Die Industriegleis-Sackgasse

Stormarner Tageblatt  12.11.2019

Finanziell tragbare Lösung für das Gleis im Oldesloer Gewerbegebiet Rögen nicht absehbar

Es führt ein Gleis nach nirgendwo...Niemeier
Es führt ein Gleis nach nirgendwo…Niemeier

Patrick Niemeier Bad Oldesloe 1975 war es mit großen Hoffnungen in Betrieb genommen worden: das Industriegleis im Oldesloer Gewergebiet Rögen. Doch 41 Jahre späte musste sich die Stadt Bad Oldesloe eingestehen, dass diese Hoffnungen sich nie erfüllten. 2016 benutzte nur noch eine Firma das Gleis. Dieses schlug daher Jahr für Jahr mit einem Minus von 50.000 Euro für die Stadt zu Buche. Zu viel, sagte damals die Lokalpolitik und beschloss mehrheitlich die Stilllegung.

Doch diese Stilllegung fand die einzige Firma die das Gleis nutzte gar nicht gut. Vertreter von Land, Kreis, Stadt und der WAS versuchten daher schon ein Jahr nach der Stilllegung Wege zu finden, wie sich der Betrieb für alle lohnen könne. Klar war da schon, dass größere Sanierungskosten anfallen würden, wenn man sich denn für den Erhalt entscheidet. Vor allem die Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Anita Klahn (FDP) machte sich im vergangenen Jahr für den Erhalt stark und unterhielt sich daher intensive mit ihrem Fraktionskollegen und Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz.

Ziel der ganzen Aktion: das Gleis soll im Stadtbesitz bleiben, aber absolut kein Minus mehr einfahren, sondern sich mindestens selbst tragen. Buchholz und die lokale FDP Fraktion stellten das als „realistisch“ in Aussicht. Damals ging man noch davon aus, dass die dringend notwendige Sanierung ungefähr 600.000 Euro kosten sollte. Mittlerweile geht man hier von 950.000 Euro aus, die für die Inbetriebnahme fällig werden. Trotz aller Förderungen in Höhe von 845.000 Euro – von denen sowieso schon ein Anteil von 50.000 Euro bei der Stadt hängen blieben – wären 105.000 Euro ungedeckt und müssten wohl auch noch von der Stadt übernommen werden.

Doch damit nicht genug: in Zukunft geht man nach neuestens Berechnungen davon aus, dass pro Jahr Unterhaltungskosten von 170.000 Euro anfallen. Dagegen ist nur von 70.000 Euro Einnahmen auszugehen. 100.000 Euro würden also bei der Stadt verbleiben. „Sehe ich das richtig, dass wir 155.000 Euro investieren, damit wir dann jedes Jahr 100.000 Euro Minus machen?“, fragte Christdemokrat Jens Wieck.

„Ich kann die Zahlen nicht verstehen und werde mit Herrn Buchholz natürlich nochmal reden müssen“, so Klahn. Sie zweifele die neuen Berechnungen an und glaube, dass Fehler vorliegen könnten. Außerdem kam Kritik auf, dass die Verwaltung noch keinen Vertrag mit der AKN als möglichem Pächter geschlossen habe. „Wir setzen politische Beschlüsse um. Und die lauten: Die Stadt übernimmt keine Kosten und unterstützt einmalig mit 50.000 Euro. Nur das setzten wir um und das ist aktuell absolut nicht realistisch“, konterte Lembke.

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