Kunstrasenplätze: Ist das Spiel bald aus?

Stormarner Tageblatt  23.07.2019

EU-Verordnung zur Plastikvermeidung: Verwendetes Granulat 2022 verboten

Nicht nur bei Freizeitkickern extrem beliebt:  der Kunstrasenplatz – hier  auf dem Exer in Bad Oldesloe. nie
Nicht nur bei Freizeitkickern extrem beliebt: der Kunstrasenplatz – hier auf dem Exer in Bad Oldesloe. nie
Agnes Heesch vom Stadtmarketing mit der neuen Bad-Oldesloe-Info-Broschüre K. Hilmer

Agnes Heesch vom Stadtmarketing mit der neuen Bad-Oldesloe-Info-Broschüre K. Hilmer

 

 

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Kunstrasenplätze gehören mittlerweile für Fußballvereine und andere Sportler fest zum Angebot. Ungefähr 5000 dieser Plätze gibt es in Deutschland, schätzt der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Auch in Stormarn gibt es gleich mehrere. Besonderes Interesse erzeugt dabei vor alle immer wieder der Kunstrasenplatz am Oldesloer Exer, der als einziger in der Umgebung für die öffentliche Freizeitnutzung freigegeben ist und sich zu einem Treffpunkt in der Kreisstadt entwickelt hat.

Doch – wie auch auch auf den meisten anderen Kunstrasenplätzen – könnten größere Probleme auf diese Spielfläche zukommen, beziehungsweise deren Betreiber: In diesem Fall die Stadt Bad Oldesloe. Denn eine EU-Verordnung sieht vor, dass ab 2022 ein Granulat, das auch auf diesem Platz genutzt wird, verboten ist. Der Grund dafür ist eine Verordnung zur Vermeidung von Plastikmüll. Dazu gehört auch die Vermeidung von freigesetzten Mikroplastik-Partikeln. 330.000 Tonnen davon, so errechnete das Fraunhofer Institut, gelangen in Deutschland jedes Jahr in die Luft. Auf Platz fünf der stärksten Verschmutzer stehen die Sport- und Spielplätze mit Kunstrasenflächen. Der Wind oder Menschen, die das Granulat an ihren Schuhen haben, tragen dieses in die Umwelt. Von dort gelangt es in Böden oder ins Wasser. Daher soll das Plastikgranulat oder Gemische, die auch Granulat enthalten, ab 2022 verboten werden. Das könnte eine teure Angelegenheit werden. Denn von Anlage zu Anlage wäre es wohl erstmal die Frage, ob die Verfüllungen zwischen den Plastikhalmen einfach gegen Kork oder Quarzsand – die zumeist alternativ verwendeten Verfüllstoffe – ausgetauscht werden können oder ob größere Sanierungs- oder Umbauarbeiten durchgeführt werden müssen.

Fest steht, dass diese Maßnahmen oft in die hunderttausende Euro für Vereine und Städte gehen könnten. Das könnte für manchen Platz durch finanzielle Engpässe oder politische Entschlüsse, diese Summen nicht zu investieren, das Aus bedeuten. Direkt betroffen wären von drei vorhandenen Kunstrasenflächen in der Kreisstadt der große Platz am Exer und der Kunstrasen im Kurparkstadion. Die Stadtverwaltung hat aber noch keine Angaben darüber, wie eine Sanierung durchgeführt werden könnte oder müsste.

„Als der Kunstrasen am Exer gebaut wurde, entsprach das alles den notwendigen Auflagen. Mit der neuen Verordnung der EU müssen wir uns auseinandersetzen und dann schauen, was getan werden müsste. Mögliche Kosten sind daher absolut nicht absehbar“, so Stadtsprecherin Agnes Heesch. Kreisweit sind durchaus nicht alle Kunstrasenflächen betroffen. So setzte der SSV Pölitz bei seiner kürzlich eröffneten Fläche gleich auf Quarzsand und Kork. Großhansdorf nutzt Sand als Füllstoff. Es geht also durchaus anders. Der SV Preußen Reinfeld kann mittlerweile gerade fast froh sein, dass ein lange gewünschter Kunstrasenplatz noch nicht fertiggestellt ist. Denn so kann man – mit der Kenntnis der neuen EU-Verordnung – direkt beim Bau schon auf Kork setzen und sich teure Um- und Nachrüstungen ersparen. In der Diskussion ist generell noch, ob es die Möglichkeit von Übergangsfristen geben könnte. Aktuell sind diese nicht vorgesehen. Es soll aber bereits Gespräche zwischen Innenminister Horst Seehofer (CSU) in seiner Rolle als Sportminister und dem Bundesinnenministerium gegeben haben. Auch der DFB setzt sich für Übergangsfristen in Sachen Nachrüstungen ein.

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