Bad Oldesloe: Was tun gegen die Personalnot?

Lübecker Nachrichten   25.09.2019

Viele Verwaltungen suchen Fachkräfte: In Bad Oldesloe werden Vorschläge diskutiert, wie die Stadtverwaltung attraktiver werden kann

Das Stadthaus in Bad Oldesloe ist der Hauptsitz der Verwaltung. Foto: bar

Bad Oldesloe. Einen neuen Bauamtsleiter hat die Stadt Bad Oldesloe immer noch nicht gefunden nach dem Weggang von Thilo Scheuber , derzeit ist die zweite Ausschreibung raus. Auch andere Mitarbeiter aus der Bauverwaltung sind gegangen, ganz neu meldet der Jugendbereich zwei Kündigungen. Kurzum: Wie viele Verwaltungen tut sich auch die Stadtverwaltung Bad Oldesloe schwer, Fachkräfte zu halten und zu gewinnen.

Die SPD will nun genau hinschauen und hat für die Sitzung des Hauptausschusses am heutigen Mittwoch (19 Uhr, Sitzungszimmer Stadthaus) einen ganzen Katalog an Fragen vorbereitet. Die Verwaltung hat bereits geantwortet, trotzdem bleibt wohl einiger Diskussionsbedarf.

„Um die Handlungsfähigkeit unserer Stadt zu gewährleisten, wird es in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein, neues Personal zu gewinnen und bereits vorhandene Mitarbeiter halten zu können“, schreibt Annika Dietel in dem Antrag der SPD-Fraktion. Bürgermeister Lembke begrüßt die Initiative.

In den vergangenen fünf Jahren wurden 19 junge Leute ausgebildet. Während die Verwaltungsberufe stark nachgefragt sind (jeweils über 100 Bewerbungen), gibt es nur wenige Bewerbungen für die Ausbildungsberufe Gärtner/in und Straßenwärter/in. Der Verwaltungsbereich hat zurzeit acht Auszubildende.

Die Ausstattung der Auszubildenden besteht aus einem Notebook, kostenloser Fachliteratur und einem gut ausgestatteten Ausbildungsplatz. Es finden gemeinsame Veranstaltungen wie Gesundheitstag und Azubi-Runden statt.

Die Leistungen würden von den Auszubildenden sehr positiv aufgenommen. Eine finanzielle Willkommensprämie würde über den Tarifvertrag beziehungsweise die gesetzlichen Bestimmungen bei Beamtenverhältnissen hinausgehen. Gleiches gilt für Sachprämien. Die Stadt Bad Oldesloe ist tarifgebunden und darf nach den Statuten des Kommunalen Arbeitgeberverbandes keine übertariflichen Leistungen anbieten.

„Es ist leider in den letzten Jahren schwierig geworden, die Auszubildenden zu halten“, heißt es von der Verwaltung. Befristete Übernahmen seien mittlerweile aufgrund der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht mehr interessant. Daher möchte die Stadt gerne unbefristete Planstellen zur Übernahme einführen.

Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements bietet die Stadt Bad Oldesloe seit einigen Jahren Gesundheitskurse (Rückenfit, Pilates) während der Mittagspause an. Für die Mitarbeiter sind diese Kurse nahezu kostenfrei, der Eigenanteil beträgt zehn Euro pro Kursus. Die Mitarbeiter setzen ihre Mittagspause (30 Minuten) ein, der Arbeitgeber „spendiert“ die zweiten 30 Minuten von der Arbeitszeit. Das Angebot soll zudem durch die Beraterin für das städtische Gesundheitsmanagement weiterentwickelt werden.

2018 hat bei der Stadt Bad Oldesloe eine Umfrage unter den Mitarbeitern zur Nutzung des ÖPNV stattgefunden. Eine mögliche Beteiligung beim HVV-Profiticket wurde dabei überprüft, die Anzahl der interessierten Mitarbeiter erreichte aber nicht annähernd die vom HVV geforderte Mindestanzahl. In den kommenden Jahren soll die Umfrage allerdings aufgrund des positiven Feedbacks der Beteiligten wiederholt werden. Zurzeit werde die Zahlung eines Fahrtkostenzuschusses zu einem ÖPNV-Ticket (HVV-Ticket, Nah.SH-Ticket) in Höhe von 25 Euro monatlich als steuerfreier Sachbezug geprüft.

Bei der Stadt Bad Oldesloe sind noch keine Headhunter zum Einsatz gekommen. Sollte sich aber die Suche nach geeigneten Führungskräften, insbesondere Fachbereichsleitungen, weiterhin als schwierig erweisen, wird man laut Verwaltung auch diese Möglichkeit zumindest in Erwägung ziehen müssen.

Als positiv angesehen wird hingegen die externe Beratung bei der erstmaligen Besetzung der Stelle für das KuB-Management. Hierbei handelte es sich jedoch nicht um Headhunting. Vielmehr unterstützte eine Beraterin bei der Erstellung des Anforderungsprofils, nutzte ihr Netzwerk für die Veröffentlichung/Verbreitung der Stellenausschreibung sowie beriet bei der Bewerberauswahl und begleitete auch die Auswahlgespräche.

Auch bei der Besetzung von anderen Leitungspositionen habe sich die Begleitung durch einen externen Coach mittlerweile bewährt. „Die Schwierigkeit liegt eher daran, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für eine Tätigkeit bei der Stadt Bad Oldesloe zu begeistern“, schreibt Hauptamtsleiter Malte Schaarmann.

In allen Kommunen richtet sich die Eingruppierung der Tarifbeschäftigten nach den Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung. Für die Beamtinnen und Beamten gibt es hingegen keine einheitliche Bewertungsgrundlage.

Eine Vergleichbarkeit mit den Eingruppierungen/Bewertungen anderer Kommunen ist laut Stadtverwaltung nicht ohne Weiteres möglich, da die tariflichen Anforderungen in der Regel nur bei Betrachtung mehrerer Kriterien festgestellt werden können. Dazu gehören zum Beispiel der Umfang und Inhalt der Aufgaben, die übertragenen Kompetenzen und die organisatorische Stellung. Kleine Abweichungen beim Schnitt und Inhalt der Arbeitsvorgänge könnten bereits zu einer anderen Eingruppierung führen.

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