Alte „Motte“ statt neuer Event-Bühne?

Stormarner Tageblatt  11.10.2019

Historisch interessierte Oldesloer weisen auf lange Geschichte der Oldesloer „Bürgermeisterinsel“ hin

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Es ist so eine kleine, künstliche Insel, aber sie sorgt für große Aufregung und sehr viel Gesprächsstoff: Die Oldesloer Bürgermeisterinsel.

Einige Lokalpolitiker sind empört, seitdem Bürgermeister Jörg Lembke in mehreren Pressegesprächen bekannt gab, dass er die Insel im Bürgerpark aufwerten möchte. Seine Vision: Eine kleine Bühne und entsprechende elektronische Installationen sowie eine Tribüne. Auf der Insel sollen dann – so der Wunsch Lemkes – kleine Konzerte, andere Darbietungen und Hochzeiten stattfinden. Teile der Lokalpolitik kritisieren, dass er diesen Vorschlag nicht zuerst in den entsprechenden Ausschüssen diskutiert hat. Naturschützer sehen die Tiere auf der Insel in Gefahr und Anwohner befürchten Ruhestörung. Zur Diskussion gehört auch die Frage, ob Bad Oldesloe überhaupt einen solchen zusätzlichen Ort für Auftritte und Open Air Hochzeiten benötigt (wir berichteten).

Kurzum: Das Thema sorgt für Diskussionsstoff. Dass die Insel schon immer ein einsamer, vom Ufer abgetrennter Fleck für die Tierwelt war – wie gerne von Kritikern der Idee behauptet wird – , konnte durch entsprechende Recherche bereits widerlegt werden. Denn die Insel war bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit einer Brücke erreichbar und auf der Insel stand eine Bank, die angeblich vor allem von verliebten Paaren gerne genutzt wurde.

Nach dieser Berichterstattung bei uns im Stormarner Tageblatt meldeten sich jetzt zwei historisch interessierte Bürger und wiesen auf einen anderen Umstand hin. Denn die kleine Insel sei nicht einfach nur ein Biotop für Vögel oder ein Ort auf dem man sich mal auf einer Bank traf, sondern vor allem sei dieser Platz historisch sehr interessant.

Denn vermutlich entstand die Bürgermeisterinsel bereits zwischen 810 und 950 am Randes des „Limes Saxoniae“. „Um 810 setzte der Landesherr Karl der Große eine Grenzscheide, den limes Saxoniae, zwischen die nordelbisch-sächsischen Stämmen der Holtsaten, Dithmarscher und Stormarn einerseits und den slawischen Stämmen der abotritischen Wagrier und Polaben andererseits“, heißt es bei dem Germanisten Heinz Willer in seiner Forschung zum „Limes Saxoniae“. Allerdings widersprechen ihm durchaus auch Historiker und halten seine Annahmen für nicht belegbar. Der Heimatforscher Dr. Friedrich Bangert geht in seinem 1924 erschienen Buch über die Geschichte Bad Oldesloes davon aus, dass die Bürgermeisterinsel zu den „Burgen und Warten“ gehörte, allerdings erst unter Otto I. angelegt wurden, als dieser Teile des an die Wenden verlorenen Reichsgebiets zurückeroberte.

In dieser Zeit soll auf der Bürgermeisterinsel eine sogenannte „Motte“ gestanden haben. Hierbei handelte es sich um eine Kleinburg auf einem Erdhügel der zumeist von Wassergräben umgeben waren. Weitere Spuren von Grenzsicherungsanlagen aus der Zeit der Karolinger und Ottonen finden sich unter anderem in Pölitz, Eichede oder in Nütschau.

Nachfahren Dr. Friedrich Bangerts wiesen darauf hin, dass mit der Bürgermeisterinsel daher aus historischer Sicht vorsichtig umgegangen werden müsse. Historisch interessierte Mitbürger schlugen bereits vor, dass man dort eine „Motte“ rekonstruieren könne. „Es wäre doch eine schöne Möglichkeit, ein kleines Freilichmuseum mit Nachbau und Infotafeln als Attraktion entstehen zu lassen“, so ein Leser des Stormarner Tageblatts, der namentlich nicht genannt werden möchte, weil er selbst nicht „die Kapazitäten hätte, das umzusetzen“.

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