Ist Bad Oldesloe reif für die (Bürgermeister-) Insel?

Stormarner Tageblatt  17.09.2019

Verwaltungschef möchte Bereich umgestalten und trifft auf erheblichen Widerstand

Kleinod im Bürgerpark: Die Bürgermeister-Insel. Jörg Lembke könnte sich auf dem Areal auch  Hochzeiten vorstellen.niemeier
Kleinod im Bürgerpark: Die Bürgermeister-Insel. Jörg Lembke könnte sich auf dem Areal auch Hochzeiten vorstellen.niemeier
Wurde zwischen 2003 und 2005  immer kleiner geplant und so zum nutzlosen, vorprogrammierten Flop: Die Kurparkbühne.Nie
Wurde zwischen 2003 und 2005 immer kleiner geplant und so zum nutzlosen, vorprogrammierten Flop: Die Kurparkbühne.Nie
 
Verwaltungschef, der nicht nur Fans hat: Jörg LembkeNie

Verwaltungschef, der nicht nur Fans hat: Jörg LembkeNie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Bürgermeister Jörg Lembke kann die Aufregung rund um seine Idee, die Bürgermeister-Insel umzugestalten und aufzuwerten, nicht verstehen. Seit längerer Zeit hat der Verwaltungschef der Kreisstadt die Vision auf der kleinen künstlichen Insel im Bürgerpark, Konzerte, andere kulturelle Highlights und ebenso Open- Air-Hochzeiten durchzuführen. Dafür soll die Insel umgestaltet und mit der entsprechenden Technik sowie Sitzplätzen am Ufer ausgestattet werden.

Viele Kulturschaffende in Bad Oldesloe und darüber hinaus finden die Idee gut, würde doch so ein weiterer, individueller Auftrittsort entstehen – ein weiterer Anziehungs- und Treffpunkt in Bad Oldesloe mit Alleinstellungsmerkmal. Auch wenn man Passanten befragt, die vom Parkplatz Exer in Richtung Innenstadt gehen, befürworten sie mehrheitlich den Vorstoß. Zumeist mit dem Hinweis, dass das Ganze natürlich mit der Pflanzen- und Tierwelt in Einklang gebracht werden muss.

Und genau das sprechen ihm einige politisch Aktive in der Stadt und auch der Naturschutzbund ab. Der Nabu hatte schon 2003 das Anpflanzen von Rhododendronpflanzen durch die Oldesloer Rotarier auf der Insel kritisiert. Damals seien Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf gerissen worden, es seien angeblich sogar einige Tiere zersägt worden. „Ich bin mir sicher, dass Mensch und Tier da in friedlicher Koexistenz vorkommen können. Ich finde es schon bemerkenswert, wie hier gleich ein Aufschrei kommt, als hätte ich vor, irgendwelche Nachtfalter zu zersägen, bevor wir überhaupt gesprochen haben“, erklärt der Bürgermeister.

Trotzdem weise er darauf hin, dass es eben auch der Eingangsbereich der Stadt sei und kein Naturschutzgebiet. „Wir können jetzt nicht jeden grünen Streifen in Innenstadtnähe so behandeln, als sei er ein geschütztes Biotop. Wir müssen Kompromisse finden und die werden wir finden. Ich setze mich mit allen an einen Tisch, mit Befürwortern und Kritikern“, so Lembke. So habe er es bereits mit den Rotariern gemacht, die Angst um die Rhododendronpflanzen hatten.

Das Argument, dass dieser Bereich schon immer ein „Eldorado für Enten“ gewesen sei oder ein Biotop, stimmt tatsächlich nicht. Früher war die Insel begehbar, weshalb es bereits in den 1980er Jahren Vorstöße gab, sie wieder mit einer Brücke erreichbar zu machen.

Bis zum Zweiten Weltkrieg ist es belegt, dass sich auf der Insel eine Bank befand, wie noch Postkarten von Anfang des 20. Jahrhunderts zeigen. Auf der Bank sollen sich laut alter Zeitungsberichte wohl vor allem Liebespaare getroffen haben, ein Ansatzpunkt für die von Lembke geplanten Open-Air-Hochzeiten, die an diese Tradition anknüpfen könnten und so auch ein Stück Oldesloer Stadtgeschichte wieder erlebbar machen. Neben der Sorge um die Tier- und Pflanzenwelt auf der Insel reagierten viele Lokalpolitiker relativ empfindlich und auch verstimmt, weil sie aus den Lokalzeitungen von den Ideen des Bürgermeisters erfuhren. Es werden auch Vergleiche zu der fast komplett ungenutzten Mini-Bühne im Kurpark angestellt, die allerdings tatsächlich durch die Lokalpolitik kaputt geplant und zur vorprogrammierten Totgeburt geworden ist.

Für die hochkochende Diskussion hat Lembke relativ wenig Verständnis. „Es ist erstmal eine Idee, ein Vorschlag. Und wenn es soweit ist, dann geht das natürlich in die Politik und kann nur gemeinsam auf den Weg gebracht werden. Weshalb man es aber vorher schon so heiß diskutiert und zerredet, verstehe ich nicht“, so Lembke weiter. Er bleibe dabei, dass er die Idee gerne umsetzen wolle und hoffe auf konstruktive Zusammenarbeit.

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