Betrachtungen zum Wochenausklang: Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Stormarner Tageblatt  31.08.2019

Stormarner Wochenschau

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten

Eigentor Ein großes Auslieferungslager eines internationalen Internethändlers soll nach Bad Oldesloe kommen. Soll man sich darüber freuen? Vor dem Hintergrund der Fakten fällt das schwer: 150 Arbeitsplätze mit einem Bruttoverdienst von eben über elf Euro die Stunde, Hunderte Auslieferungsfahrzeuge täglich und Lkw-Zulieferung nachts und – was schwer wiegt – ein ganz schlechtes Signal an die Kaufleute in der Innenstadt. Möglicherweise wird der Internethändler im Umkreis von seinem Auslieferungslager innerhalb eines halben Tages liefern, wie sollen da Einzelhändler überleben? Unsere Karikaturistin hat schon mal in die Zukunft geschaut. Was ebenso schwer wiegt: Mit rund 30.000 Euro werden die Steuereinnahmen beziffert. Mit dem Geld lässt sich noch nicht mal die Straße zum neuen Lager finanzieren. Aber vielleicht sollte man sich ja nicht zu laut beschweren, schließlich hatten es Verwaltung und Politik mit der B-Plan-Gestaltung selbst in der Hand, welche Firmen sich ansiedeln.

Einsatz Das war wirklich ein starker Auftritt: Beim finalen Städtewettkampf der NDR-Sommertour im Hansa-Park haben Bürgermeister Jörg Lembke und seine Getreuen aus der Feuerwehr gezeigt, das an Bad Oldesloe kein Weg vorbeiführt. Mit Kraft und Taktik haben sie die Gegner in die Knie gezwungen. Das war gerade bei der Disziplin Tauziehen zu beobachten. Als hätten sie vom magischen Druiden Miraculix eine Dosis Zaubertrank eingeflößt bekommen, zogen die glorreichen Fünf aus der Kreisstadt die Rivalen auf der anderen Seite schwuppdiwupp und in Rekordzeit über die Markierung. Grandios! Und Philipp Bornholdt – selbst ein Mann wie ein Baum – warf dann beim Baumstamm-Weitwurf alles in die Waagschale und wuchtete den hölzernen Pfosten in unerreichbare Weiten. Beeindruckend! Lohn der sportlichen Arbeit: Freier Eintritt für ganz Bad Oldesloe! Und wir überschlagen mal kurz: 25.000 Einwohner x 39 Euro Eintritt pro Nase = 975.000 Euro. Mein lieber Schwan! Egal, wie viele letztlich hinfahren. Der Gewinn zahlt sich für Stormarns Kreisstadt in jeder Hinsicht aus. Gut gemacht!

Ernüchternd Mehrfach fiel ein mittlerweile ehemaliges Mitglied der Schülervertretung der Theodor-Mommsen-Schule durch rechtspopulistische Provokationen auf. Zumindest sagen das mehrere Schüler. Und in Zeiten, in denen dazu aufgerufen wird, solchen Tendenzen entgegenzuhalten, gingen sie nach einiger Zeit zum Schulleiter und suchten das Gespräch. Im Endeffekt passierte aus ihrer Sicht nicht viel. Also sprachen sie mit einer linken Jugendgruppe in Bad Oldesloe und suchten Unterstützung bei einem linken Stadtverordneten. Das Thema wurde in die Lokalpolitik getragen. Aus dieser hörten die Schüler nur, dass die Lokalpolitik nicht zuständig sei. Zudem habe der Schulleiter und ein anderes Mitglied der Schülervertretung ja bereits gesagt, es sei nichts passiert. Dass Schüler sich durch die rechten Provokationen gestört fühlten, spielte keine Rolle mehr. Stattdessen entbrannte ein Gefecht zwischen dem Schulleiter und der Linken. Plötzlich geht es um Manipulation und der Schulleiter benutzt das Trump-Vokabular „Fake news“. Das eigentliche Thema versackt und wird zur Nebensache. Der FBO-Stadtverordnete Claus-Hinrich Stange schreibt ohne viel Hintergrundwissen in sozialen Netzwerken vom „inszenierten Sturm im Wasserglas“ und beklagt die Berichterstattung zu dem Thema. So sieht er also aus – der Kampf gegen aufkommende rechte Tendenzen: Engagierte Schüler, die sich überwunden haben zum Schulleiter zu gehen und danach in einen Ausschuss, werden scheinbar im Stich gelassen.

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