Oldesloes Jugendfeuerwehr boomt

Lübecker Nachrichten   05.09.2019

30 Jugendfeuerwehrleute werden in Bad Oldesloe ausgebildet – Bewerber stehen auf der Warteliste

Die Geschwister Marvin und Fiona Hömske am C-Strahlrohr. Die beiden sind passionierte Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Fotos: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Bei der Oldesloer Jugendfeuerwehr boomt es. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Arne Mundt (32), stellvertretender Jugendwart der Ortswehr. Mit 30 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Mundt: „Wir können nicht mehr aufnehmen. Wir haben nicht mehr Platz im Spind. Außerdem wird es eng mit den Betreuern.“ Die sind zwar schon zu sechst. Aber zudem bei den Einsätzen gefragt. Das waren in diesem Jahr bisher 240.

Nur vereinzelt profitiert die aktive Wehr derzeit von dem Feuerwehr-Nachwuchs. Denn das Gros der Jugendfeuerwehrleute ist 14, 15 Jahre alt. Ein Alter, in dem sich Hobbys auch noch mal ändern können. Zwar tritt jetzt um den Jahreswechsel Marvin Hömske (17) in die aktive Wehr ein. Doch danach folgt altersmäßig erst einmal einige Jahre lang niemand.

Jugendwart Florian Stock (30) ist selbst als Zehnjähriger zur Bad Oldesloer Jugendfeuerwehr gegangen. Seit drei Jahren ist er jetzt Jugendwart, war auch davor Betreuer. „Es wiederholt sich“, sagt er. Er kann sich noch an frühere Zeiten mit einer Warteliste erinnern. Je mehr Jugendliche in der Feuerwehr sind, desto mehr kommen nach, sagt er.

Durch Mundpropaganda, Geschwister, Schule, Nachbarn, Verwandte oder Freunde kommt der Nachwuchs zur Jugendfeuerwehr, zählt Arne Mundt auf. Er ist seit drei Jahren der Stellvertreter von Stock. Vor zehn Jahren kam Mundt aus einer Feuerwehr im Lauenburgischen zur Oldesloer Ortswehr.

Das Ziel ist die Ausbildung der Feuerwehrleute von morgen, die Nachwuchssicherung. „Leute, die Erfahrung in Form von Ausbildung mitbringen. Sie dürfen erst mit 18 am Einsatzdienst teilnehmen“, erklärt Mundt. Mit 16 Jahren jedoch dürfen sie beim Übungsdienst der Aktiven mitmachen. So wie Marvin Hömske, der dadurch in der „Feuerwehrwoche“ gleich zwei Dienste hat. Montag mit der Jugendfeuerwehr und Freitag den Übungsdienst mit den Aktiven.

Zur Feuerwehr kam Marvin „eigentlich durch meinen Vater.“ Der ist selbst Oldesloer Feuerwehrmann. „Zuerst habe ich mir die Fahrzeuge angeschaut“, berichtet der 17-Jährige, der gerade eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker begonnen hat. Am besten gefallen ihm die Dienste, wie Löschübungen, sowie Ausflüge. Seit vier Jahren ist er jetzt dabei.

Etwas länger als seine Schwester Fiona (14). „Ich bin durch meinen Bruder zur Feuerwehr gekommen. Ich habe gesehen, wie viel Spaß er daran hat.“ Dadurch habe sie Lust bekommen, sich die Oldesloer Jugendfeuerwehr auch einmal anzugucken. Und sie blieb. „Man kann viel lernen. Die Ausflüge finde ich auch ganz schön.“ Die Schülerin: „Ich war das einzige Mädchen, als ich angefangen habe. Dann kamen noch einige dazu. Jetzt sind wir sechs Mädchen.“

„Wir haben drei Geschwisterpaare in der Jugendfeuerwehr“, erzählt Mundt. Es sei die Ausnahme, dass auch der Vater Feuerwehrmann ist. Nur in drei Fällen seien die Väter aktiv in der Wehr. So wie Marvin der einzige 17-Jährige in der Oldesloer Jugendfeuerwehr ist, gibt es auch nur einen Zehnjährigen. Auf der Warteliste stehen derzeit acht Kinder.

Vor dem Übertritt in die aktive Wehr muss die Leistungsspange bestanden sein, eine Art Gesellenprüfung im Neuner-Team. Mundt: „Es ist eine Teamaufgabe.“ Es bestehen alle gemeinsam – oder eben auch nicht. Marvin hat diese Prüfung bereits hinter sich. Wer als Quereinsteiger in die Feuerwehr kommt, muss einen Grundlehrgang absolvieren. So wie Betreuer Martin Baumann (36). Er kommt aus Berlin und ist erst seit vier Jahren in der Feuerwehr. Betreuer Florian Rohlf (31) ist als Zehnjähriger in die Oldesloer Jugendfeuerwehr eingetreten.

Nicht nur in Bad Oldesloe, auch auf Kreisebene steigen die Mitgliederzahlen bei der Jugendfeuerwehr. 2018 gehörten im Kreis Stormarn insgesamt 869 Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr an. 61 mehr als noch 2017. Im Schnitt gehen zwei Drittel der Jugendfeuerwehrleute mit 18 in die Einsatzabteilung, weiß Kreisjugendfeuerwehrwart Melf Behrens. Etwa ein Viertel der Jugendfeuerwehren im Kreis Stormarn haben eine Warteliste. Begrenzter Platz, nicht genügend Ehrenamtler oder Kosten für die Schutzbekleidung können Gründe dafür sein. In Bad Oldesloe gibt es auch noch eine Jugendfeuerwehr im Ortsteil Rethwischfeld. Ansonsten gibt es im Norden des Kreises Jugendfeuerwehren in Meddewade, Travenbrück, Steinburg, Feldhorst, Westerau und Reinfeld.

Jugendfeuerwehrleute mit Betreuern: Arne Mundt (v.l.), Florian Stock, Martin Baumann, Florian Rohlf. SUSANNA FOFANA

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