Nur wenig Interesse am Kinder und Jugendbeirat

Stormarner Tageblatt  25.10.2019

Neun Plätze sind im Bad Oldesloer KiJub zu vergeben, doch nur sieben junge Kreisstädter bereit

Die Mitglieder des   aktuellen KiJuB nach ihrer Wahl im Jahr 2017 Damals gab es noch zwölf Bewerber. nie
Die Mitglieder des aktuellen KiJuB nach ihrer Wahl im Jahr 2017 Damals gab es noch zwölf Bewerber. nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Ausschüsse besuchen, Anträge formulieren, diskutieren und die Interessen von Kindern- und Jugendlichen vertreten: Ein Kinder- und Jugendbeirat hat spannende, wichtige Aufgaben und die Möglichkeit , den Heimatort mitzugestalten. Trotzdem ist der Kinder- und Jugendbeirat in der Kreisstadt nie die erhoffte Erfolgsgeschichte geworden.

Der Grund: Nur relativ wenige Jugendliche wollen sich in den Beirat einbringen. Das Problem existiert, seit der erste Beirat dieser Art in Bad Oldesloe 2002 gewählt wurde. Zwischen Ende 2014 und Ende 2016 existierte sogar gar kein Beirat – nur ein junger Oldesloer war damals bereit, sich noch einzubringen.

Im November 2016 gingen einige Jugendliche dann in die Offensive. Sie forderten von der Stadt, dass ein Kinder- und Jugendbeirat reinstalliert werde. Sie übernahmen kommissarisch die Beiratssitze und bereiteten Wahlen für 2017 vor, die von Aufbruchsstimmung unter den regulär gewählten Jugendvertretern geprägt war. Aber: Zwei Jahre später ist davon nur noch wenig zu spüren. Auch wenn sich die Jugendlichen vor allem zu Beginn stark einbrachten, ebbte das Engagement schnell wieder ab. Einige begannen ihre Ausbildungen oder ein Studium.

Die Jugendarbeit der Stadt betont zwar, dass man einen sehr guten Beirat habe, aber zu spüren war davon zuletzt wenig. Während in der Anfangszeit Mitglieder des Beirats die Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung besuchten und Nachfragen stellten, sind sie in den vergangenen Monaten im politischen Leben der Kreisstadt nicht mehr in Erscheinung getreten.

Eigentlich müssten Verwaltung und Lokalpolitik proaktiv die Jugendlichen zu Themen befragen, die auch Kinder und Jugendliche betreffen, bevor in den Gremien entschieden wird. Doch wann hat man etwas vom Beirat gehört, etwa zum Catererwechsel in der Schulmensa, zur Diskussion über Vandalismus durch Jugendliche, zum Thema Streetworker oder auch zum Beispiel zu Umbauten von Schulen oder Investitionen in Kultur und Sport: Offizielle Einlassungen des Beirats gab es nicht, sie scheinen aber auch nicht von den Fraktionen abgefragt worden zu sein.

Wenn man Jugendliche auf der Straße in Bad Oldesloe anspricht, ist ihnen großteils gar nicht bewusst, dass es einen solchen Beirat gibt oder welche Möglichkeiten er hat. Das erklärt wohl auch, weshalb für die eigentlich anstehenden Wahlen nur noch sieben Kinder und Jugendliche Interesse angemeldet haben. Eine reguläre Wahl (landesweit vom 18. bis 24. November) wird nicht möglich und nötig sein. Denn der Beirat hat neun Sitze.

Bürgermeister Jörg Lembke: „Ich denke es liegt auch daran, dass es oft lange dauert, bis ein angedachtes Projekt umgesetzt wird. Das dauert für uns Erwachsene oft schon lang von der Idee über die politische Diskussion bis hin zur Umsetzung – für Jugendliche ist es eine gefühlte Ewigkeit“, so Lembke. Daher müsse man vielleicht nach Projekten suchen, die sich schneller umsetzen lassen. Erfolgserlebnisse, die Möglichkeit festzustellen, dass man wirklich etwas bewege, seien wichtig, sagte der Verwaltungschef bereits bevor bekannt war, dass sich nur sieben Interessenten für den neuen Beirat finden würden.

Die zuständige Abteilung der Stadtverwaltung, merkt hierzu an, dass die Gründe indes nur „Spekulationen von Erwachsenen“ seien. Was die Jugendlichen abhalte, sich einzubringen oder ob das Engagement zu viel Frust nach sich ziehe, sei empirisch nicht abgefragt worden. Und: Die sieben Interessierten könnten durch die Stadtverordnetenversammlung ohne offizielle Wahlen mehrheitlich zum Beirat berufen werden. Positiv sei, dass mehrere aktuelle Mitglieder weitermachen wollen.

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