Wirtschaftsforum: Keine Angst vor der Zukunft

Stormarner Tageblatt  23.10.2019

Wirtschaftsforum in Bad Oldesloe beschäftigt sich mit Herausforderungen

Führte kompetent durch den Abend im Kub: Dr. Can Özren von der IHK zu Lübeck. Niemeier
Führte kompetent durch den Abend im Kub: Dr. Can Özren von der IHK zu Lübeck. Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die nächste Revolution der Arbeitswelt rollt unaufhaltsam auf die Unternehmen zu. Da ist sich Ulrich Witt, Berater zur Fachkräftesicherung der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, sicher. Sein Vortrag „Was die Welt von morgen bringt…“ war ein auf Fakten und betriebswirtschaftlicher Wissenschaft und Ökonomie basierender Part des „Wirtschaftsforums“ der Stadt Bad Oldesloe im Kultur- und Bildungszentrum. Rund 100 Vertreter aus Politik und Wirtschaft – vom Kleinunternehmer über Bänker bis hin zu Vertretern großer Firmen – waren gekommen, um sich zu informieren, zu diskutieren und auch, um einfach ins Gespräch zu kommen. Der Saal des Kubs war entsprechend hergerichtet und musste sich rein optisch von Tagungen in Hamburg oder anderen Metropolen nicht verstecken. Das trug zur professionellen Stimmung bei, die von vielen Anwesenden gelobt wurde.

Witt gab ihnen mit auf den Weg, dass sie mutig sein sollen, und dass sie sich auf einen entscheidenden Wandel einstellen sollen. Denn der Mensch werde in Zukunft immer weniger unliebsame Aufgaben übernehmen – das könne in absehbarer Zeit sicherlich die künstliche Intelligenz machen. Doch einige Kompetenzen – und da ist sich Witt mit allen Forschern zur KI einig – wird exklusiv bei den Menschen verbleiben: Die Kreativität sowie das soziale und emotionale Interagieren. „Die Arbeitswelt und damit die Unternehmen werden sich radikal ändern und radikal umstellen müssen“, so Witt.

Er erinnerte daran, dass es schon immer Wandel gegeben hat. Natürlich werden dabei Berufe und ganze Produktionsketten und Abläufe der Vergangenheit angehören. Aber dafür entstehen neue Berufe und Herausforderungen. Björn Felder, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft, blieb in seinem Vortrag was die KI angeht, eher skeptisch. „Ich frage mich immer noch, wie das sein soll, wenn am Sonntag ein Rohr verstopft ist und dann der Roboter angerufen wird, weil ja gerade eine Familienfeier stattfindet. Das kann ich mir noch sehr schwer vorstellen“, sagte Felder.

Er blieb bei seinem Vortrag auch vor allem im Hier und Jetzt und dass es darum gehe, Fachkräfte für das Handwerk zu begeistern. Es sei eine seltsame Entwicklung, dass immer mehr Kinder Abitur machen sollen und wollen. Diese führe aber dazu, dass im Handwerk der Nachwuchs fehlt. Auch die öffentliche Wahrnehmung sei etwas seltsam. „Die Stadtverwaltung stellt fünf Auszubildende ein und da kommt die Presse. Der Maurer stellt sich da nicht vor die Kamera“, habe man festgestellt.

Die Kreishandwerkerschaft zeige daher mittlerweile immer mehr Präsenz, so Felder. Mit dem Tag des Handwerks, bei Stormini oder beim „Girls & Boys Day“. Diese Aktionen seien durchaus erfolgreich und können Jugendliche für das Handwerk begeistern.

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