Geschichte erleben

Stormarner Tageblatt   27.07.2019

Interessant, historisch, spannend: Stadtführungen in Bad Oldesloe

Sie ist seit 25 Jahren Stadtführerin in Bad Oldesloe: Sieglinde Demiss-Voigtmann. finn fischer
Sie ist seit 25 Jahren Stadtführerin in Bad Oldesloe: Sieglinde Demiss-Voigtmann. finn fischer

Finn Fischer Bad Oldesloe Salzzeit und „Bad“-Geschichte, der große Brand von 1789, Bevölke-rungsexplosion nach dem Zweiten Weltkrieg: Seit 25 Jahren führt Sieglinde Demiss-Voigtmann Besuchergruppen durch die Oldesloer Innenstadt und hat dabei viele spannende, historische Anekdoten im Gepäck. „Viele fragen sich zum Beispiel, wie der Exer zu seinem Namen gekommen ist. Denn in Stadtkarten ist der nur als Bürgerpark einge-zeichnet“, sagt die Oldesloerin und klärt auf: „Früher haben hier Soldaten exerziert.“ Der Platz wurde regelmäßig für militärische Ausbildungsübungen genutzt.

Nicht weniger interessant ist die Geschichte, wie Bad Oldesloe zu seinem Kurbad-Titel kam. In der Stadt gibt es bis heute Salzquellen. Die Sole wurde schon während der Hansezeit zu Salz verarbeitet. Der Oldesloer Apotheker August Lorenzen entdeckte 1813, dass die Sole mit ihrem hohen Schwefelgehalt eine heilende Wirkung haben und Beschwerden lindern könnte. Mit dem Bau eines Kurbades und vor allem der ersten und bis dato einzigen Glücksspiel-Lizenz im Königreich wurde die Stadt zur Pilgerstätte und erlebte einen Aufschwung. „Eigentlich war Glücksspiel im Königreich verboten und durch die Ausnahmegenehmigung hatte die Stadt im Grunde keine Konkurrenz“, erzählt Demiss-Voigtmann den Besuchern auf den Führungen. Doch das Glück sollte nicht lange andauern. Schon 1850 wurde die Erlaubnis für das Casino wieder entzogen, andere Kur-bäder liefen Oldesloe den Rang ab. Interessant: Den „Bad“-Titel bekam Oldesloe erst 1913 – als die Stadt als Kurort quasi gar nicht mehr relevant war.

In den Jahrhunderten der Stadtgeschichte ging es mit (Bad) Oldesloe immer wieder bergauf und bergab. Zu einer Katastrophe kam es 1789, als ein Großteil der Stadt auf der Trave-Insel abbrannte. Danach musste alles wieder aufgebaut werden. In der Zeit (1804-1806) entstand etwa das Historische Rathaus und der markante, trapezförmig angelegte Marktplatz – beides geplant von dem bekannten Architekten C.F. Hansen.

Auch die jüngere Geschichte findet Platz in den Stadtführungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte Bad Oldesloe innerhalb von ein paar Jahren seine Einwohnerzahl durch die Flüchtlinge, die in den ehemaligen Ostdeutschen Provinzen ihre Heimat verloren hatten. In der Zeit entstanden etwa die Vogel- und Baumsiedlung und die Ostdeutsche Siedling mit Straßennamen wie Stettiner-, Breslauer- und Königsberger Straße.

Die historischen Stadtführungen wurden vor 25 Jahren in erster Linie für Neubürger ins Leben gerufen. „Am Anfang hatte ich aber auch immer wieder alte Oldesloer, die sich über ihre Stadt informieren wollten“, sagt Sieglinde Demiss-Voigtmann. Jetzt kommen immer wieder auch Touristen, meist Camper, die für ein paar Tage auf dem Exer ihre Lager aufschlagen. Die nächste „Historische Stadtführung durch das alte Oldesloe“ ist am morgigen Sonntag, 28. Juli, von 15 bis 16.30 Uhr. Treffpunkt ist das Kultur- und Bil-dungszentrum (Kub) am Beer-Yaacov-Weg 1. Auch private Gruppenführungen (für Vereine, Schulklassen, oder Ehemaligentreffen) sind möglich.

Weiterhin bietet die Kreisstadt auch andere Themenführungen an, wie etwa eine über den Künstler Wenzel Hablik und den Unternehmer Friedrich Bölck. Die Stadtführer Henrik Holtz und Gerd-Günther Finck haben außerdem Kostüm- und Nachtwächterführungen im Programm.

Web: www.badoldesloe.de/Gäste/Freizeittipps/Stadtführungen.

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