Barrierefreies Wohnen neben „Bella Donna“

Lübecker Nachrichten   09.08.2019

Eingekrachte Mauer vom Nachbargebäude hatte Schlagzeilen gemacht – dabei ging unter, dass in der Bahnhofstraße jetzt neuer Wohnraum entsteht, den die Stadt Bad Oldesloe so dringend braucht

Architekt Hinrich Rickmers zeigt, wie der fertige Neubau in der Oldesloer Bahnhofstraße aussehen soll. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe.  Wohnraum ist zum kostbaren Gut in Bad Oldesloe geworden. Denn wegen ihrer günstigen Lage an der Bahnlinie zieht es auch viele Menschen aus Hamburg und dem Speckgürtel in die Kreisstadt. Neue Mietshäuser, so wie jetzt eines in der Bahnhofstraße errichtet wird, sind da heiß begehrt. Aufmerksamkeit hatte das Projekt bis dato lediglich erfahren, als beim Abriss der alten Immobilie das benachbarte Haus plötzlich ohne Seitenmauer dastand, da beide Gebäude miteinander verbunden waren. Dass dort auf einen Schlag 15 barrierefreie Wohnungen entstehen, war aufgrund des aufwühlenden Ereignisses in den Hintergrund getreten.

Hinrich Rickmers hatte das alte Gebäude, in dem sich früher ein Friseursalon und eine Fahrschule befanden, bereits vor sechs Jahren als Kapitalanlage erworben. „Wie sich leider herausstellte, barg die Immobilie einige Schwierigkeiten“, erzählt der in Bad Oldesloe ansässige Architekt. „Der Keller war dauerhaft feucht. Im Untergrund befindet sich wohl eine riesige Wasserader. Zwei Pumpen mussten wir in Betrieb haben, um das Gebäude trocken zu halten.“ Letztlich entschieden er und die anderen Miteigentümer, es lieber abzureißen und an seiner Stelle ein solides neues Haus zu errichten.

Ein halbes Jahr zogen sich Planung und Kommunikation mit den Behörden hin. Zum einen sollte künftig gewährleistet sein, dass das Feuchtigkeitsproblem nicht wieder auftreten wird, zum anderen bedurfte es einer Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege des Kreises, bevor die Bagger in der Bahnhofstraße anrollen durften. Denn während der Vorgängerbau nur aus einer Ladenzeile in erster Reihe bestand, soll sich der Neubau über die gesamte Grundstücksfläche bis zum Alten Friedhof hin erstrecken. Und da Letzerer unter Denkmalschutz steht, musste Rickmers darlegen, dass es in dieser Beziehung nicht zu Konflikten kommen wird. „Aber die Behörden sind sehr kooperativ in Bad Oldesloe, sodass es keine Probleme gab“, sagt der Architekt.

Um zu vermeiden, dass auch die neue Immobilie wieder „nasse Füße“ bekommt, entschied der Planer kurzerhand, den alten Keller einfach zu verfüllen und darauf eine Bodenplatte gießen zu lassen. Die eigentlich für Heizung und Technik vorgesehene Ebene rutscht so eine Etage höher ins Erdgeschoss, wo sich später auch zwei der insgesamt 15 Wohnungen befinden werden. Fünf weitere gibt es dann jeweils im ersten und zweiten Stock sowie drei etwas großzügiger angelegte Penthouse-Wohnungen im oberen Staffelgeschoss. Auf dem Dach wird eine flächig angeordnete Solaranlage installiert, die von außen nicht sichtbar sein wird.

Rickmers kam es darauf an, dass alle Räume komplett barrierefrei sind. „Es gibt nirgendwo Schwellen und die Türen sind so breit, dass man mit dem Rollstuhl ungehindert hineinfahren und sich auch drehen kann. Im Schlafzimmer kommt man bequem neben das Bett und auch die Bäder sind groß genug gestaltet“, sagt der Architekt. Er wünscht sich für das Haus indes nicht nur Mieter der Generation 60 Plus: „Schön wäre es, wenn das Alter der Bewohner gemischt wäre und ebenso Familien mit Kindern dort einziehen.“

Nicht zuletzt schlägt auch der Ästhet in Rickmers Brust. „Unser Büro möchte hier ein ansprechendes Stück Architektur liefern und da nehmen wir gern etwas mehr Geld in die Hand. Das Haus soll ein Hingucker werden, ein schöner Öffner für die Stadt in südöstlicher Richtung“, verspricht er.

Ihm schwebt ein schlanker, geradliniger Bauhausstil vor, wobei die Stockwerke als gestalterisches Element mal vorkragen, mal nach hinten versetzt sind. Mit einem dezenten Beigegrau soll sich das Gebäude später gut in seine Umgebung einfügen. „Unser Ziel ist es, bis Weihnachten mit dem Bau soweit fertig zu sein, sodass wir mit dem Innenausbau beginnen können“, sagt der Architekt. Wenn alles plangemäß verlaufe, sei das Mietshaus im Sommer 2020 bezugsfertig.

„Das Bauprojekt soll auch ein Aushängeschild für meinen Nachfolger werden. Mein Sohn Tilmann hat sein Masterstudium abgeschlossen und ist schon jetzt ein großer Entwerfer“, sagt der Oldesloer Planer stolz. Sein Filius wirkte während der Semesterferien bereits an den Planungen mit und weiß auch nur zu gut, wie es auf Baustellen zugeht. Denn auf Vermittlung seines Vaters leistete er in den Schulferien stets drei Wochen als Aushilfe körperliche Arbeit auf den Baustellen. „Man muss wissen, wie die Dinge in der Praxis funktionieren. Auf dem Papier klappt immer alles“, sagt Rickmers, der selbst gelernter Maurer und Tischler war, bevor er Architekt wurde.

So frisch nach dem Studium will er seinem Sohn aber noch nicht das Feld überlassen. Tilmann Rickmers geht erst einmal zwei Jahre „auf die Walz“. Er soll zunächst Erfahrungen in größeren Architekturbüros in Hamburg, Berlin oder München sammeln, bevor er das Büro seines Vaters übernimmt.

In der Oldesloer Bahnhofstraße entsteht ein neues Mietshaus mit insgesamt 13 barrierefreien Wohnungen.  Foto: Dorothea von Dahlen

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