Der Wert der Bildung

Stormarner Tageblatt  14.09.2019

Streit um die Stadtbibliothek im Ausschuss – wie viel Geld darf eine Bildungseinrichtung kosten?

Beliebter Treffpunkt und wichtiger Bildungsort: Die Bad Oldesloer StadtbibliothekNie
Beliebter Treffpunkt und wichtiger Bildungsort: Die Bad Oldesloer StadtbibliothekNie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Bad Oldesloer Stadtbibliothek ist ein echter kultureller Treffpunkt in der Kreisstadt. Eine Bildungseinrichtung auf die man – auch wegen immer wieder guter Platzierungen bei Vergleichen und Wettbewerben – stolz sein kann.

Im Jahr erzeugt dieses Angebot allerdings knapp über 659.000 Euro Kosten. Dem entgegen stehen Erlöse von knapp 126.400 Euro. Die Stadt Bad Oldesloe musste also 2018 rund 533.000 Euro in die Einrichtung investieren. Den größten Anteil schluckt dabei das Personal, das mit über 300.000 Euro zu Buche schlägt.

Jede Stunde kamen 2018 im Schnitt 59 Besucher in die Bibliothek. Ein minimaler Rückgang mit Blick auf 2017, der sich auch in den Ausleihen aus den über 42.000 verfügbaren Medien niederschlägt. Statt 285.492 (2017) wurden im vergangenen Jahr „nur“ 274.941 Medien ausgeliehen. Gleichzeitig stieg die Zahl der aktiven Leser aber an.

Erwachsene über 18 Jahren zahlen für die Nutzung im Jahr aktuell 15 Euro. Genau da setzte im Bildungs- Sozial- und Kulturausschuss die Kritik an. „Das entspricht einem Kostendeckungsgrad von nur 19,18 Prozent. Das sollten wir uns anschauen, ob wir da nicht etwas machen“, sagte Birgit Wieck (CDU). „Wir haben das Angebot immer weiter erweitert , die Gebühren fassen wir aber nicht an, das verstehe ich nicht“, so Wieck weiter.

Torben Klöhn (SPD) entsetzte dieser Vorschlag. „Ich muss hier wohl meinen jährlichen Text aufsagen, den ich leider mittlerweile schon monatlich erklären muss: die Bibliothek gehört zur Daseinsversorgung und wir würden sagen, dass dieses Bildungsangebot kostenlos sein müsste“, sagte der Sozialdemokrat. „Wir haben einen defizitären Haushalt. Der Landesrechnungshof hat uns einen Auftrag gegeben, etwas zu ändern mit Blick auf die Gebühren“, so CDU-Finanzexperte Andreas Lehmann.

Tatsächlich hatte der Landesrechnungshof in seinem Bericht angeregt, die Gebühren für Erwachsene nicht auf 20 Euro im Jahr zu erhöhen „Ich lese da nur, dass der Landesrechnungshof eine Idee vorschlägt“, so Klöhn. Er ärgerte sich, dass aus Richtung CDU und FBO neuerdings immer wieder der Hinweise auf einen defizitären Haushalt käme und man bei sozialen und kulturellen Einrichtungen über den Rotstift oder Beteiligungserhöhungen nachdenke. „Sie haben mit Ihrer Abschaffung der Straßenausbaubeiträge ein Loch in den Haushalt gerissen, um die Rechte von Hausbesitzern zu stärken. Jetzt wollen Sie mehr Geld von Menschen, die eine Bildungseinrichtung besuchen“, schimpfte Klöhn. „Ich kann es nicht mehr hören. Uns wird hier jetzt ständig vorgeworfen, wir hätten den Haushalt beschädigt, nur weil wir eine Ungerechtigkeit behoben haben“, so Amelie Strehl (FBO).

„Wir sind gegen jede Erhöhung. Diese würde sich auch nur irgendwo im Komma der Deckungshöhe niederschlagen“, so Tom Winter (Familienpartei). Auch Dagmar Danke-Bayer (Die Grünen) lehnt Erhöhungen kategorisch ab. Die FDP sieht auch keinen Handlungsbedarf. „Gerechtigkeit würde bedeuten, dass geschaut wird, wer was zahlen kann. Wer genug Geld hat, der könnte auch ruhig mehr zahlen, wer keines hat, möglichst nichts“, schlug Cornelia Steinert (Die Linke) vor.

Bürgermeister Jörg Lembke wies darauf hin, dass eine Umfrage ergeben habe, dass die Benutzer durchaus bereit seien, mehr zu zahlen, was Geißler bestätigte. „Ich verstehe gar nicht, wieso eine Umfrage stattfindet, aber wir nichts von den Ergebnissen erfahren, wenn wir nicht nachfragen“, wunderte sich Klöhn. „Warum wird so etwas nicht mit dem zuständigen Ausschuss abgeklärt?“, fügte der Sozialdemokrat an.

Lehmann wünschte eine Erweiterung der Öffnungszeiten, die dafür sorgen könnte, dass mehr Leser für eine bessere Auslastung sorgen und somitdie Erlöse besser würden. „Das geht nicht ohne mehr Personal oder technische Lösungen“, erklärte Bibliotheksleiter Jens Geißler. Das Thema Gebührenerhöhungen wird in den finalen Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 sicher auf den Tisch kommen.

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