Nabu kritisiert Bürgermeisterinsel als Veranstaltungsort

Lübecker Nachrichten   11.08.2019

Bad Oldesloes Bürgermeister will das kleine Eiland als Hochzeitslocation oder Kleinbühne nutzen – Kritik vom Nabu: Ein wichtiges Refugium für Vögel und Fledermäuse gehe verloren

Die Bürgermeisterinsel in Bad Oldesloe am Rande des Exers. Sie soll für Veranstaltungen genutzt werden, wenn es nach Plänen des Bürgermeisters geht. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Romantische Hochzeitslocation, Bühne für Kleinkonzerte – all das soll die Bürgermeisterinsel am Rande des Exers einmal werden, wenn es nach den Vorstellungen des Oldesloer Stadtoberhauptes geht. Jörg Lembke hatte unlängst seine Ideen für das kleine, bis dato naturbelassene Eiland erneut gegenüber den Medien dargelegt. Jetzt hagelt es Proteste von Umweltverbänden. Zurückhaltend bis kontrovers reagieren auch die Stadtverordneten auf die Ideen des Bürgermeisters.

Klaus Gräber vom Naturschutzbund (Nabu) Bad Oldesloe sowie der BUND äußern ihre Sorge, dass das kleine Biotop im Zuge einer Umgestaltung komplett zerstört werden könnte. Sobald dort eine Bühne oder anderes installiert werde, würden die dort lebenden Tiere in die Flucht getrieben. Schließlich nutzten viele Vögel das vom Wasser umschlossene Fleckchen Erde, um dort geschützt brüten zu können. Nicht zuletzt sei die Insel ein wichtiges Quartier für Fledermäuse. Schon einmal sei es zu einem massiven Eingriff in den alten Baumbestand gekommen, kritisiert Gräber im Hinblick auf die Bepflanzung der Insel mit Rhododendren, welche die Rotarier im Jahr 2003 gespendet hatten. Damals sei ein großes Winterquartier der Fledermäuse zerstört worden, in dem zu dieser Zeit 30 Tiere schliefen. Dass die Segler aus ihrem Winterschlaf gerissen wurden, sei erst bemerkt worden, als zersägte Tiere aus einem gekappten Ast gefallen seien.

Gräber zufolge lässt sich die vorgeschlagene Idee nicht mit dem Schutz der Tiere vereinbaren. Das sei schon allein aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht der Stadt nicht gegeben. Denn sobald die Insel öffentlich genutzt werde, müsse gewährleistet sein, dass niemand durch eventuell herabfallende Äste zu Schaden komme. Ergo werde es darauf hinauslaufen, dass das Totholz, in dem die Fledermäuse sich einnisteten, schon präventiv entfernt werde. Zudem ließen sich beim Bau einer Bühne schwerlich Schäden am Wurzelwerk der Eiche vermeiden. Weichen müssten sicherlich auch Erlen, Eschen und Ulmen, weil sie den Blick auf die Bühne verstellten. Dabei seien sie es, die dem Ufer die nötige Stabilität verliehen. Holze man sie ab, müsse das später durch künstliche Bauwerke kompensiert werden. Nicht zuletzt gibt Gräber zu bedenken, dass die Insel unweit der angrenzenden Parkplätze und des davon ausgehenden Verkehrslärms nicht wirklich romantisch sei.

„Wir schließen uns dieser Einschätzung völlig an und ich hoffe nicht, dass der Bürgermeister mit einer Planung beginnt und Verträge abschließt, bevor er das Thema nicht der Politik präsentiert hat“, sagt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Torben Klöhn. Bislang seien Lembkes Pläne noch in keinem Ausschuss vorgestellt worden. Gegen das Projekt spreche nicht nur der Naturschutz, sondern auch der finanzielle Aspekt. „Wir haben schon eine Bühne im Kurpark gebaut für teures Geld und sie wird bis heute nicht genutzt. Da gibt es Projekte, die der Stadt besser zu Gesicht stehen“, sagt Klöhn.

CDU-Fraktionschef Horst Möller sieht die Angelegenheit ganz entspannt. „Ideen kann man ja viele haben. Es gab schon mal einen Bürgermeister, der den Markplatz überdachen wollte und einer wollte ein Café auf der Wiese im Kurpark eröffnen. Aus allem ist nie was geworden“, sagt er. Seine Ideen zu äußern, sei Lembkes gutes Recht. Sie kosteten ja auch noch kein Geld. Wenn sie in die Nähe der Verwirklichung kämen, müsse aber die Politik damit konfrontiert werden.

Das sieht auch Hendrik Holtz von der Linken so. „Ich möchte meiner Fraktion nicht vorgreifen, aber es ist schon übel aufgestoßen, diesen Plan nicht abzusprechen, bevor er verkündet wurde“, sagt er. Abgesehen davon handele es sich schon um eine Insel der Ruhe für die Tiere, sodass überprüft werden müsse, welchen Ausgleich man für sie schaffen könne.

Als Vorsitzender des Umwelt- und Verkehrsausschusses kann Wilfried Janson von den Grünen dem Projekt gar nichts Positives abgewinnen. Abgesehen von dem bedenklichen Eingriff in die Natur, die Gräber bereits kritisiert habe, spreche auch ein kulturhistorisches Argument dagegen. Denn, wie überliefert sei, habe auf der Bürgermeisterinsel im Mittelalter eine sogenannte Motte gestanden, eine kleine Turmburg, was aus denkmalschützerischer Sicht sicherlich Beachtung finden werde.

Ein Aufsatz des Heimatforschers Matthäus Berg gibt Janson recht. In einer Artikelserie, die vor einigen Jahren in den LN erschien, schreibt er: „Von der Bürgermeister-Insel, die noch heute durch ihre kreisrunde Form auffällt, nehmen Historiker an, dass auf ihr im frühen Mittelalter ein Turm zum Schutze eines Waffen- und Vorratsdepots gestanden hat und dass sie wahrscheinlich schon als Teil des Limes Saxoniae (die Grenze Sachsens) Bedeutung gehabt hat.“ Stadtarchivarin Sylvina Zander bestätigt diese Aussage. Früher habe es eine Brücke gegeben, die auf die Insel führte. „Leider existieren heute aber keine Akten mehr zur Bürgermeisterinsel“, sagt sie.

Bürgermeister Lembke kündigt an, dass er sich mit Nabu und BUND zusammensetzen will, um seine Idee zu besprechen. „Ich kann nicht einschätzen, ob sich gefährdete Arten auf der Insel befinden. Ich glaube aber, dass es eine friedliche Koexistenz von Mensch und Tier geben kann. Selbstverständlich wollen wir den Naturschutz beachten“, sagt er. Letztlich gehe es darum, das Umfeld am Exer attraktiver zu gestalten. Noch sei auch gar nicht klar, ob die Politik die Pläne mit unterstützt. „Wir sind ja noch in einem frühen Stadium“, sagt Lembke.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.