Bad Oldesloe setzt auf fairen Handel

Lübecker Nachrichten   14.09.2019

Der Titel Fairtrade-Stadt wurde bereits zweimal erneuert – Nach dem „Beste Trave Stadtkaffee“ und dem „Beste Trave Olivenöl“ können Kunden in Bad Oldesloe die neue faire Schokolade probieren

Eigenes Label für drei Produkte aus fairem Handel: Agnes Heesch mit dem Kaffee, die Auszubildende Wencke Behrens mit der neuen Schokolade und Hartmut Jokisch mit dem Olivenöl. Foto: FOFANA

Bad Oldesloe. Wenn es nach Stadtsprecherin Agnes Heesch geht, wird Bad Oldesloe irgendwann sogar einmal die Hauptstadt des fairen Handels sein. „Beim nächsten Mal werden wir Fairtrade-Hauptstadt. Das schaffen wir“, wünscht sie sich begeistert. 2017 hat Köln es geschafft. „Das kann man nicht vergleichen“, bremst Hartmut Jokisch, Initiator und Mitglied der Oldesloer Fairtrade-Town-Steuerungsgruppe. „Da machen es nicht nur Ehrenamtler.“ Außerdem sei das Verfahren kompliziert.

Am diesjährigen Wettbewerb hat sich die Stadt Bad Oldesloe mit dem besonderen Projekt „faires Olivenöl“ aus der Oldesloer Partnerstadt Jiffna trotzdem beteiligt. Fairtrade-Hauptstadt wird die Kreisstadt damit wohl nicht. Aber immerhin wurde eine Oldesloer Abordnung um Hartmut Jokisch zur Preisverleihung nach Köln und zum Fach-Kongress vom 18. bis 20. September von TransFair e.V. und Engagement Global gGmbH in die amtierende Hauptstadt des Fairen Handels Köln eingeladen. Vielleicht bringt die Delegation dann viele neue, nachhaltige Ideen mit nach Bad Oldesloe.

„Kaffee ist immer noch der Star“, weiß Stadt-Info-Mitarbeiterin Manja Eggers. Bei ihr im Kultur- und Bildungszentrum stehen sowohl der „Beste Trave Stadtkaffee“ als auch das „Beste Trave Olivenöl“ im Regal neben anderen Kreisstadt-Souvenirs. In Kürze wird dort zudem eine Schokolade mit dem Oldesloe-Label zu haben sein. Die „Beste Trave Schokolade“. Eggers: „In der Weihnachtszeit setzen wir auf die Schokolade.“ Und sie passt auch wunderbar in die KuB-Gut-scheine, hat sie schon ausprobiert: „Als süße Überraschung zum Fest.“

Hat denn schon jemand die neue Schokolade probiert? „Ja, ich“, gesteht Jokisch. Obwohl er Bitterschokoladen-Liebhaber sei, habe er bisher nur die Milchschokolade getestet. Sein Urteil: „Die schmeckt sehr gut.“ Vorgestellt werden beide Schokoladensorten am morgigen Sonntag beim Fairen Frühstück des Oldesloer Weltladens und der Stadt von Bürgermeister Jörg Lemke. Beginn ist um 10 Uhr im Bürgerhaus, Anmeldungen sind nicht erforderlich. Der Eintritt kostet 5 Euro. Dort kann die faire Stadtschokolade dann auch gleich neben anderen Produkten aus fairem Handel wie Hummus, Falafel, Pita, Pizzabrötchen, Salaten und natürlich dem Oldesloer Stadtkaffee genossen werden.

2015 war Bad Oldesloe die erste Fairtrade-Stadt im Kreis Stormarn. Die 336. von aktuell 626 deutschen Fairtrade-Towns. In diesem Jahr gab es die dritte Urkunde. Denn alle zwei Jahre muss die Stadt sich neu um den Titel bewerben. Bei Bad Oldesloe ging das Verfahren von Anfang an „relativ schnell“, erinnert sich Jokisch. Im Frühjahr 2014 habe ein Fairtrade-Koordinator das Prozedere beim Grünschnack vorgestellt, bereits im November folgte der mehrheitliche Beschluss der Stadtverordneten, im Juni darauf die feierliche Verleihung des Siegels. Reinfeld wurde nach Bad Oldesloe die zweite Fairtrade-Stadt im Kreis Stormarn, die 522. in Deutschland.

„Ein Weltladen ist noch seltener als eine Fairtrade-Stadt“, weiß Jokisch. Und deshalb kommen auch Kunden aus dem ganzen Umkreis extra zum Oldesloer Weltladen im Bella-Donna-Haus in der Bahnhofstraße 12. Von Trommeln bis hin zu Tüchern kommt die Hälfte der fairen Produkte aus dem „Non-Food“-Bereich, die andere Hälfte besteht aus verpackten Lebensmitteln. Ein Schwerpunkt ist Kaffee. Jokisch: „Das am meisten gehandelte Fairtrade-Produkt in Deutschland ist Kaffee.“

Brandneu im Angebot des Oldesloer Weltladens ist der „Segelkaffee“. Der Bio-Kaffee Ahoi! aus Nicaragua wurde CO2 -frei über den Atlantik nach Deutschland gesegelt. Hartmut Jokisch war selbst bei der Ankunft des Segelfrachtschiffes im Hamburger Hafen dabei und überzeugte sich davon, dass die Kaffee-Lieferung ohne Motorkraft anlegte, per Hand abgeladen und mit Fahrrädern weitertransportiert wurde.

Der Oldesloer Weltladen ist montags bis sonnabends von 10 bis 13 Uhr, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag zudem von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Ursula Boos ist seit fast acht Jahren dabei. „Seit ich in Bad Oldesloe wohne“, sagt sie. Besonders gut gefällt ihr gerade ein buntes Dromedar aus dem Kunsthandwerk-Regal. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, dass sich darin eine Spardose verbirgt. Ehrenamtliche Mitarbeiter für den seit 1992 existierenden Laden, der als Vorläufer ein Jahr lang einen Stand auf dem Wochenmarkt hatte, werden dringend gesucht.

Die „Beste Trave Schokolade“ wird am morgigen Sonntag beim Fairen Frühstück im Bürgerhaus vorgestellt. Foto: SUSANNA FOFANA

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