Schüler wehren sich gegen rechte Provokationen

Stormarner Tageblatt  21.08.2019

Theodor-Mommsen-Schüler fühlen sich beim Engagement gegen rechts im Stich gelassen

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Wenn rechte Tendenzen auffallen, rechte Sprüche scheinbar zum Alltag werden, dann soll die Zivilgesellschaft sich wehren. Gerade an Schulen ist das ein sensibles Thema. An der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule fühlen sich Schülerinnen aber nicht ernst genommen und sogar selbst angeklagt, nachdem sie sich gegen auftauchende, rechtspopulistischen Äußerungen eines Mitglied des Schülervertretung zur Wehr setzten.

Sowohl die meisten Mitschüler als auch die Lehrer – die das Verhalten durchaus wahrgenommen haben sollen – hatten sie es im Endeffekt „zu lange“ bei einem „das war wohl nur Provokation“ oder „das sollte wohl ein Scherz sein“ belassen. Übel aufgestoßen sei es manchen Klassenkameraden schon länger. Als der betreffende Schüler dann im Jugendzentrum „Inihaus“ mit einer rechten Provokation auffiel, wurde auch die Öffentlichkeit auf das Verhalten dieses SV-Mitglieds aufmerksam.

„Wer sich da hinsetzt und sagt, er sieht sich in der Nähe der Identitären Bewegung, der hat die Grenze zur Provokation deutlich überschritten“, so Hendrik Holtz, Stadtverordneter der Linken, der Zeuge des Vorfalls war.

Schülerinnen suchten nach Gesprächen mit Lehrern TMS-Schulleiter Dr. Henning Bergmann auf. Sie verwiesen dabei neben de Inihausvorfall auch auf Auszüge aus Chats unter Schülern in denen das betreffende SV-Mitglied mit rechten Andeutungen provozierte.

Die Schülerinnen, die sich mittlerweile Unterstützung durch die „Linke Initiative Arandela“ geholt hatten, zeigten sich zunächst angetan von der Reaktion ihrer Schule. Diese schien die Sorgen ernst zu nehmen. Man habe sich darauf geeinigt, eine Infoveranstaltung über die Gefahren, die von der „Identitären Bewegung“ ausgeht, stattfinden zu lassen. Doch kurz bevor die durch einen Lehrer in Aussicht gestellte Infoveranstaltung (Emails liegen der Redaktion vor) durchgeführt werden konnte, wurde sie nach Aussage der Schüler „aus Raummangel“ wieder abgesagt. Die Organisatoren waren nach eigener Aussage frustriert und nach langer Vorbereitung vor den Kopf gestoßen. „Da soll ein Problem ausgesessen werden“, sagt Holtz. Er trug daher sein Unbehagen nicht nur Bergmann sondern auch der Stadtverordnetenversammlung vor. „Wir werden das genau aufklären, auch wenn der Schüler die Schule zum Ende des Schuljahres verlassen hat“, kündigte Holtz an. Die Schule habe die engagierten Schülerinnen, die Zivilcourage zeigten, im Stich gelassen.

Bergmann wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er bestätigt den Vorfall im Inihaus, den der Schüler zugegeben habe, weitere Vergehen sehe er nicht. „Das Verhalten des Schülers im Inihaus habe ich missbilligt, obwohl es außerhalb des schulischen Kontextes lag. Er hat mehrfach beteuert und versichert, dass ihm sein Verhalten sehr leid tut“, so Bergmann. Von einer Infoveranstaltung habe er nichts gewusst, daher habe er sie auch nicht absagen können. Versetzt habe er die Schülerinnen nicht, Diese hätten hingegen Termine nicht wahrgenommen. Die Unterstellungen seien „echte Falschaussagen“. „Ich habe den Eindruck, dass Herr Holtz versucht, in den geschützten Raum Schule einzudringen, um politische Konflikte zu inszenieren“, so der Schulleiter, der selbst an die Stadtpolitik herantreten und sich zum Verhalten Holtz´ äußern möchte.

Diese Gelegenheit gäbe es heute Abend, da findet eine Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss statt, um 19 Uhr im Sitzungszimmer 2.09, Am Markt 5, statt.

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