So gut ist Oldesloes Leitungswasser

Lübecker Nachrichten   20.07.2019

Grundwasser stammt aus tiefen Brunnen und kommt ohne Chemie und Chlor aus

Christian Meusel, Fachbereichsleiter Gas- und Wasserversorgung bei den Vereinigten Stadtwerken, mit einer Grundwasser-Probe, die noch Eisen und Mangan enthält. fotos: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Bei jedem Tag der offenen Tür wird Bad Oldesloes Wasserwerkschef Christian Meusel gefragt, wie viel Abwasser denn im Oldesloer Leitungswasser steckt. Mit ruhigem Gewissen kann er dann antworten: „Gar nichts. Wir fördern hier ja reines Grundwasser aus 50 bis 60 Metern Tiefe.“ Das Wasser aus den tiefen Brunnen schmeckt allerdings erst so richtig frisch, nachdem ihm Sauerstoff zugefügt wurde. „Wir geben Sauerstoff dazu. Aus der ganz normalen Umgebungsluft“, erklärt Meusel.

Denn: „In der Tiefe ist einfach kein Sauerstoff drin.“ Das Brunnenwasser würde ohne Sauerstoff etwas muffig und eisenhaltig schmecken. Damit das Oldesloer Trinkwasser die Werte der Trinkwasserverordnung einhält, die übrigens strenger ist, als die Mineralwasserverordnung, werden Eisen und Mangan, die beim Kontakt mit Sauerstoff reagieren und kleine Flocken bilden, über Kiesfilter aus dem Wasser geholt. Meusel: „Es ist nur ein technischer Grenzwert.“ Die Metalle könnten sich in Rohrleitungen absetzen.

Im Oldesloer Trinkwasser stecke weder Chemie noch Chlor. Man müsse das Wasser auch nicht zu Hause noch einmal filtern. Höchstens, wenn man wegen des Härtegrades von Mittel bis Hart weniger putzen möchte. Schädlich sei der Kalk jedoch nicht, viele würden sich Calcium und Magnesium ja sogar als Nahrungsergänzungsmittel kaufen.

„Ich trinke viel unser Wasser“, sagt der Fachmann. „Eigentlich überwiegend.“ Selbst wenn er mal zur Cola greift, enthält die womöglich Wasser aus dem Gebiet der Vereinigten Stadtwerke. „Coca Cola ist einer unserer größten Kunden“, berichtet Prokurist Manfred Priebsch. Das Trinkwasser, aus dem die Cola gemischt werde, komme in diesem Fall aber aus Mölln.

Auch Mineralwasser einer bekannten Marke werde hier in der Gegend aus Brunnen, die denen der Stadtwerke ähneln, gewonnen und mit vergleichbarer Technik aufbereitet. Die Inhaltsstoffe seien die gleichen, nur der Preis sei ein anderer – plus Verpackungs- und Transportaufwand. Für Trinkwasser aus der Leitung werden gerade mal 1,63 Euro für 1000 Liter fällig, oder 0,16 Cent pro Liter. Die Lieferung erfolge frei Haus bis ins gewünschte Stockwerk.

In Frankreichs Gastronomie ist es völlig normal, durstige Gäste kostenlos mit reichlich Trinkwasser aus der Leitung zu versorgen. Hier gibt es in Cafés einen Minischluck aus dem Wasserhahn meist nur zum Espresso. Auch bei Tafelwasser handelt es sich übrigens um Trinkwasser. Nur, dass es in Flaschen abgefüllt und etikettiert wurde.

Bleirohre sollen eigentlich der Vergangenheit angehören. Meusel: „Bei uns im Netz gibt es keine Bleirohre mehr. Eigentlich sollte sie auch jeder Hausbesitzer ausgetauscht haben.“ Denn die Grenzwerte der strengen Trinkwasserverordnung könnten mit Bleirohren nicht eingehalten werden. Er empfiehlt, morgens immer das Wasser aus dem Hahn ablaufen zu lassen, da es nachts in den Armaturen stand.

„Ich trinke auch das Leitungswasser“, betont Priebsch. In seinem Fall stammt es vom Wasserbeschaffungsverband Kastorf. Das Oldesloer Wasser wird in die Haushalte der Kreisstadt und der Nachbargemeinden wie Grabau, Tralau, Schlamersdorf, Rethwisch und Pölitz geliefert. Es gebe übrigens keine technisch-wissenschaftliche Erkenntnis, dass Wasser durch Druck nachteilig beeinflusst werde. Denn auch in der Tiefe stehe das Wasser unter Druck.

Gabi Liedtke aus Bad Oldesloe schleppt ihr Wasser noch in Flaschen nach Hause. „Glasflaschen, kein Plastik“, betont sie. Schließlich war sie eine der Initiatoren der Oldesloer Plastik-Diät, die bei Facebook als Gruppe noch existiert. Ein Sodastream mit Glasflaschen ist für sie „der nächste Schritt“. Liedtke: „Ich weiß auch, dass das Wasser gut ist in Bad Oldesloe.“ Ihre Mutter Rosemarie (88) ergänzt: „Ich trinke am liebsten Kaffee.“ Und dafür nehme sie ja auch Leitungswasser. Marcel Kupka aus Meddewade kommt gerade aus einem Oldesloer Getränkemarkt. Unter anderem hat er Wasser in Flaschen gekauft. „Wir trinken viel Wasser zu Hause. Wir kaufen es.“ Es sollte ein wenig Kohlensäure enthalten.

Auch für Ingwertee und andere Teesorten gefalle ihm das von ihm gewählte Wasser geschmacklich. Lieber kaufe er das Wasser, als zu Hause einen Sodastream zu benutzen.

Die Fachleute im Wasserwerk wissen: Wenn Trinkwasser aus Oberflächenwasser gewonnen wird, ist es zwar weicher, jedoch die Aufbereitung mit Chemie und Chlor viel komplizierter. Insofern hat Bad Oldesloe Glück mit dem fast fertigen Trinkwasser. Die Aussage von Meusel zum Abwasser betrifft übrigens nicht nur Bad Oldesloe: Aus Abwasser wird in ganz Deutschland kein Trinkwasser gewonnen.

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