Löwen-Apotheke schließt nach 301 Jahren

Lübecker Nachrichten   29.08.2019

Oldesloer Fußgängerzone bleibt in Bewegung – Apotheke gibt zum 30. September auf – In einem Jahr geht das Café „Provence“ gegenüber der Peter-Paul-Kirche an einen Nachfolger

Die Oldesloer Löwen-Apotheke schließt zum 30. September. fotos: Susanna Fofana

Bad Oldesloe. Majestätisch thront der goldene Löwe über dem Eingang der gleichnamigen Oldesloer Apotheke an der Hindenburgstraße. Das Aus kommt nach genau 301 Jahren. Apothekerin Annette Steglich schließt Ende September wegen „interner, organisatorischer Probleme“.

Erst vor drei Jahren hatte sie die Nachfolge ihres Vaters Frank Sonder angetreten – als fünfte in der Apotheker-Familie Sonder. Es war die Fortsetzung ihrer Arbeit in dem denkmalgeschützte Gebäude, in das sie als fünfjähriges Mädchen eingezogen war und das sie zeitweise mit ihrer Familie bewohnt hatte. Inklusive der Selbstständigkeit liegen 20 Jahre Arbeit in dem Haus hinter ihr. Steglich: „Es ist superbitter. Ich schließe definitiv zum 30. September. Bis zum Ende des Jahres muss ich ganz raus sein und alles abgewickelt haben.“

„Es ist einfach superschade und absolut nicht das, was ich mir gewünscht habe“, beteuert die Apothekerin. Mit viel Einsatz hatte sie der Apotheke gerade wieder Leben eingehaucht. „Ich habe ganz liebe und treue Kunden in den drei Jahren gewonnen.“ Das Team sei sehr gut aufgestellt, sie habe sogar einen Apotheker eingestellt.

Als Grund für die Aufgabe nennt Annette Steglich die hohe Mietbelastung. Nachverhandlungen seien gescheitert, es konnte keine Einigung erzielt werden. Eine Mitarbeiterin sei bereits in einen anderen Job gewechselt. Sie hofft, dass weitere der knapp zehn Mitarbeiter in Bad Oldesloe unterkommen. Alles sei im Werden. Und sie selbst? „Ich hänge komplett in der Luft“, erzählt Steglich. Auf die Schnelle lasse sich in Bad Oldesloe nichts auf die Beine stellen.

Gewollt und geplant verabschiedet sich dagegen eine andere Kauffrau aus der Innenstadt. „Hundertprozent gehe ich am 1. September 2020 in den Ruhestand“, kündigt Martina Krämer an, Chefin der Crêperie „Provence“ am Kirchberg. Dann sei sie 63 Jahre alt. Krämer: „Das zehnjährige Jubiläum im kommenden Jahr nehme ich noch mit.“

Der Gastronomin und gelernten Bankkauffrau merkt man an, dass sie die Menschen und das Leben liebt. Ihre besonderen Frühstückskreationen und Tartes haben ihr dann auch zwei Buch-Veröffentlichungen eingebracht. Zudem sendete der NDR live nachmittags aus dem kleinen, gemütlichen Café, in dem auch schon andere Filmaufnahmen stattfanden. Es gebe viele schöne Geschichten zu erzählen, sagt Krämer. Hochzeiten, Einschulungen oder Trauungen wurden im Provence gefeiert. Aber auch ein „Blind Date“, aus dem eine Beziehung wurde, ist zu vermelden.

Auf den geplanten Ruhestand und die viele freie Zeit, für die sie schon zahlreiche Pläne hat, freut sie sich. Die Aussicht auf einen Nachfolger macht ihr den Abschied nicht so schwer, als wenn sie abschließen müsste. Sie habe drei Bewerber, die mit verschieden Konzepten kommen wollen.

Seinen Paketshop hat Serhat Baran nach drei Jahren im Trave-Shop an der Hindenburgstraße gerade vor Kurzem erst erweitert. Jetzt gibt es in der Partner-Filiale der Post fast alles, was die Post selbst auch als Dienstleistungen anbietet – von Briefmarken über Einschreiben und den Express-Versand bis zum postident-Verfahren. Und wer weiß, dass er nicht zu Hause ist, kann sich auch seine Pakete dorthin schicken lassen. Damit gibt es direkt in der Fußgängerzone wieder eine kleine Post-Stelle – nicht weit entfernt von dem historischen Gebäude am Markt, in dem die Oldesloer Post früher rund 100 Jahre lang ihr Domizil hatte.

Neu grüßt Klaus, der Butler, die Passanten auf der Hindenburgstraße. Der Blickfang steht vor dem An- und Verkaufsladen „Askim“. Inhaberin Nicole Wank hat den Deko-Butler am Wochenende auf einem Flohmarkt in Stubben erstanden.

Provence-Chefin Martina Krämer strebt in einem Jahr ihren Ruhestand an. Es gibt drei Bewerber um die Nachfolge.

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