Betrachtungen zum Wochenausklang: Von Bussen, Containern und Märkten

Stormarner Tageblatt  07.12.2019

Stormarner Wochenschau

Von Bussen, Containern und Märkten

Megi Balzer
Megi Balzer

Stephan Poost und Patrick Niemeier

Verkehrsprobleme Der Kreis Stormarn untersucht die Mobilitätsbedürfnisse im Öffentlichen Personennahverkehr unter Gender- Aspekten. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, wirft beim zweiten Blick Fragen auf. Fragen auf die auch die Kreisverwaltung keine Antworten geben kann. Nehmen wir mal an, Männer und Frauen haben andere Bedürfnisse an den Busverkehr in Stormarn. Klar, sie fahren zu anderen Zeiten, haben vielleicht auch andere Ziele. Wenn der Kreis das dann schwarz auf weiß als Studie vorliegen hat, stellt sich die Frage: Welche Konsequenzen zieht man daraus? Werden zu bestimmten Zeiten andere Busse eingesetzt, weitere Busse, vielleicht Busse mit mehr Platz für Kinderwagen? Oder gibt es – zugegeben, das ist jetzt Polemik – Busse in hellblau und rosa? Zwei große Büros werden das Gutachten erstellen, wir sind gespannt, was der Stormarner Steuerzahler für sein Geld erhält. Im Sommer kommenden Jahres wissen wir mehr.

Missmanagement Kunden des Mobilfunkanbieters Vodafone hatten über Wochen Probleme mit dem Empfang in der Kreisstadt. Der Anbieter hielt sich bedeckt, vertröstete seine Kunden, ohne eine Erklärung zu liefen. Die kam erst auf beharrliches Nachfragen des Stormarner Tageblatts: Bei der Schädlingsbekämpfung wurde die Technik auf dem Silo am Bahnhof zerstört. Und die Techniker konnten die Reparatur nicht vornehmen, weil das Silo begast wurde. Nicht schlimm, mag man meinen. Doch Vodafone sah das anders und versagte beim Krisenmanagement. Was bitte ist so schlimm daran, so etwas sauber und ordentlich zu kommunizieren?

Sorgencontainer Wie ein Virus breiteten sich Altkleidercontainer in Bad Oldesloe aus. Der Grund: Wenn man das eine Unternehmen zulässt, kann man den anderen das Aufstellen auf öffentlichem Grund nicht verbieten. Rund um zahlreiche Container kam es aber immer wieder zu Ansammlungen von Müll. Kurzum: Die Container wurden mehr und mehr zum Ärgernis für die Nachbarschaft. Ab dem 1. April 2020 werden sie jetzt auf öffentlichem Grund komplett verboten. Und sofort rufen die Ersten: „Ja, aber das geht doch zu Lasten der armen Menschen, die diese Kleider erhalten sollen“. Doch diese Sorge ist aus zwei Gründen nicht notwendig. Denn erstens war überhaupt nicht bei allen Unternehmen genau gesichert, was mit der Kleidung passiert – ob sie überhaupt bedürftigen Menschen eins zu eins zu Gute kam. Und außerdem gibt es – anders als die beiden Rentner in unserer Karikatur befürchten – auch ohne die aufgestellten Container genug Abgabestellen, an denen die Kleidungsstücke sogar besser aufgehoben sind. So zum Beispiel bei den Kleiderkammern. Daher: Niemand wird unter der Abschaffung der Container leiden müssen, abgesehen vielleicht von Menschen, die damit Geschäfte machen wollten.

Nörglerweihnacht Ja, der städtische Weihnachtsmarkt vor dem Bad Oldesloer Kub ist klein und ja, es fehlen Mutzen und Kunsthandwerk. Andererseits kann man so ein Angebot nur erhalten (oder darauf hoffen, dass es wächst), wenn die Bürger es auch nutzen. Doch das scheint mal wieder nicht so ganz anzukommen. Lieber wird darüber gemeckert, dass es in Hamburg oder Lübeck feierlicher sei. Auch Hinweise auf die schöneren Dekorationen und die größere Anzahl an Buden in Nürnberg oder in Braunschweig waren schon zu hören. Wer aber nun tatsächlich in Bad Oldesloe einen Weihnachtsmarkt wie in Nürnberg oder Lübeck erwartet, der muss dringend seine Wahrnehmung der Realität und seine Erwartungshaltungen überprüfen. Das gilt übrigens auch für Nörgel-Bürger in Bargteheide und in Ahrensburg, die ähnliches „das ist ja alles viel zu klein“ über die Buden auf ihren Plätzen äußern. Wer jetzt meckert und die vorhandenen Angebote nicht nutzt, ist im Endeffekt mit Schuld daran, wenn auch das kleine, existierende Angebot irgendwann eingestampft wird. Denn Standbetreiber, die Verluste machen, kehren fast nie zurück.

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