Oldesloer wollen auf der Bullenkoppel bauen

Lübecker Nachrichten   17.09.2019

Initiative „moiN Bad Oldesloe“ plant gemeinschaftliches Wohnprojekt – Räume für soziales Miteinander – Noch liegt kein Bebauungsplan vor

Ulrich Langenberg möchte zusammen mit „moiN“ Bad Oldesloe ein soziales Wohnprojekt auf der Bullenkoppel verwirklichen, nachdem die ursprünglichen Pläne des genossenschaftlichen Bauens aufgegeben wurden. Foto: bettina Albrod

Bad Oldesloe. „moiN Bad Oldesloe“ – mutige offene innovative Nachbarschaft – nennt sich eine Gruppe von Oldesloern, die das Ziel haben, in der Stadt ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu verwirklichen, das Eigentums- und Mietwohnungen sowie öffentlich geförderten Wohnraum zu je einem Drittel vereint und zudem mit Gemeinschaftsräumen soziales Miteinander praktiziert. Nachdem die ursprünglichen Pläne des genossenschaftlichen Bauens aufgegeben wurden, möchte die Gruppe nun mit Hilfe der Stadt auf der so genannten Bullenkoppel an der Straße „Am Stadion“ bauen. Doch das ist nicht möglich, solange kein Bebauungsplan vorliegt.

„2018 haben wir uns mit fünf Leuten neu gegründet“, erklärt Ulrich Langenberg. Ziel von „moiN“ ist es, am Nordrand der Bullenkoppel etwa 30 Wohnungen in Hanglage zu bauen. Mit im Boot sei ein Partner, der zehn Wohnungen für öffentlich geförderten Wohnungsbau und zehn Mietwohnungen bauen wolle, dazu kommen zehn Eigentumswohnungen von „moiN“ und Gemeinschaftsräume. Langenberg hat die Pläne der Gruppe im zuständigen Ausschuss vorgestellt, aber nichts erreicht. „Die Fläche solle aus grundsätzlichen Erwägungen nicht bebaut werden“, sagt Langenberg. Die Grünen hätten darüber hinaus erklärt, dass es sich um ein Grundstück mit hoher ökologischer Wertigkeit handele. Schließlich habe es von Seiten der Verwaltung geheißen, dass die Bullenkoppel Teil eines Biotopverbundsystems sei und deshalb nicht bebaut werden könne. Sie soll stattdessen als Ausgleichsfläche dienen.

Langenberg will nicht aufgeben und kann die Begründung nicht nachvollziehen. „2006 wurde ein Flächennutzungsplan verabschiedet, der die Bullenkoppel als Wohnfläche ausweist“, argumentiert der Rümpeler. Erst sei der Bau von Einfamilienhäusern geplant gewesen, später von Mehrfamilienhäusern. Doch es habe sich eine Bürgerinitiative gebildet, die 888 Unterschriften gegen eine Bebauung des Geländes gesammelt habe, um die Grünanlage zu erhalten. „Als wir 2016 den zuständigen Ausschuss angesprochen haben, das Bebauungsplan-Verfahren fortzusetzen, wurde das abgelehnt.“ Stattdessen erging der Beschluss, das Verfahren zu beenden.

„Das Grundstück hat keine hohe ökologische Wertigkeit“, sagt Langenberg. „Das Biotopkataster der Stadt Bad Oldesloe kennzeichnet das Gebiet als ,Intensivgrünland’ – das hat einen unterdurchschnittlichen Biotopwert.“ Auch die Aussage, dass es Teil eines Biotopverbundsystems sei, kann er nicht nachvollziehen. Die Bullenkoppel liege am äußersten Rand dieses Systems, wichtig sei dabei nur das Trave­ufer, das von den Bauplänen nicht betroffen sei. Schließlich, so Langenberg, berühre auch ein geplantes Baugebiet in Poggensee den Systemgürtel, dort sei Bauen aber möglich. „Wir haben das Ministerium angeschrieben, ob das Grundstück im Nordteil aus dem Biotopverbundsystem herausgenommen werden könnte.“ Schließlich sei ja das Gebiet 2006 im F-Plan ohne Widerspruch der Fachbehörden als Wohngelände festgeschrieben worden.

„Es ist korrekt, dass der Flächennutzungsplan das so ausweist“, teilt Joachim Schulz, Fachdienstleiter Naturschutz beim Kreis, mit. Die Fläche liege im Biotopverbundsystem (Schwerpunktbereich). Dies schließe, rechtlich gesehen, aber eine Bebauung nicht grundsätzlich aus. Rechtlich zu beachten sei auch das angrenzende Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Travetal“. „Aus dieser Nähe ergibt sich die Erfordernis einer Verträglichkeitsprüfung für die geplanten Maßnahmen.“ Ob es zur Aufstellung eines Baurecht schaffenden B-Planes komme, entscheide die Stadt Bad Oldesloe, so Schulz.

„Ohne die Stadt kommen wir nicht weiter“, sagt auch Langenberg. Grundstücke beispielsweise am Claudiussee seien zu teuer, in Pölitz gehöre das Gelände nicht der Stadt. „Wir können das Projekt nur auf städtischer Fläche realisieren.“ Immerhin bedeute ein Kauf des Grundstücks doch Einnahmen für die Stadtkasse und ein Mehr an bezahlbarem Wohnraum, der in Bad Oldesloe Mangelware sei. Doch die Politik in Bad Oldesloe votierte gegen eine Bebauung.

„Das Vorhaben der Gruppe ,moiN OD’ wurde im Bau- und Planungsausschuss erörtert“, teilt Dr. Kurt Soeffing mit, Fachbereichsleiter Bauamt in Bad Oldesloe. „Dem Vorhaben wurde im Ausschuss an dieser Stelle nicht zugestimmt.“ Stattdessen habe die Politik sich dafür ausgesprochen, die gesamte Fläche der so genannten Bullenkoppel für den Naturschutz vorzuhalten und diese Fläche als Ausgleichsfläche für Eingriffe in den Naturraum bereitzustellen.

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