Bad Oldesloe setzt auf Solardächer

Lübecker Nachrichten   03.09.2019

Für den Klimaschutz wollen Bad Oldesloes Grüne geeignete städtische Gebäude künftig mit Photovoltaik-Anlagen bestücken – Bürgermeister Lembke warnt vor den Kosten

Wilfried Janson (Grüne) vor dem Altbau der Stadtschule Bad Oldesloe, die 2005 als erstes öffentliches Gebäude der Stadt ein Solardach erhielt. Foto: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Das Thema Klimaschutz ist wichtig. Wie schwierig die praktische Umsetzung selbst bei einer auf den ersten Blick sogar gewinnbringend erscheinenden Maßnahme ist, zeigt ein Beispiel aus der Oldesloer Kommunalpolitik. Es geht um Solardächer von Schulen und anderen städtischen Gebäuden, die die Klimabilanz deutlich verbessern würden.

Die von Wilfried Janson (Grüne) im Umweltausschuss vorgeschlagene Klimaschutzmaßnahme sollte – langfristig betrachtet – noch nicht einmal Geld kosten. Sie soll sogar Gewinne bringen. Bei einer Lebensdauer der Anlage von 30 bis 40 Jahren erwirtschafte man laut Janson daraus „mindestens das Doppelte von dem, was sie einmal gekostet hat“. Zunächst wollte er die Schuldächer und später andere geeignete Dächer öffentlicher Gebäude bis 2025 mit Photovoltaik-Anlagen ausrüsten. Der breiten Rückendeckung im Ausschuss für die kostenneutrale beziehungsweise langfristig gewinnträchtige Klimaschutzmaßnahme stellte sich Bürgermeister Jörg Lembke entgegen. Er betonte, dass man für die Maßnahme Personalkosten einplanen müsse. Die städtischen Mitarbeiter seien schon jetzt überlastet. Die zwei Ingenieure der Stadt müssten rund 100 städtische Gebäude betreuen. Hinzu kommen die Renovierung der Theodor-Storm-Schule und die geplante Erweiterung der Ida-Ehre-Schule. Für den Erweiterungsbau der Klaus-Groth-Schule (KGS) sei bereits eine Photovoltaik-Anlage eingeplant. Auch für den Erweiterungsbau der Ida-Ehre-Schule (IES) könnte das Solardach berücksichtigt werden. Bei laufenden Projekten sei die Umsetzung möglich, so der Bürgermeister. Aber es könnten nicht alle 100 städtischen Gebäude untersucht und dann während und nach der Maßnahme betreut werden.

So bliebe der Einsatz eines externen Ingenieurbüros die einzige Möglichkeit, falls die Überprüfung aller Dächer gewünscht sei. Schließlich müsse die Statik untersucht, eine Ausschreibung durchgeführt, die Installation begleitet werden. Die Maßnahme müsse wegen der Personalnot sogar dauerhaft ausgelagert werden, kündigte Lembke an – mitsamt der späteren Unterhaltung. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass das Dach mindestens in den folgenden 20 Jahren nicht saniert werden müsste.

Janson wollte den Beschluss so schnell wie möglich: „Damit jetzt endlich etwas passiert. Wir müssen endlich mehr tun. Die Sache ist dringend.“ Lembke gab zu bedenken, dass selbst wenn jetzt Planungskosten für 2020 eingeplant werden würden, die Maßnahme frühestens 2021 anlaufen könnte. Wilfried Janson dagegen sagte: „Wir haben nur noch zehn Jahre Zeit, um ambitionierten Klimaschutz zu betreiben, damit die Klima-Erwärmung gemäß dem Pariser Abkommen unter zwei Grad bleibt.“ Reine Ankündigungspolitik sei nicht mehr zielführend. Janson: „Es müssen Taten folgen.“ Damit das Ziel seines Antrags erreicht werde, müssten in Bad Oldesloe 10 bis 15 Photovoltaik-Anlagen pro Jahr gebaut werden.

Im Ausschuss einigten sich die Mitglieder schließlich auf den mehrheitlich getragenen Beschluss, auf den geeigneten Dächern der Stadt mindestens eine Solaranlage pro Jahr zu bauen, vorrangig auf den Gebäuden, die neu errichtet oder saniert werden. Dann bleibe die Zusatzarbeit für die Verwaltung überschaubar. Auf Antrag von SPD und CDU soll der Bürgermeister zudem die Kosten ermitteln, die entstehen würden, wenn ein Planungsbüro damit beauftragt würde, geeignete Schuldächer zu ermitteln.

Für Janson ist die Klimaneutralität der öffentlichen Gebäude das Ziel. Da fast alle öffentlichen Gebäude bereits an Blockheizkraftwerke angeschlossen sind und weitgehend klimaneutral Heizung und Warmwasser nutzen, fehlt nur noch der Strombereich.

Als erste Schule in der Stadt hatte die Stadtschule 2005 ein Solardach als Bürgersolaranlage bekommen. Seitdem sind die Preise drastisch auf etwa ein Viertel der Kosten gefallen. Nur wenn man den Strom selbst nutze und nicht ins Netz einspeise, so Janson, rechne es sich heute noch. Die letzte Bürgersolaranlage auf dem Bauhof-Mietdach war 2011 in Betrieb gegangen.

Auch Firmen setzen mittlerweile auf Energie aus der Sonne. So baute sich beispielsweise Aldi in Bargteheide eine Anlage mit etwa 1000 Kilowatt aufs Dach. Und auf den geplanten Neubau von Amazon in Bad Oldesloe würde nach Schätzung von Janson sogar eine doppelt so große Anlage passen.

Allerdings ist mit dem politischen Beschluss allein noch nicht garantiert, dass es pro Jahr mindestens ein neues Solardach auf den städtischen Immobilien gibt. Janson: „Wir erleben es in vielen Fällen, dass etwas beschlossen wurde, das Geld da ist und es trotzdem nicht umgesetzt wird, da kein Personal da ist.“ So seien beispielsweise das Radhaus und der Kreisel am Sülzberg verschoben worden.

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