50er Jahre in Bad Oldelsoe auf der Open-Air-Bühne

Lübecker Nachrichten   27.08.2019

Probenbeginn für Badomats Wirtschaftswunderstück – Regisseur Maximilian Ponader bat nach der Kick-Off-Party zur ersten Leseprobe

Probenbeginn für das Open-Air-Theater von Badomat. Fotos: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Im neuen Open-Air-Großprojekt des Vereins Bad Oldesloe macht Theater (Badomat) dreht sich alles die 50er Jahre und die Nachkriegszeit. Pünktlich zur Kick-Off-Party wurde ein Name für das Wirtschaftswunderstück gefunden: „Neue Heimat Oldesloe – vom Carepaket zum Petticoat.“ Bis zu den Aufführungen Pfingsten 2020 wird jetzt mit Regisseur Maximilian Ponader zwei Mal die Woche geprobt.

In dem Stück geht es um die 50er Jahre in Bad Oldesoe. Autor und Regisseur Maximilian Ponader hat dafür mit vielen Zeitzeugen der Stadt gesprochen. Reale historische Personen in dem Stück sind zum einen Gustav Stoltenberg, der Vater des Politikers Gerhard Stoltenberg, der damals Pastor an der Oldesloer Peter-Paul-Kirche war. Zum anderen der Gelegenheitsarbeiter Carl Christian „Krischan“ Thegen, der zu Deutschlands berühmtesten naiven Malern zählt. Heiko Vosgerau (51) aus Bad Oldesloe und Harry Mähl (72) aus Neritz sind die beiden Schauspieler, die diese berühmten Oldesloer verkörpern werden. Vosgerau schlüpft in die Rolle des Oldesloer Pastors Gustav Stoltenberg, Mähl in die des naiven Malers und Knechtes Krischan Thegen. „Pastor ist neu“, sagt Vosgerau, der schon bei sämtlichen Badomat-Stücken aktiv war. „Gepredigt habe ich schon mal. Eine Verkaufspredigt als ,Magnifikus’ bei Hagelstein 2002 auf dem Oldesloer Marktplatz.“

Ausgesucht hat er sich die Rolle nicht. „Ich mache, was ich machen soll“, habe er in die Theaterrunde geworfen. „Und der Pastor passt altersmäßig relativ gut zu mir.“ Schon im Schultheater in Eckernförde stand Vosgerau als Schnock, der Schreiner, in Shakespeares Sommernachtstraum auf der Bühne. Als er 2001 nach Bad Oldesloe kam, hatte sich der Theaterverein gerade neu gegründet. Vosgerau: „Dadurch hatten wir sehr schnell einen sehr großen Bekanntenkreis hier.“ Seitdem hatte er insgesamt rund ein Dutzend Auftritte bei Badomat und der Oldesloer Bühne.

„Ich muss mich ein wenig jünger machen“, erzählt Harry Mähl. Obwohl er findet, dass die neuen Alten ohnehin jünger wirken. Extreme Charaktere oder Situationen mag er ohnehin, da er selbst auch mit seiner farbenfrohen Kleidung und stets etwas aufgedreht als „buntes Huhn“ empfunden werde. So zielte seine Idee zunächst auf die Rolle des blinden Kriegsrückkehrers ab. Doch verschiedene Theaterkollegen hätten ihn in der Rolle des Originals Thegen gesehen. Auch er habe schon in der Schule Theater gespielt. Bei Badomat ist er zum Salzgrafen-Stück eingestiegen. Mähl: „Ich war ein Polizist.“

Bankkaufmann Ulf Schwinum (51) kam beim dritten Badomat-Stück dazu. „Bei der ,Witwe von der Hude’ war ich der Bürgermeister.“ Bei „Bölck“ spielte er den Titelhelden und in „1848“ den dänischen Kommissar. Auf der Suche nach einem Ausgleich zur Arbeit war Schwinum aufs Theaterspiel gestoßen. „Ich stehe gern auf der Bühne.“

Der Oldesloer: „In einem VHS-Kursus lernte ich die Grundlagen des Theaterspiels.“ Und da die Leiterin und Schauspielerin Angela Deininger damals Regie bei der Oldesloer Bühne führte, hatte sie gleich eine Rolle für ihn im Auge. Beim neuen 50er-Jahre-Großprojekt spielt er den Gastwirt des Oldesloer Hofs. Verkehrskaufmann Andreas Marck (60) aus Sülfeld freut sich, „dass ich so viele Bekannte wiedersehe.“ Mal abgesehen davon, dass er in der vierten Klasse schon mal als Schwan auf der Bühne stand, war eine Kishon-Satire 2005 „mein allererstes Stück.“

Marck war im Kult-Stück „Kerle, Kerle“ der Oldesloer Bühne dabei und lernte für das Badomat-Stück „Die Witwe von der Hude“ gemeinsam mit Andreas Zimmermann drei Monate lang in einer Lübecker Fechtschule das Fechten. Auch seine Freundin lernte er am Theater kennen. Im Kleinen Theater Bargteheide schneiderte sie vor acht Jahren sein Pater-Lorenzo-Kostüm (Romeo und Julia).

„Wir haben immer noch Bewegung in der Besetzung“, sagte Ponader bei der Begrüßung der Theaterteams. Es habe kurzfristig einige Absagen gegeben und vereinzelt Neuzugänge. Bei der ersten Probe ging es erst einmal darum, dass sich die einzelnen Figuren kennenlernen, jeder seine Rolle im Kopf hat und weiß, seit wann er wen kennt.

Ulf Schwinum (l.) und Andreas Marck haben schon öfter zusammen Theater gespielt.

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