Gedenkfeier für geretteten Bölck-Grabstein

Lübecker Nachrichten   18.08.2019

Ehrenplatz auf dem Friedhof in Bad Oldesloe

Freuen sich über den Ehrenplatz für den Grabstein ihres Opas/Uropas: Walter Heitmann und Ulrike Bölck. foto: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Der Margarinefabrikant Friedrich Bölck wurde weder in Bad Oldesloe geboren, noch ist er hier gestorben. Aber von hier aus baute er sein Imperium auf. Nun erhielt sein vom Hamburger Friedhof Ohlsdorf geretteter Grabstein einen Ehrenplatz auf dem Oldesloer Friedhof am Lindenkamp. Dort befindet sich der Stein in guter Gesellschaft der Grabsteine anderer bekannter Persönlichkeiten aus der Kreisstadt.

„Es ist selten, dass wir uns hier zu einem fröhlichen Anlass treffen“, begrüßte Bürgermeister Jörg Lembke die Gäste der Feierstunde zunächst in der Auferstehungskapelle. Dort lag das Gesteck mit den orangefarbenen Blüten und der Aufschrift „Zurück in Bad Oldesloe“ auf einer weißen Schleife unter dem Foto Bölcks. „Wir wollen jemanden oder vielmehr seinen Grabstein zurückbegrüßen“, so Lembke. „Und so sein Andenken bewahren und an sein Wirken erinnern.“

Nachdem eine Hamburgerin den umgefallenen Grabstein auf dem Friedhof Ohlsdorf entdeckt und nachgeforscht hatte, wer das denn wohl sei, hatte sie sich unter andrem an die Lübecker Nachrichten gewandt. Stadt und Kirchengemeinde setzten alle Hebel in Bewegung, um den Stein an die Wirkungsstätte des Kaufmanns und Mäzens zurückzuholen. Hier wurde der Stein gereinigt und aufgearbeitet sowie mit einer Gedenktafel versehen.

Auch ein Enkel und eine Urenkelin Bölcks, die der Feierstunde beiwohnten, freuten sich „auf jeden Fall“ über den dauerhaften Platz für ihren bekannten Opa/Uropa. Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander erinnerte an eine Aktennotiz vom 12. März 1933. Danach habe Bad Oldesloe viel für die Wohlfahrtspflege getan – ein Verdienst des bei den Nationalsozialisten verhassten Friedrich Bölcks.

1900 war Bölck als Hausierer nach Bad Oldesloe gekommen. In einem Kellergeschäft packte er Margarine ab und fuhr sie mit einem Handwagen zu den Kunden. „Er hatte Kellergeschäfte in der Turmstraße und im Heiligengeist“, weiß Oldesloes Stadtführerin Sieglinde Demiss-Voigtmann. Später hatte er unter anderem ein Feinkostgeschäft in der Mühlenstraße 15. In dem Gebäude, das später viele Jahre die Gaststätte „Zur Mühle“, heute Bar Laurent, beherbergte.

Zander hob seine zwei „genialen Ideen“ hervor: erstens die Ware zu den Kunden zu bringen, zweitens sein Rabattmarkensystem, um die Kunden zu binden. Für den Oldesloer Theaterverein Badomat wurde Bölck 2011 zum Titelhelden eines Theaterstücks.

Enkel Walter Heitmann aus Hamburg freut sich über die Ehre, die seinem Großvater nun in Bad Oldesloe zuteil wurde. Kennengelernt hat er seinen berühmten Opa nicht mehr. Als der 1940 starb „da war ich ein Jahr alt“, sagt der fast 80-Jährige. Aber das Hobby Skatspielen habe er mit seinem Großvater gemeinsam. Ansonsten sei er kein Kaufmann, sondern Traber-Trainer geworden wie sein gleichnamiger und in Pferdesportkreisen bekannter Vater.

Aus Lübeck war Urenkelin Ulrike Bölck angereist. Auch sie ist keine Kauffrau geworden wie Friedrich Bölck, sondern Anästhesie- und Intensiv-Krankenschwester. Ihr noch in Reinfeld geborenen Vater war Polizist. Beide erzählten, dass zur Bölck-Familie auch Cousins gehören, die ein gleichnamiges Busunternehmen in Schuby betreiben.

Bad Oldesloes Friedhofsverwalter Jörg Lelke rettet schon seit 2005 schöne Grabsteine. Darunter den barocken Stein einer Oldesloer Familie, die drei Söhne im Krieg verlor und den vierten als Kind. „So was räumt man einfach nicht ab“, sagt er. Den Stein der Familie Wex aus Muschelkalk hatte der Oldesloer Steinmetz Hagen Senior aufgehoben, bevor er wieder einen Ehrenplatz auf dem Friedhof erhielt. Auch der Grabstein des Oldesloer Ehrenbürgers Georg Axt hat einen besonderen Platz. Susanna Fofana
Fotos/Video auf LN-Online.de

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