Amazon will in Bad Oldesloe Verteilzentrum bauen

Lübecker Nachrichten   28.08.2019

Unternehmen plant im Gewerbegebiet an der Teichkoppel ein Logistikzentrum – 150 Arbeitsplätze – Es gibt auch kritische Stimmen

Päckchen aus Bad Oldesloe: Im neuen Gewerbegebiet dicht an der A1 will Amazon ein Verteilzentrum errichten lassen.   Foto: Markus Carstens

Bad Oldesloe. Der amerikanische Internethändler Amazon will in Bad Oldesloe ein Verteilzentrum bauen. Nach Rendsburg soll es das zweite Logistikzentrum in Schleswig-Holstein werden. Angedachter Standort ist ein Grundstück an der Teichkoppel und der Ratzeburger Straße gegenüber dem Baumarkt, das Peter Eggers privatwirtschaftlich als Gewerbegebiet vermarktet. Dort sollen ein 12 000 Quadratmeter großes Gebäude sowie Parkflächen entstehen. 150 Mitarbeiter und weitere 500 Fahrer könnten dort beschäftigt werden. Von Bad Oldesloe aus sollen Waren in die Region zwischen Hamburg und Lübeck bis zur Ostseeküste ausgeliefert werden. Die Fertigstellung ist für Oktober 2020 geplant.

Am Montag war Karsten Frost vom Unternehmen Amazon in Bad Oldesloe im Wirtschafts- und Planungsausschuss zu Gast, um die Pläne vorzustellen. Zwar handele es sich um ein privatwirtschaftliches Geschäft, auf das die Stadt keinen Einfluss habe, sagte Frost, man wolle aber alles transparent durchführen und frühzeitig die Planungen vorstellen. „Wir bewegen uns innerhalb des geltenden Bebauungsplans“, betonte er. In Bad Oldesloe solle ein Verteilzentrum vom Typ „Letzte Meile“ entstehen, von dem aus die bereits verpackten Waren an die Kunden geliefert werden. Dafür will Amazon mit Partnern zusammenarbeiten und das geplante Zentrum für mindestens zehn Jahre mit Option auf Verlängerung mieten.

„Hier soll an sechs Tagen die Woche jeweils 24 Stunden am Tag in drei Schichten gearbeitet werden“, kündigte Frost an. 150 Mitarbeiter und in der Weihnachtszeit 250 Mitarbeiter sollen demnach beschäftig werden, sie würden einen Stundenlohn von 11,37 Euro brutto die Stunde erhalten und brauchten keine Qualifizierung. Lediglich das 20-köpfige Managementteam bestehe aus Fachkräften. „Amazon wird das Verteilzentrum als eigene GmbH in Bad Oldesloe betreiben und auch Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer in einem mittleren fünfstelligen Bereich zahlen“, hob Frost hervor.

Von Interesse waren für die Kommunalpolitiker im Ausschuss vor allem die Verkehrsbewegungen; hier hat das Unternehmen bereits ein Verkehrsgutachten anfertigen lassen. „Die Pakete werden per Lkw abends und nachts angeliefert“, erläuterte Frost. Nach dem Sortieren der Ware führen die Austräger-Fahrzeuge – in der Regel kleinere Lieferwagen – in Gruppen im 20-Minuten-Takt zum Beladen vor, ehe sie in die Region aufbrächen. „Das passiert zwischen 9 und 11 Uhr, zwischen 18 und 20 Uhr kehren sie zurück. Das ist so geplant, dass der Lieferverkehr außerhalb der Hauptverkehrszeiten stattfindet.“ Dazu komme zwischen 15 und 17 Uhr die Auslieferung von Waren, die noch am selben Tag zugestellt werden müssten. „In Spitzenzeiten sind 200 bis 300 Fahrzeuge die Stunde unterwegs.“ Hauptwege seien die Autobahnen, um schnell in die Region zu gelangen. Die Lieferverkehre fänden auch jetzt schon statt, ergänzte Frost, bisher kämen die Waren aus dem Hamburger Verteilzentrum zum Kunden.

Für die Auslieferung will Amazon mit kleinen und mittleren Unternehmen auch aus der Region zusammenarbeiten, die ihre eigenen Fahrzeuge nutzen. In der Regel seien das geleaste Fuhrparks, die nach dem Willen des Unternehmens nach und nach Elektroantrieb haben sollten. „Die Elektrifizierung des Fuhrparks wird laufend ausgebaut“, sagte Frost. Deshalb sollen auf dem Gelände Ladesäulen errichtet werden, deren Zahl bei Bedarf erhöht werden könne. „Laut Verkehrsstudie wird es keine Behinderungen geben“, versicherte Frost. „Bad Oldesloe ist unser Wunschstandort, von dort haben wir eine perfekte Autobahnanbindung.“ Die Anbindung erfolge über den Kreisel an der Ratzeburger Straße. „Wir haben selber kein Interesse daran, dass es Staus gibt.“

Im Ausschuss stießen die Pläne auf ein geteiltes Echo. Die einen befürchten eine Zunahme des Verkehrs und kritisierten, dass das Stadterscheinungsbild durch den Bau eines „Schuhkartons“ leiden könne. Andere begrüßten es, dass das Gewerbegebiet sich füllt und neue Unternehmen sich in der Kreisstadt ansiedeln. Bürgermeister Jörg Lembke gab zu bedenken, dass der Bau eines Verteilzentrums einen enormen Flächenverbrauch im Gewerbegebiet bedeute.

Die Flächen, erklärte Peter Eggers, seien allerdings ohnehin kaum zu bebauen. Eine Stromleitung, die über das Gewerbegebiet führt, schränke die Bebaubarkeit ein. Unterhalb der 110-kV-Leitung könne nur bis zu einer Höhe von fünf bis 8,50 Metern gebaut werden, erlaubt sind sonst 15 Meter Höhe. „Amazon will in dem Bereich die Parkfläche anlegen, so dass die Stromleitung kein Hindernis ist“, sagte Eggers.

Erfahrungsgemäß ziehe die Ansiedlung von Amazon weitere Gewerbebetriebe wie beispielsweise Bäcker oder Tankstellen nach sich, so Frost. Wenn alle sich einig werden, soll Anfang 2020 Baubeginn sein.

Firmenvertreter Karsten Frost (2. v. l.) stellte die Pläne am Montag im Wirtschaftsausschuss vor. foto: Albrod

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