Bad Oldesloe investiert in die Feuerwehr

Lübecker Nachrichten   21.09.2019

Kommunalpolitiker in der Kreisstadt segneten einstimmig eine ganze Palette an Investitionen ab – Auch das Notstromaggregat soll endlich angeschafft werden

Viel zu wenig Platz haben die Kameraden in Poggensee. Bad Oldesloes Wehrführer Olaf Klaus (hinten links) erläuterte den Kommunalpolitikern, warum Poggensee ein neues Feuerwehrhaus benötigt. fotos: mc

Bad Oldesloe. Falls es in Bad Oldesloe in nächster Zeit einen Blackout geben sollte, wird es auch an der Feuerwache in der Innenstadt zappenduster. Denn noch immer ist die Wehrzentrale selbst nicht gerüstet für einen großflächigen Stromausfall. Im kommenden Jahr soll jedoch das längst benötigte Notstromaggregat angeschafft werden. Der Finanzausschuss der Stadt gab auf seiner Sitzung am Mittwoch die beantragten 95 000 Euro frei. In der gesamten Investitionsliste ist das Aggregat jedoch nur eines von vielen Teilen.

Das größte Vorhaben in den kommenden Jahren wird der Neubau des Feuerwehrhauses im Oldesloer Ortsteil Poggensee. Deshalb trafen sich die Finanzpolitiker auch dort, um bei einem Ortstermin das Haus in Augenschein zu nehmen. Nach der Besichtigung votierten sie einstimmig für die Bereitstellung von rund 100 000 Euro allein an Planungskosten. Wann es einen Neubau gibt und was dieser dann kostet, ist derzeit noch völlig unklar. Es solle ein funktionaler und zweckmäßiger Bau werden, sagt Poggensees Ortswehrführer Thomas Proß.

Das Feuerwehrhaus ist mittlerweile zu klein, die 34 aktiven Kameraden müssen sich praktisch neben dem Einsatzfahrzeug umziehen. „Aufgrund dieser beengten Situation könnte es im Einsatz zu Unfällen oder Verletzungen kommen“, sagte Oldesloes Gemeindewehrführer Olaf Klaus und warb auch aufgrund vieler Vorschriften für den Abriss und einen größeren Neubau. Dann könnte man auch Platz einrechnen für ein Transportfahrzeug, das alle Ortswehren bekommen sollen. „Ein Umbau ist tatsächlich schwierig aufgrund der Begebenheiten“, pflichtete ihm Bürgermeister Jörg Lembke bei.

Björn Wahnfried (SPD) regte nicht nur an, aufgrund der personellen Knappheit im städtischen Bauamt möglicherweise einen Architektenwettbewerb zu starten, sondern hatte – wie auch die CDU – einige genaue Nachfragen zu verschiedenen Posten. Die Politiker beschäftigte vor allem, warum Tablets, Navis, Funkgeräte oder ein aufblasbares Schnelleinsatzzelt zum Umziehen so teuer sein müssen. Dabei kam heraus, dass alle Hersteller nicht nur bei Feuerwehren, sondern allgemein beim Rettungsdienst immer einen „Bonus“ draufpacken.

Nur so ist es auch zu erklären, dass ein neuer Wimpel für die Oldesloer Jugendwehr 1000 Euro kostet. „Er ist handgestickt, und es gibt nur einen einzigen Hersteller“, erklärt Wehrführer Olaf Klaus, der sich nach eigener Aussage jedoch selbst wundert über so manche Preise. Der jetzige Wimpel ist noch immer der erste und mittlerweile 40 Jahre alt. Die Politiker regten an, dass die Jugendlichen aus pädagogischen Gründen selbst einen finanziellen Teil beitragen sollten. Dann wüssten sie die Anschaffung noch mehr zu schätzen, sagte Ausschussvorsitzender Torsten Lohse (CDU), früher selbst in der Oldesloer Jugendfeuerwehr aktiv.

Nur halb so alt wie der Wimpel ist das Löschfahrzeug der Ortswehr, es muss aber trotzdem ein neues her für rund 500 000 Euro. Kein Wunder, denn in diesem Jahr kommt die Feuerwehr mit Stand Freitag schon auf 262 Einsätze – fast genau ein Einsatz pro Tag. Auch für die kommenden Jahre hat die Wehr weitere neue Fahrzeuge auf ihrer Wunschliste, allerdings für deutlich weniger Geld.

Mehr Geld als veranschlagt wird für die routinemäßige Inspektion der Drehleiter nach zehn Jahren fällig (die LN berichteten). Die Inspektion soll statt veranschlagter 78 000 Euro nach aktueller Kostenschätzung 92 000 Euro kosten. Nicht eingeplant waren bisher die Kosten für ein Ersatz-Hubrettungsgerät. Für das Leihgerät sollen in zwei Monaten 28 000 Euro Miete anfallen.

Die Mehrausgaben waren bereits vor Kurzem einstimmig bewilligt worden. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die Politik hinter der Feuerwehr steht“, sagt Wehrführer Olaf Klaus. Andreas Lehmann von der CDU regte in diesem Zusammenhang an, aus Kostengründen über Leasingmodelle nachzudenken. Die Feuerwehr zeigt sich nicht abgeneigt.

Schlussendlich sollen auch die Feuerwehrleute selbst mehr Geld für ihre Einsätze bekommen. Für beruflich Selbstständige galt bislang eine Entschädigung von 50 Euro pro Stunde und ein Tageshöchstsatz von 320 Euro. Dieser wurde vom Hauptausschuss auf 400 Euro, also entsprechend der Entschädigung für acht Stunden, angehoben. Angestellte erhalten keine Entschädigung. Sie werden von ihren Arbeitgebern für die Einsätze freigestellt.

„Steigende Einsatzzahlen fordern den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr im Alltag ein hohes Zeitmaß ab. Bei der Ortswehr Bad Oldesloe kann noch von einer guten Tagesverfügbarkeit gesprochen werden“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Es solle das gemeindliche Ziel sein, diese zu erhalten und auszubauen. Hierzu gehöre es auch, einem Selbstständigen die Möglichkeit offen zu halten, sich dem Ehrenamt voll zu widmen oder Lehrgänge besuchen zu können.

Um das ehrenamtliche Engagement zu honorieren und zu stärken, wurde zudem auch die jährliche Aufwandsentschädigung für Gruppenführer erhöht – von 60 auf 120 Euro.

Löschteich wurde zum Biotop

Die rund 15 Löschteiche in und um Bad Oldesloe sind in keinem guten Zustand – zumindest aus Sicht der Feuerwehr. Die Natur dagegen freut sich: Einer der Teiche ist mittlerweile zu einem Biotop geworden und somit ein Fall für Naturschutzbehörden. „Ich bin fassungslos, wo bleibt denn da der Brandschutz“?, fragte Andreas Lehmann (CDU), der im Finanzausschuss die Stadtverwaltung nach dem Zustand der Löschteiche gefragt hatte. Diese waren über
einige Jahre etwas stiefmütterlich behandelt worden.

Der Teich in Seefeld sei zumindest wiederhergestellt, bei anderen laufen laut Verwaltung die Beprobungen und Auswertungen des Baggerguts. In Rethwischfeld müssen möglicherweise Stützwände eingezogen werden. Dort arbeiten Ordnungs- und Bauamt zusammen. „In Schadehorn ist der zweite Teich nicht mehr nutzbar“, sagt Thomas Proß, als Wehrführer
von Poggensee auch für den Nachbarort zuständig.

Mittelfristig möchte die Stadt einige Löschteiche durch Zisternen ersetzen. „Das wird zwar
teuer, aber auf 50 Jahre sparen wir Geld und Arbeit“, erklärt Bürgermeister Jörg Lembke.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.