Von einem der auszog, die Stadt zu verschönern

Stormarner Tageblatt  25.07.2019

Bürgerschaftliches Engagement: Rentner packt selber an, anstatt nur zu meckern

Ein Gulli mit Sand zugeschwemmt. Das Wasser läuft hier nur noch schlecht ab.
Ein Gulli mit Sand zugeschwemmt. Das Wasser läuft hier nur noch schlecht ab.
 
 
 
„Das ist Arbeit, klar, aber es macht mir Spaß“, erklärt Olaf B.

„Das ist Arbeit, klar, aber es macht mir Spaß“, erklärt Olaf B.

 

Stephan Poost Bad Oldesloe Ein Mann mit Spaten und Schubkarre sticht schwitzend den Grasrand eines Gehwegs ab. Eine Flasche Wasser liegt im Gras, die Sonne scheint zwischen den Blättern hindurch und einige Enten schnattern. Nichts Besonderes in Bad Oldesloe, mag man denken. Doch in diesem Fall ist das anders.

„Mehrmals täglich gehe ich hier seit einigen Monaten die Schultwiete entlang und jedes Mal ärgere ich mich über den Zustand des kleinen Parks“, erklärt Olaf B. Wege wuchern zu, die Grünfläche wirkt ungepflegt und verschmutzt, Stolperfallen vor und auf der Brücke. Mit dem Ärger war er nicht allein. Wer die Stadt über die Grünfläche betritt, wundert sich immer wieder, warum die Stadt Bad Oldesloe diesem „Eingangstor“ so wenig Aufmerksamkeit widmet.

Doch der Rentner wollte nicht nur meckern, er legt jetzt selbst Hand an und arbeitet seit rund zehn Tagen täglich in dem kleinen Park. „Ich habe die Stadtverwaltung angesprochen und gefragt, ob ich die Patenschaft für die Fläche übernehmen kann. Mit dem Bauhof und einem Gärtner habe ich die anstehenden Arbeiten besprochen“, erzählt Olaf B.

Dann spuckte er in die Hände. Er gräbt zunächst die alten Wegbegrenzungen wieder frei. „Viele Passanten wundern sich, wie breit die Wege hier eigentlich sind“, berichtet er von Reaktionen der Oldesloer. Nicht selten halten Fußgänger inne und sprechen ihn an. „Auch einige Nachbarn haben schon vorbeigeschaut und freuen sich, dass hier jetzt was passiert“, so der Rentner. „Ein älterer Herr kann mir historische Fotos zur Verfügung stellen. Es ist ja inte- ressant, wie das Gelände hier früher aussah.“

Auch die Stadt freut sich über das Engagement. „Ich komme hier auch öfter vorbei und sehe täglich die Fortschritte“, so Stadtsprecherin Agnes Heesch. „Wir sind als Stadt sehr dankbar für die Arbeit, die hier geleistet wird und begrüßen dieses Engagement eines Bürgers ausdrücklich“, erklärt sie. Nur wenn sich viele Menschen in einer Stadt engagieren, in der Kultur, in sozialen Bereichen oder wie hier bei der Pflege von Grünanlagen, entstehe ein Wir-Gefühl. Da scheint etwas dran zu sein.

Olaf B. beobachtet, dass nicht mehr so viele Abfälle hingeworfen werden. „Einfach wohl deshalb, weil es hier gepflegt aussieht“, so seine Begründung.

Die Arbeit ist für Olaf B. nicht vorbei, wenn die Wege frei liegen. „Ich habe noch einige Pläne, die ich natürlich mit der Stadt abstimme“, erklärt er. So plane er, die historische Maschine zu säubern und mit einem Schild zu versehen, weitere Bänke und vor allem Papierkörbe aufzustellen. „Und Blumen gehören hier hin, es soll ein wenig bunter werden“, erklärt er seine Pläne. Eine Hundeauslauffläche, auch ein Hundekottütenspender oder auch kleine Schildchen mit den Namen der Bäume und Sträucher kann er sich vorstellen. „Das kann hier ein Kleinod werden“, ist sich Olaf B. sicher. An ihm soll es nicht liegen, er will langfristig an dem Projekt arbeiten. „Da bleibe ich dran!“ Seine Pläne gehen noch weiter. So kann er sich – auch hier ist er mit der Stadt im Gespräch – das alljährliche Ostereiersuchen auf dem Gelände vorstellen. Wer etwas Grassaat oder passende Pflanzen spenden möchte, kann dies über den städtischen Bauhof tun. Oder er kann Olaf B., der übrigens seinen Namen nicht genannt haben will, einfach ansprechen. Er und seine Arbeit unterhalb des Parkhauses an der Königstraße sind kaum zu übersehen.

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