Die Dänen trauten sich was

Lübecker Nachrichten   07.09.2019

Für die Verwaltung wurde es bereits im frühen 19. Jahrhundert zu eng – Aber seit langer Zeit ist das schmucke Gebäude, 1798 gebaut von einem Baumeister aus Dänemark, ein kultureller Treffpunkt

Das Trauzimmer im Historischen Rathaus in Bad Oldesloe ist beliebt. fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. „Es geschieht immer wieder, dass sich bei uns dänische Touristen melden. Die sind dann auf den Spuren ihres Architekten Christian Frederik Hansen.“ Das sagt die Bad Oldesloer Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander. Das Interesse der Dänen gilt dem Historischen Rathaus, erbaut zwischen 1804 bis 1806.

Einheimische wissen es: 1798 kam es zum großen Oldesloer Stadtbrand, dem weite Teile der Stadt zum Opfer fielen. Im dänischen Oberbaudirektor Christian Frederik Hansen, daneben Landesbaumeister des Herzogtums Schleswig und von Altona, fanden die arg gebeutelten Oldesloer einen Experten, wie sie ihn sich für den Wiederaufbau nicht besser hätten wünschen können. Bereits vier Jahre vor dem Oldesloer Stadtbrand waren große Teile des dänischen Christansborg abgebrannt, und man hatte auch dort Hansen für den Wiederaufbau gerufen.

In Oldesloe kümmerte er sich nicht allein um das Rathaus, dass er im typisch klassizistischen Stil gestaltete, sondern er hatte einen Aufbauplan für die gesamte Stadt erarbeitet. Die Wege wurden verbreitert, der Marktplatz neu und großzügig trapezförmig ausgerichtet. Logierhäuser, Badepavillons und selbst eine simple Torfscheune wurden auf Anregung Hansens gebaut – der Mann hatte großes Ansehen, aber wer von seinen Zeitgenossen konnte damals schon ahnen, dass der dänische Baumeister später als einflussreichster klassizistischer Architekt im ganzen Norden gelten sollte, was eben architektonisch interessierte Besucher nicht allein aus Dänemark bis heute nach Bad Oldesloe zieht.

Eine klare klassizistische Formensprache, angelehnt an die Entwürfe des italienischen Baumeisters Andrea Palladio, bestimmt den Bau für die heutige Kreisstadt. Ursprünglich gab es nur den jetzigen Rathaussaal, eine „Parteien“- und eine Ratsstube, eine Küche und einen Raum für die Stadtkasse. Zunächst diente das Rathaus auch als Stadtgericht. Doch nach dem deutsch-dänischen Krieg habe man unter preußischer Herrschaft Verwaltung und Gericht räumlich streng trennen müssen, weiß der ehemalige Kreisbaudirektor Burkhard von Hennigs. Deshalb wurde das Rathaus 1869 um eine Beletage aufgestockt.

Über die Jahre gab es manche Veränderungen und auch Anbauten nach der jeweils vorherrschenden Stilrichtung – häufig nicht zum Besten des klassizistischen Baus. Als die Fassade 1893 in der Form des Historismus mit Stuck versehen und dazu noch grün angestrichen wurde, sprach der Volksmund in Oldesloe vom Rathaus als dem „Laubfrosch“.

Einen größeren Anbau bekam das Gebäude noch 1905/1906, doch einige Jahre später wurde das Rathaus für die gesamte Verwaltung zu eng – zusätzlich entstand auf der schräg gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes das Stadthaus, heute ausschließlicher Sitz der Verwaltung. Als letzte Abteilung verließ vor Jahren das Standesamt das Historische Rathaus. Das gilt aber nur fürs Alltagsgeschäft – das Trauzimmer im fast 200 Jahre alten Haus ist nach der groß angelegten Sanierung von 2017 beliebter denn je.

Für einen Aufwand von insgesamt 1,8 Millionen Euro waren das Dach saniert, Risse verspachtelt und die Fassade neu gestrichen worden. Außerdem wurden die Fenster erneuert und Akustik, Beleuchtung, Brandschutz und Elektrotechnik auf den neuesten Stand gebracht. Mit dem benachbarten Kultur- und Bildungszentrum (KuB) am Ort des alten Amtsgerichtes bildet das Historische Rathaus einen reizvollen architektonischen Gegensatz und kulturell eine Einheit. Größere Veranstaltungen finden seitdem im „großen KuB“ statt, während der alte Rathaussaal bereits seit den 80ern Veranstaltungsort für Lesungen und kleine aber gediegene Klassik- und Jazzkonzerte war. Seit der Sanierung finden im Historischen Rathaus wieder Lesungen und andere kleinere Kulturveranstaltungen statt.

Das Rathaus wurde vom dänischen Baumeister C.F. Hansen zwischen 1804 und 1806 erbaut – gleich nach dem großen Stadtbrand. foto: lothar kullack

1927 hatte der Gänselieselbrunnen vor dem Rathaus noch eine üppig gemauerte Einfassung. Seit den 1950er Jahren durften Autos auf dem Marktplatz parken – das endete erst mit Einführung der Fußgängerzonen foto: Stadtarchiv

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.