Betrachtungen zum Wochenausklang: Ungeliebte Kritiker und irritierte Bürger

Stormarner Tageblatt  05.10.2019

Stormarner Wochenschau

Ungeliebte Kritiker und irritierte Bürger

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Überbringer Die Überbringer schlechter Nachrichten waren noch nie beliebt und werden – historisch belegt – gerne auch mal dafür verantwortlich gemacht. Spannend ist, was sich in letzter Zeit zum Teil in der Lokalpolitik diesbezüglich eingebürgert hat. Wenn die Berichterstattungen nicht so erfolgen, wie es sich manche Lokalpolitiker oder ehemalige Bürgermeister-Kandidaten vorstellen, wird schnell die Karte der „manipulierenden Berichterstattung“, der „Befangenheit“ oder des „Schlechtschreibens“ gezogen. Damit stößt man dann auch gerne mal in das rechtspopulistische Horn der „Lügenpresse“-Schreier, wenn es sein muss, obwohl man natürlich sonst nie in der Ecke stehen möchte. Ironisch ist, dass dieselben Damen und Herren munter auf die Schulter der Schreibenden klopfen, wenn sie gelobt werden. Immer häufiger wird in politischen Diskussionen mediale, lokale Berichterstattung angegriffen und dabei wohl vergessen, dass journalistisch geprägte Lokalredaktionen halt keine PR-Agenturen sind.

Immobilität Man kann sich trefflich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, Bundesstraßen wie die B 75 zu Tempo-30-Zonen umzubauen – Bad Oldesloe hat einen entsprechenden Beschluss gefasst, weil Lärmverschmutzung gerade zu den Themen gehört die en Vogue sind? Doch dieser Streit soll hier jetzt gar nicht geführt werden. Wir sollten uns nur vor Augen führen, dass unsere Gesellschaft auf Mobilität aufgebaut ist. Das gilt für Menschen, die von A nach B reisen, beruflich und privat, aber auch für Waren, die quer durch das Land gefahren werden. Nun können wir ja zu dem Schluss kommen, dass wir diesen Individualverkehr nicht mehr wollen. Nur dann hilft es nicht, den Autofahrer, der ja nicht aus purer Lust am Fahren unterwegs ist, immer mehr einzuschränken, ihm immer weitere Schwellen, Steine und Tempo-30-Zonen in den Weg zu legen. Wenn wir das wirklich nicht mehr wollen, dann sollten wir uns grundlegende Gedanken über unser Wirtschafts- und Verkehrssystem machen.

Verständnis Für viele Bürger erscheint es als Besucher von politischen Gremien oft als sei mancher Schlagabtausch Selbstzweck. Tatsächlich entsteht manchmal der Eindruck als sei es ein Spiel unter Ehrenamtlern voller internem Mehrwissen, deren Hobby es halt ist Politik zu machen. Leider ist das manchmal wenig konstruktiv für das Nachvollziehen des demokratischen Prozesses, wenn es so erscheint, als ob diese Ehrenamtler vor allem die Diskussion lieben und sich darum streiten, wer was mit dem Steuergeld der Bürger auf den Weg gebracht hat. Und so wird gestritten als ginge es um die goldene Anstecknadel im Schülerdebattierclub, bevor man anschließend vor der Tür noch lustig zusammensteht oder ein Bierchen trinken geht. Ein Hobby halt. Häufig – und das ist dann das wirklich bedenkliche in der Außenwirkung – entwickelt sich ein Showkampf zwischen Lokalpolitik und Verwaltung. Wie sagte Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach schonmal recht treffend: „Leider haben es manche Lokalpolitiker nicht verstanden, dass Verwaltung und Lokalpolitik nicht Regierung und Opposition sind“. Die Bürger würden es sicherlich gutheißen, wenn überall ausnahmslos an einem Strang gezogen würde. Denn es geht nicht um die aufgeplusterten oder angeschlagenen Egos sowie die rhetorischen Fähigkeiten der Hobbypolitiker, sondern darum die Dinge voranzubringen.

Gutes Beispiel Die Oldesloer CDU hat gezeigt, wie es gehen kann. Ende 2018 legten CDU-Mitglieder ein „Schwarzbuch“ mit Schandflecken in der Kreisstadt vor. Aber statt nur zu meckern und auf ein „da muss mal einer etwas machen“ hervorzubringen, haben die Christdemokraten ein Schülerprojekt auf den Weg gebracht. Mit Street Art Kunst durften diese Stromkästen verschönern. Street Art und CDU brachte man vorher vielleicht nicht unbedingt zusammen, aber siehe: Es passt wunderbar!

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