Aufregung um Amazon

Stormarner Tageblatt  06.11.2019

Aufregung um Amazon

Möchte, dass die Stadt Bad Oldesloe ihre Haltung zum Amazon-Verteilerzentrum   (hier die   Baustelle neben Obi) klarmacht: Wilfried Janson (Die Grünen, kleines Foto rechts oben) bleibt hartnäckig.niemeier (2)/dpa (1)
Möchte, dass die Stadt Bad Oldesloe ihre Haltung zum Amazon-Verteilerzentrum (hier die Baustelle neben Obi) klarmacht: Wilfried Janson (Die Grünen, kleines Foto rechts oben) bleibt hartnäckig.niemeier (2)/dpa (1)
 

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Amazon ist ein mächtiger Weltkonzern und ein Unternehmen, das immer wieder als einer der schlechtesten Arbeitgeber gebrandmarkt wird.Die Logistik- und Verteilerzentren stehen in der Kritik durch Gewerkschaften und Arbeitnehmer.

Der Vorwurf: Ungelernte Billiglohnkräfte sollen laut Berichten ausgenutzt werden, Ausfahrer sollen unter enormem Zeitdruck leiden. All das kam auf den Tisch, als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass Amazon ein Verteilerzentrum in Bad Oldesloe errichten wird. Die Enttäuschung war damals zahlreichen Lokalpolitikern ins Gesicht geschrieben, weil sie sich für das privat vermarktete Gewerbegebiet an der A 1 etwas ganz anderes versprochen hatten. Auch die Wirtschaftsvereinigung zeigte sich enttäuscht. Denn das Signal, den Internet-Händler und „Feind“ des lokalen Einzelhandels ans Stadttor zu holen, sei nicht gerade motivierend. Die Linke kündigte damals Protest gegen die Ansiedlung an. Mittlerweile hat sich die Aufregung etwas gelegt. Man hat sich damit abgefunden, dass Amazon in die Kreisstadt kommt.

„Freuen tun wir uns nicht und es ist kein Gewinn für Bad Oldesloe. Aber was willst du jetzt protestieren? Das wird Amazon nicht interessieren. Auf den Investor haben wir keinen Einfluss. Es ist nicht unser Grundstück. Es wäre allerdings mal spannend, wie die Mitarbeiter dort qualifiziert werden, wie viele Ausbildungsplätze entstehen oder ob es am Ende nur die erwartbaren prekären Arbeitsverhältnisse sind “, so Christian Vollpott (Die Linke): „Es wird Verkehrsprobleme ohne Ende geben, dazu haben wir jetzt schon zu wenig passenden Wohnraum, Kitas und so weiter.“

Das sieht auch die SPD so. „An einem anderen Standort gibt es große Probleme mit der An- und Abreise der Mitarbeiter. Der ÖPNV und der Verkehr sind dort am Limit“, weiß Hans-Hermann Roden (SPD).

Die Grünen fordern von Amazon vor allem, dass auf dem Dach des Lagers eine Solaranlage installiert und der Fuhrpark mit E-Mobilen ausgestattet wird, eine Mehrheit unter den Mitgliedern der Wirtschafts- und Planungsausschuss unterstützt diese Forderung. Die FBO findet solche Appelle ebenfalls wichtig. Man solle klar machen, was sich Bad Oldesloe von einem verantwortungsbewussten Unternehmen wünsche. Per Mail antwortete Amazon unkonkret: Umwelt- und Klimaschutz seien wichtig, man werde schauen, was man machen kann. Die FDP macht sich auch Gedanken über Konsequenzen, aber eher der Natur, dass bei zu viel Kritik das Unternehmen noch einen Rückzieher mache. „Ich habe keine Fragen an Amazon. Ich möchte, dass sie hier Arbeitsplätze schaffen“, erklärt Anita Klahn (FDP). „An welches andere Unternehmen stellen wir denn diese Forderungen und Bedingungen? Wir verlangen hier Sachen, die wir von Hako oder Minimax nicht verlangen“, meint die Liberale.

„Wir sollten fragen, was wir für Amazon tun können. Wir sollten uns freuen, dass Arbeitsplätze entstehen“, so Andreas Lehmann (CDU). „Natürlich sind prekäre Arbeitsplätze und der Internet-Handel ein Problem. Aber das kann man nicht nur Amazon anlasten. Da muss sich auch jeder sein Konsumverhalten hinterfragen“, so Jens Wieck (CDU).

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