Betrachtungen zum Wochenausklang: Im Kreis bleibt einiges auf der Strecke

Stormarner Tageblatt  14.12.2019

Stormarner Wochenschau

Im Kreis bleibt einiges auf der Strecke

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Verfall Deutschland verfällt. Die Infrastruktur geht aller Orten den Bach runter oder ist nur noch rudimentär vorhanden. Straßen, Brücken, Schulen, Internet oder wie in Reinfeld der Bahnhof. In einem der reichsten Länder der Welt – Exportüberschuss 2017 allein 287 Milliarden Euro – reicht das Geld nicht für das Nötigste. Dabei ist Geld genug da, es müssten nur andere Prioritäten gesetzt werden. Zudem: Investitionen in die Infrastruktur werden über Jahrzehnte genutzt, auch von nachfolgenden Generationen. Sie mit Schulden zu finanzieren, ist deshalb nicht ehrenrührig, sondern vernünftig.

Versetzungen Wenn 14 von 17 Lehrern damit drohen, eine Schule zu verlassen, dann kann man verstehen, dass Eltern beunruhigt sind. Wenn eine Ganztagsbetreuung vermeldet, dass mit der neuen Schulleitung eine Zusammenarbeit immer unrealistischer wird, dann ist es irgendwann selbstverständlich, dass Eltern den Weg an die Öffentlichkeit suchen. Dass dann von verantwortlicher Stelle zum Teil Kritik an den Eltern laut wird, dass es sich quasi nicht gehöre, dass so etwas öffentlich diskutiert werde, ja sogar daraus eine Verletzung des Datenschutzes gestrickt wird, dann wackelt der Schwanz mit dem Hund. Dass die Karriere einer kritisierten Person nun womöglich auf dem Spiel steht, kann in so einem Fall nicht die größere Sorge sein, die erstmal in den Mittelpunkt gerückt wird. Ein generelles Problem von Verwaltungen und ihrer Sprecher wird immer häufiger, dass Probleme öffentlich bestritten werden oder behauptet wird, man wisse von bestimmten Dingen gar nichts. Daher kann man nur froh sein über die Eltern oder alle anderen Menschen, die sich von dem immer häufiger werdenden Versuch, Dinge intern unter Teppiche zu kehren oder zu verschweigen, nicht beeindrucken lassen und an die Öffentlichkeit gehen.

Frühförderung Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich daran, wie sie mit ihren schwachen Mitgliedern umgeht. Der Kreis Stormarn weist regelmäßig darauf hin, dass man wirtschaftsstark sei und deutschlandweit zu der illustren Gruppe der Kreise mit dem höchsten Pro-Kopf- Einkommen zählt. Aber Jahr für Jahr werden die Fähnchen vor dem Ahrensburger Schloss nicht weniger, von denen jedes für ein Kind in Armut steht. Und wenn es jetzt um die Bezahlung von Frühförderpraxen geht, wirkt die Diskussion auch unangenehm, vor allem wenn von „Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit“ die Rede ist. Es gibt keinen Grund zu feiern, wenn im sozialen Bereich der Kreisverwaltung immer wieder Themen auftauchen, die dazu führen, dass man sich Fragen muss, ob es an den entscheidenden Stellen entweder an Kompetenz oder Einfühlungsvermögen fehlt. Wer bei Kindern mit Förderbedarf schaut, wie man möglichst sparsam aus der Nummer kommt, braucht nicht stolz auf irgendwelche Bilanzen zu sein. Die Kreisverwaltung sollte für die Bürger und ein angenehmes Leben im Kreis zuständig sein, vor allem für Familien und die Schwächeren der Gesellschaft. Solange außerdem Menschen in sozialen Berufen – zum Teil sogar nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Studium – nicht wissen, wie sie mit ihrem Gehalt über die Runde kommen und dann etwas von „Sparsamkeit“ zu hören bekommen, müssen sich gut versorgte Beamte und wiehernde Amtsschimmel nicht über klare Kritik wundern.

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