Mehr Schock als Vorfreude

Stormarner Tageblatt  28.08.2019

Amazon plant großes Verteilzentrum in Oldesloe / Bürgermeister Lembke: „Nicht das, was wir uns gewünscht haben“

Das Verteilzentrum entsteht gegenüber von OBI (grau).
Das Verteilzentrum entsteht gegenüber von OBI (grau).

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Ein Raunen ging durch den Wirtschafts- und Planungsausschuss, als das Amazon-Logo auf der Leinwand erschien. „Wer wir sind, muss ich jetzt wohl nicht mehr sagen“, scherzte Karsten J. Frost, Regional Director Amazon Logistics.

Angekündigt war, dass sich ein Unternehmen vorstellen werde, das plane, sich in Bad Oldesloe anzusiedeln. Dass es sich bei der Firma um den Weltkonzern Amazon handelt, das für seine Arbeitsbedingungen gerade im Logistik-Bereich in der Kritik steht, sorgte nicht nur für Begeisterung. Das liegt nicht nur daran, dass man Sorge um mögliche prekäre Arbeitsverhältnisse hat. 200 bis 300 Fahrzeuge sollen täglich das Gelände in den Vormittagsstunden verlassen und wieder zurückkehren, 40 Lkw beliefern das Zentrum jede Nacht. Rund um die Uhr soll dort gearbeitet werden – abgesehen von Sonn- und Feiertagen. Karsten J. Frost war bemüht, Sorgen über eine zu starke Verkehrsbelastung zu zerstreuen. Denn hauptsächlich würden die Fahrzeuge den Weg über Ratzeburger Straße Richtung A 1 aus der Stadt heraus suchen. Das Gebiet, das abgedeckt werden soll, wird den Raum vom Hamburger Stadtrand bis Oldenburg umfassen.

Das geplante Logistikzentrum soll 12.200 Quadratmeter groß werden. Es entsteht gegenüber von OBI auf dem Gelände von Peter Eggers, der dort gerade 30 Hektar Gewerbefläche auf seinem Grundstück erschließt. Hinzu kommen Parkflächen für Lieferfahrzeuge und natürlich Parkplätze für die 150 Mitarbeiter – ohne Fahrer – die ganzjährig beschäftigt werden. In Spitzenzeiten, also im November und Dezember, soll die Lagermitarbeiterzahl sogar auf 250 hochgefahren werden.

Frost versprach, dass die Logistikmitarbeiter 11,37 Euro die Stunde verdienen werden. Abgesehen von 20 Fach- und Managementpositionen sei keine abgeschlossene Ausbildung notwendig.

Allgemein, das gelte auch für die Fahrer, sei man bemüht, dass faire Bezahlung und Arbeitsverhältnisse vorliegen. Hans-Herrmann Roden (SPD) betonte, dass er Aussagen in diese Richtung im Protokoll vermerkt haben wolle. Auf Seiten der Linken reagierte man mit Kopfschütteln darauf , dass einer der meistkritisierten Arbeitgeber nach Bad Oldesloe komme. Jens Wieck (CDU) betonte, er könne es nicht verstehen, dass ein „gutes Projekt“ jetzt schon wieder zerredet werde. Auch Arbeitsplätze für nicht gut qualifizierte Mitbürger seien wichtig.

Das sah Bürgermeister Jörg Lembke mit Blick auf die Nebeneffekte anders. Er zeigt sich enttäuscht über das Vorhaben. Große Hoffnungen waren mit dem neuen Gewerbegebiet verbunden gewesen. In einem der früheren Ausschüsse hatte man noch betont, man hoffe, die Fläche werde nicht für Großlogistiker verschwendet.

„Dieses Projekt ist für Bad Oldesloe hauptsächlich eine teure Tasse Tee. Es wird nur kosten. An Steuereinnahmen sind ungefähr 30.000 Euro zu erwarten. Wir müssen die Infrastruktur, die Straßen, Wohnungen im sozialen Wohnungsbau, Kita-Plätze und so weiter schaffen. Die meisten Mitarbeiter dort werden von ihrem Lohn nicht leben können und Aufstocker werden. Das ist nicht das, was wir uns für unsere Stadt wünschen“, so Lembke deutlich. „Wir können aber nichts dagegen tun. Das ist Privatwirtschaft.“

„Erstmal sind wir froh, wenn sich in Gewerbegebieten etwas tut. Dass aber der große Feind des Einzelhandels direkt vor die Haustür zieht, wird für manche Kollegen in der Innenstadt ein psychologisch verheerendes Zeichen sein, das nicht ohne Folgen bleiben wird“, glaubt Holger Mahlke von der Wirtschaftsvereinigung Bad Oldesloe. „Ich finde den geplanten Schuhkarton am Stadteingang unglücklich. Herr Eggers sollte auch das Stadtbild bei seinen Plänen im Blick behalten“, kritisierte Matthias Rohde (FBO).

Lob gab es generell dafür, dass Amazon überhaupt den Weg in den Ausschuss antrat, der nicht verpflichtend war.

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