Geld für Berater: Kritik vom Steuerzahlerbund

Lübecker Nachrichten   04.09.2019

Lob und Verständnis gibt es für Bad Oldesloe allerdings vom Landesrechnungshof – Das komplizierte Bewertungssystem lockt immer mehr Beraterfirmen in Verwaltungen

Bad Oldesloe. Der Bund der Steuerzahler reagiert mit Kritik und Unverständnis auf Pläne in Bad Oldesloe, Stellenbewertungen innerhalb der Stadtverwaltung extern zu vergeben. Der Finanzausschuss hatte in der vergangenen Woche 60 000 Euro dafür freigemacht, dass 23 Anträge auf eine höhere Einstufung von einer Beraterfirma geprüft werden.

„Das ist ärgerlich, aber mittlerweile in Verwaltungen auch gar nicht mehr ungewöhnlich“, sagt Rainer Kersten, Geschäftsführer des Bundes des Steuerzahler in Schleswig-Holstein. Externe Dienstleister dafür zu beschäftigen sei inzwischen ein stark verbreitetes Phänomen, das bis auf die Landesebene reicht. Kersten: „Ein allgemeiner Trend, der jedoch gestoppt werden muss.“

Personalprobleme hin oder her, laut Bund der Steuerzahler ist jede Verwaltung fachlich selbst in der Lage, Stellenbewertungen vorzunehmen. „Die Grundlagen sind einheitlich, es gibt einen Tarifvertrag mit Leistungsanforderungen an jede Stelle“, sagt Kersten. Den Arbeitsaufwand von veranschlagten 30 Stunden pro Stellenbewertung zweifelt er stark an. Es handele sich um eine klassische Aufgabe der Vorgesetzten, also des Bürgermeisters oder der Abteilungsleiter.

Zur Seite springt der Stadt allerdings die Kommunalaufsicht des Kreises Stormarn. Ein derartiger Vorgang sei nicht ungewöhnlich, heißt es dazu aus der Kreisverwaltung. Stellenbewertungen nach außen zu vergeben komme aufgrund der Komplexität häufiger vor; entweder aufgrund von Personalmangel oder wegen des Fehlens von Fachpersonal, zum Beispiel in kleineren Verwaltungen.

Unterstützung kommt sogar vom Landesrechnungshof, der erst vor Kurzem die Oldesloer Stadtverwaltung auf Herz und Nieren geprüft und einen umfassenden Bericht erstellt hat. „Stellenbewertungen sind äußerst komplex. Sie sind nicht per se mit Höhergruppierungen gleichzusetzen“, erklärt Sprecherin Ulrike Klindt. Es gehe vielmehr darum, im Einzelfall wahrgenommene Aufgaben dezidiert aufzunehmen, die dafür benötigten Zeitanteile zu ermitteln und darauf eine umfassende tarif- beziehungsweise besoldungsrechtliche Bewertung des Aufgabenspektrums vorzunehmen.

Der Landesrechnungshof hatte in seinem Prüfbericht eine Vielzahl organisatorischer Mängel aufgezeigt. Verschiedene organisatorische Grundlagen sind demnach nicht oder unvollständig vorhanden. „Sie dürften das Erheben der Angaben zu den Stellen erschweren“, erklärt Ulrike Klindt. Vor diesem Hintergrund begrüße der Landesrechnungshof, dass Bad Oldesloe die Stellenbewertungen – wenn auch mit externer Hilfe – in Angriff nimmt. „Ob die Summe von 60 000 Euro angemessen ist, können wir nicht beurteilen.“

In Bad Oldesloe läuft eine Stellenbewertung folgendermaßen ab: Der Sachbereich Personal und Organisation überprüft die vorhandenen Stellenbeschreibungen oder erstellt diese teilweise neu. Anschließend erfolgen nach komplexen tariflichen Regelwerken die Bewertungen. Diese Ergebnisse werden anschließend noch in einer Bewertungskommission besprochen und die Umsetzung der Verwaltungsleitung empfohlen. So kommt laut Stadtverwaltung der Zeitaufwand von etwa 30 Stunden zustande.

Der Sachbereich Personal und Organisation wiederum sei zurzeit aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage, die insgesamt 23 Anträge zeitnah abzuarbeiten. Dies hänge mit einer hohen Auslastung durch Stellenbesetzungsverfahren, durch die Abarbeitung von Organisationsmaßnahmen, der verstärkten Ausbildungsbemühungen und durch die Bearbeitung von Prüfberichten des Landesrechnungshofes sowie des Rechnungsprüfungsamtes zusammen.

Abhilfe soll es durch die Einwerbung neuer Stellen im Organisationsbereich über den Nachtragsstellenplan beziehungsweise den Stellenplan 2020 geben. Die vorliegenden 23 Anträge sollen nun jedoch von einer externen Beraterfirma übernommen werden.

Abschließend entscheidet darüber die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag (19.30 Uhr, KuB).

Kommentar

Tarifdschungel entflechten!

Berater für die Bewertung von Stellen? Es muss einfacher gehen!

Personalmangel, fehlende Fachkompetenz: Es gibt verschiedene Gründe, warum Verwaltungen auf externe Berater zurückgreifen. In Bezug auf die Bewertung von Stellen – schlussendlich geht es um Gehaltserhöhungen – ist dieses Vorgehen jedoch an Außenstehende schwer vermittelbar.

Ich habe eine neue Aufgabe dazubekommen oder mehr Verantwortung, dann gehe ich zum Chef und verhandele mit ihm über mehr Lohn. So einfach ist es jedoch in der Welt der Behörden bei weitem nicht.

In Bad Oldesloe hat das entsprechende Fachpersonal gerade viele andere Aufgaben zu bewältigen, so dass der Finanzausschuss 60 000 Euro für externe Berater freigemacht hat. Immer mehr Dienstleister tummeln sich auf diesem Gebiet und verdienen viel Geld mit der Beurteilung von Aufgaben. 30 Stunden sind angesetzt für eine Stelle. Welch ein Irrsinn!

Die Oldesloer Verwaltung und die Politiker trifft dabei gar keine Schuld. Es ist sogar notwendig, so zu handeln, um die Anträge schnell abzuarbeiten und gute Mitarbeiter zu halten.

Vielmehr müssen auf höherer Ebene der Tarifdschungel im Öffentlichen Dienst entflochten und einfachere Regeln geschaffen werden. Nach der Stellenbewertung entscheidet derzeit noch eine Kommission zusammen mit der Verwaltungsleitung. Das muss man sich mal vorstellen.

Macht man das System verständlicher und transparenter, können nicht nur Mitarbeiter effektiver, sondern auch finanzielle Mittel sinnvoller eingesetzt werden.

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