloer Innenstadt. 58 dieser bunten Gebinde sind an den Lichtmasten in der Fußgängerzone aufgehängt. Um die Pflege kümmern sich nicht etwa die Mitarbeiter des städtischen Baubetriebshofs, sondern Beschäftigte von Flower and Shower. Das Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden hat den Auftrag für die Stadtdekoration im Rahmen einer Ausschreibung gewonnen.

Der in Kleve zugelassene Kleinbus der Firma hat auch schon die Aufmerksamkeit vieler Passanten auf sich gezogen. Einmal pro Woche rollt das Fahrzeug durch die Fußgängerzone, stoppt bei jedem Blumenkübel, während sich vom Fahrerfenster ein Sprüharm teleskopartig nach oben schraubt, um die Pflanzen zu benässen. In den sozialen Medien wurden schon kritische Stimmen laut und sogar auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung hinterfragte SPD-Fraktionschef Björn Wahnfried, wie es sein könne, dass ein hunderte Kilometer entfernt sitzendes Unternehmen engagiert wurde, um in Bad Oldesloe Blumen zu gießen. Das sei komisch, merkte er an. „Dem kann ich nur zustimmen“, entgegnete ihm Bürgermeister Jörg Lembke. „Ich hatte die Hoffnung, dass sich ein regionales Unternehmen bewirbt. Aber Oldesloer Firmen haben sich nicht beteiligt. Und da sind wir verpflichtet, einen Zuschlag zu erteilen.“ Für den Anbieter rechne sich der Auftrag augenscheinlich, da er wohl weitere, gleich geartete Aufträge in der Nähe habe.

Wie Firmenchef Bert de Kruijk im Gespräch mit den LN darlegte, hat sich Flower and Shower tatsächlich hierzulande einen Namen gemacht und sich zu einem „Pflegepartner für Blumenampeln“ in ganz Deutschland entwickelt. „Wir haben 2002 damit angefangen, Straßen und Gebäude in den Niederlanden zu schmücken. Vor etwa acht, neun Jahren haben wir das Geschäft auf Deutschland ausgeweitet und eine Zweigstelle in Kleve gegründet“, erklärt er. Fahrer der niederländischen Firma seien über mehrere Tage hinweg mit zwischenzeitlicher Übernachtung unterwegs, um nach und nach den Blumenschmuck zu bewässern. Das Konzept habe sich als sehr erfolgreich erwiesen. So steuert der Gießwagen inzwischen nicht nur standortnahe Städte wie Köln oder Herne an, sondern hält die Blumenerde auch im hohen Norden, etwa in Eutin oder auch Greifswald feucht. In Sachsen gehört die Firma gar zu den Sponsoren des Wettbewerbs „Ab in die Mitte“, der die Belebung der Innenstädte mittels neuer Ideen befeuern soll. Diesbezüglich erfolgreiche Kommunen können dabei ein 365 Tage gültiges Flower-Shower-Paket gewinnen.

„Als Laie steht man da und fragt sich, warum kommt da jemand aus Holland mit einem Fass. Haben wir hier nicht genug Wasser? Dahinter steht aber ein knallhart kalkuliertes Kostenmodell“, sagt Kai Jentsch, Vorsitzender des Fachverbandes Deutscher Floristen aus Bargteheide. Letztlich habe sich das Unternehmen stark spezialisiert auf ein Kandelabersystem, das sich quasi an jedem schon vorhandenen Mast in fünf Minuten beliebig befestigen lasse, ohne dass die Firma groß investieren müsse. Hinzu komme noch ein Sprinter und ein Fass. Alles in allem führe das zu einem unschlagbaren Preis, der alle Angebote örtlicher Floristen in den Schatten stelle. Die Fahrten mit dem Gießwagen seien zudem Touren, wie sie auch ein Lkw-Fahrer zurücklege. „In einer globalisierten Welt ist das nicht zu verhindern“, sagt der Verbandschef.

Und doch drückt er sein Bedauern darüber aus, dass Kollegen aus Stormarn beziehungsweise anderen Regionen Aufträge an externe Anbieter verlieren. „Zugegeben, Städte wie Bad Oldesloe sind an eine Vergabeordnung gebunden. Aber man darf nicht den Blick fürs große Ganze verlieren. Letztlich möchte man doch auch Arbeitsplätze erhalten, dafür sorgen, dass auch andere Ecken im Stadtgebiet begrünt und bepflanzt werden oder dass ein Florist mal die Deko für eine Veranstaltung sponsert. Das geht aber nur, wenn man sich zusammensetzt und gemeinsam überlegt, wie man die Stadt individuell verschönern kann“, sagt Jentsch. Dem entsprechend lasse sich dann auch die Vergabe gestalten, so dass regionale Anbieter eine Chance bekämen.

„Auf den ersten Blick erscheint es verstörend, aber letztlich ist es in anderen Branchen genauso. Beim Straßenbau bekommt die Firma in der Nähe den Zuschlag nicht. Erst, wenn der Auftragnehmer pleite geht, weil er die Preise unterboten hat, wird auf lokale Unternehmen zurückgegriffen“, lautet Jentschs Resümee.

Ein Gießwagen des niederländischen Unternehmens im Einsatz.

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