Mensa-Betreiber: Darf es ein wenig mehr sein?

Stormarner Tageblatt  07.09.2019

Ex-Caterer nahm einen Großteil der Küchenausstattung mit / Familienpartei kritisiert Bürgermeister

Heimat des neuen Caterers: Die Stadtschulmensa.Nie
Heimat des neuen Caterers: Die Stadtschulmensa.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Der Wechsel des Mensabetreibers an den Oldesloer Grundschulen bleibt ein teures Reizthema, das die Gemüter hoch- und überkochen lässt.

Nachdem vor allem ein Teil der Eltern an der Stadtschule, deren Kinder durch die gebundene Schule von einem guten Caterer abhängig sind, sich über das angebotene Essen der Firma Dussmann immer wieder beschwert hatten und neben mangelhafter Kommunikation Verstöße gegen Datenschutz fehlende Bioprodukte anprangerten, trennte sich die Stadt Bad Oldesloe vom Profi-Caterer.

Bürgermeister Jörg Lembke gab damals schon zu bedenken, dass es womöglich schlauer wäre, noch ein halbes Jahr mit Dussmann durchzuhalten – doch die Mehrheit der Lokalpolitik und die Eltern wollten die Trennung zum Sommer.

Von den Eltern in Aussicht gestellte lokale, geeignete Nachfolger fanden sich laut Verwaltung im Endeffekt nicht. So wurde es die Firma „Rebional“ aus Herdecke (Nordrhein-Westfalen).

Die Zeit zwischen dem Abschied von Dussmann zum Schuljahresende über die Auswahl des Nachfolgers bis zum Start des neuen Schuljahres war knapp. So knapp, dass Bürgermeister Jörg Lembke zwischenzeitlich nicht daran glaubte, dass man es schaffen könne. „Das wäre nicht möglich gewesen, wenn meine Mitarbeiter in der Verwaltung nicht so ehrgeizig gewesen und über ihre Grenzen gegangen wären. Hier wurde alles auch an Kompetenzen bis zum Rand ausgereizt. Meine Mitarbeiter haben gesagt, dass sie im Zweifel ihren Urlaub in den Sommerferien verschieben. Dieser Einsatz ist gar nicht hoch genug zu bewerten“, so der Verwaltungschef. Es sei ausschließlich dem Einsatz der Verwaltung zu verdanken, dass der Caterer-Wechsel geklappt habe. Nur so konnte verhindert werden, dass eine Gulaschkanone nach dem erzwungenen Abschied der Firma Dussmann hätte aufgebaut werden müssen. Damit das alles gelingen konnte, musste auch eine Menge Inventar in der Stadtschulküche ausgetauscht werden. Denn das gehörte der Firma Dussmann. Die Firma „Rebional“ schaffte also das fehlende Equipement erstmal selbst an, damit die Alternativlösung einer Gulaschkanone nicht zum Tragen kommen musste.

Nun muss die Stadt die entstandenen Kosten von 44.239.68 Euro ersetzen. Unter den Gerätschaften, die nun in den Stadtbesitz übergehen, ist allerdings nicht die „Kippbratpfanne“, die immer als hauptsächlicher Grund für die Umbauarbeiten galt. Diese möchte „Rebional“ gerne im Eigenbesitz behalten. „Wir danken den Verwaltungsmitarbeitern für ihren Einsatz. Dass jetzt noch nicht alles rund läuft, ist klar. Ich verstehe aber absolut nicht, dass wir vorher nicht erfahren haben, dass die Geräte der Firma Dussmann gehören. Außerdem wären die mit besserer Vorbereitung sicherlich günstiger zu haben gewesen“, war Tom Winter (Familienpartei) erzürnt. „Dass der Bürgermeister in der Presse die engagierten Eltern und die Politik angreift, quasi Druck aufbaut und etwas von einer Gulaschkanone erzählt, finde ich unmöglich“, legte er nach. Außerdem frage er sich, weshalb ausgerechnet die Kippbratpfanne nun nicht angeschafft wurde. „Das Verhalten führt nicht zu mehr Vertrauen in den Bürgermeister“, so Winter.

„Ich stehe zu der Aussage mit der Gulaschkanone. Das war kein Druck, sondern eine sehr realistische Einschätzung. Herr Winter und sein Verhalten sind mir unerklärlich. Da kann man nur erstaunt und enttäuscht sein. Erneut irgendwelche Behauptungen aufzustellen, ist ein Angriff auf die Verwaltung, die alles getan hat, damit der von den Eltern und der Familienpartei gewünschte Catererwechsel klappt“, so Lembke.

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