Keine Vergrämung: Krähen bleiben unbehelligt

Lübecker Nachrichten   03.12.2019

Nester in Bad Oldesloe sollen weiter geduldet werden – Auch der erneute Vorstoß für einen Hundewald in der Stadt ist gescheitert

Krähen stehen unter Naturschutz, eine Vergrämungsaktion am Rümpeler Weg und am Lindenkamp wird’s nicht geben.Foto: LN-Archiv

Bad Oldesloe. Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr in Bad Oldesloe ging es jetzt um Tiere. Die Verwaltung hatte den Antrag gestellt, am Rümpeler Weg und am Lindenkamp im kommenden Frühjahr Vergrämungsmaßnahmen zu starten, weil sich dort Krähen mit jeweils zwei Nestern angesiedelt haben.

Eigentlich sind die Krähen-Kolonien in Bad Oldesloe auf den Kurpark und den Bürgerpark konzentriert. Dort sollen sie auch bleiben, und so sollten die Abtrünnigen durch geeignete Maßnahmen wie das Beschneiden der Bäume vertrieben werden, ohne dass ihnen etwas geschieht. Denn Krähen stehen unter Naturschutz.

Überall sind die Vögel selten, nur in Bad Oldesloe nicht. „Insgesamt gibt es nur noch 55 000 bis 65 000 Brutpaare, davon 26 000 Brutpaare in Schleswig-Holstein“, führte Dirk Sommer (FBO) aus. „Das ist fast nichts.“ Er plädierte deswegen dafür, die Krähen unbehelligt zu lassen, zumal es nur zwei Nester seien. „Die Vögel sind nicht blöd. Wenn ein Baum beschnitten wird, ziehen sie einen Baum weiter.“

Das Krähenproblem beschäftige Bad Oldesloe schon seit vielen Jahren, erläuterte Dr. Kurt Soeffing vom Sachbereich Planung und Umwelt. Seit 2015 sei die Population der Krähen im Stadtgebiet aber rückläufig. „Die letzte größere Vergrämungsaktion fand im Kurpark im Jahr 2010 statt“, heißt es in der Vorlage. Damals sei bemerkenswert gewesen, dass nach der Vergrämung der Bestand an Nestern gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen sei.

Grund sei, dass die Vergrämungsaktion aus Naturschutzgründen schlagartig habe eingestellt werden müssen. Dadurch hätten alle Vögel Nistplätze gesucht, so dass in einem sehr engen Bereich sehr viele Nester gebaut worden seien. „Zudem wurden durch das Aufscheuchen und schwarmartige Herumkreisen neue Saatkrähen angezogen.“

Das war nur ein Triumph der Krähen von vielen. 2004 hatte die Stadt es schon mit „biologischer Kriegsführung“ versucht und ein Uhu-Paar angeschafft, das die Krähen aus dem Kurpark vertreiben sollte, nachdem es zunächst in einer Voliere an sein neues Umfeld gewöhnt worden war. Zuvor schon waren andere Maßnahmen wie Holzvögel in den Bäumen, Raubvogelschreie vom Band, Disco-Licht, Schüsse aus der Schreckschusspistole, Flatterband oder Rundgänge eines Falkners mit seinem Habicht gescheitert. Doch auch die Uhus kamen nicht ans Ziel: Die Jungvögel flogen weg, die Uhudame kam in der Voliere ums Leben.

So winkten die meisten Ausschussmitglieder beim Thema Krähen auch ab. Jens Wieck (CDU) unterstützte den Plan der Verwaltung zwar, durch Nesterausstoßen und Herausschneiden von Astgabeln die neuen Brutstätten zu eliminieren. Und Annelie Strehl (FBO) führte an, dass andere Kommunen auf neue Nester mit sofortigem Vergrämen nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ reagierten, doch am Ende wurden sie überstimmt. Damit bleiben die Krähen unbehelligt.

Kein Platz für „Hasso“: Für einen öffentlichen Hundeauslauf in Bad Oldesloe gibt es keine Flächen.Foto: hiltrop

„Hunde müssen draußen bleiben“ hieß es dagegen zum Vorschlag der CDU auf das Herstellen eines stadtnahen Hundewaldes. Nach 2004 und 2009 war es der dritte Versuch, eine geeignete Waldfläche als Auslaufareal im Stadtgebiet zu finden. 40 000 Euro sollten dafür im Haushalt bereitgestellt werden.

Doch die Pläne scheitern daran, dass es keine städtischen Flächen gibt, die dafür genutzt werden könnten. Die vorgeschlagenen Areale stehen als Ausgleichsflächen für diese Art der Nutzung nicht zur Verfügung.

Der Ankauf von Ackerland würde zu teuer, eine Aufforstung zu langwierig, zumal Hunde jede Anpflanzung zerstörten, so die Einwände. Auch eine Einzäunung des Gebiets wäre dann nötig. So wurde das Thema Hundewald auch jetzt wieder ad acta gelegt.

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