Immer mehr obdachlose Familien: Oldesloe vor massiven Problemen

Lübecker Nachrichten   10.01.2020

Waren es früher hauptsächlich Singles, so sind inzwischen Haushalte mit mehreren Personen auf Notunterkünfte angewiesen. Die Stadt ist darauf bisher kaum vorbereitet.

Die Mitglieder des Oldesloer Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses diskutieren über das Problem der Obdachlosigkeit.

Bad Oldesloe. Immer mehr Familien rutschen in Bad Oldesloe in die Obdachlosigkeit ab. Diese erschütternde Erkenntnis lieferte jetzt der aktuelle Bericht des Fachbereichs Bürgeramt auf der Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses (BSKA). Waren es vor Jahren fast durchweg Einzelpersonen, die in finanzielle Schieflage geraten waren oder aus anderen Gründen ihre Wohnung verlassen mussten, stehen inzwischen Eltern mit mehreren Kindern auf der Straße.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind unter den 78 Personen, die Zuflucht in den städtischen Notunterkünften gefunden haben, allein zwölf Familien mit 25 minderjährigen Kindern. Wie Fachbereichsleiter Thomas Sobczak einräumte, stellt dies eine Entwicklung dar, mit der so niemand gerechnet habe. Dies stelle die bisherige Konzeption der Obdachlosenbetreuung infrage und die Stadt vor neue Aufgaben. „Es ist schwerer, ganze Familien unterzubringen. Darauf sind wir nicht eingestellt“, sagte er.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich einige der langjährig genutzten Objekte in sehr desolatem Zustand befinden. Eine Unterkunft in der Mommsenstraße musste sogar wegen Baufälligkeit komplett geschlossen werden. Das gleiche Schicksal ereilte auch ein Haus in der Königstraße – das Grundstück soll demnächst veräußert werden. Doch damit nicht genug. Im kommenden Jahr läuft der Mietvertrag für eine weitere Obdachlosenunterkunft in der Königstraße aus. Der Vermieter hat wohl schon jetzt angekündigt, ihn nicht verlängern zu wollen. Weitere zwölf Wohnungen für Familien sowie 25 für Singles werden laut Sobczak gebraucht, um den Bedarf künftig zu decken.

Die Obdachlosenunterkunft in Bad Oldesloe ist arg renovierungsbedürftig. Das Mittelgeschoss ist nicht nutzbar.Fotos: Von Dahlen

Nur bedingt nutzbar ist schon seit geraumer Zeit auch das Eckhaus an der Lübecker Straße, dessen Sanierung im BSKA bereits unter dem Vorgänger von Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos) vor über fünf Jahren gefordert wurde.

Torben Klöhn (SPD) äußerte harsche Kritik, dass dieser Beschluss immer noch nicht umgesetzt worden, stattdessen aber ganz überraschend im Wirtschafts- und Planungsausschuss (WPA) über eine Neubebauung des Grundstücks befunden worden sei. „Wieso sagen Sie, dass die Sanierung der Lübecker Straße aus Kapazitätsgründen noch nicht saniert werden kann und sagen aber woanders, die Unterkunft soll abgerissen werden?“, stellte er den Bürgermeister zur Rede.

Jörg Lembke legte dar, dass beide Maßnahmen jeweils andere Abteilungen zuständig seien. Im Bereich Hochbau gebe es einen großen Rückstau. Derzeit sei die Sanierung an den Schulen mit großer Dringlichkeit an der Reihe. „Statt sieben Stellen haben wir nur zwei Mitarbeiter. Da schaffen wir nur das Allernötigste“, erklärte der Behördenchef. In die Planung des Neubauprojekts dagegen müsse zunächst kein Personal der Stadt einbezogen werden, sondern erst später, wenn die Bauaufsicht ins Spiel komme. Denn das Projekt werde von Dritten konzipiert. Die Oldesloer Wohnstätten GmbH zeige Interesse, es zu verwirklichen.

Mit dieser Antwort wollte sich Klöhn aber nicht zufriedengeben. „Wann haben denn die Notunterkünfte endlich Priorität?“, fragte er und kritisierte, dass der Bürgermeister einen Alleingang vorbei am BSKA unternommen habe, um den Abriss des Gebäudes vorzustellen. Die Vermutung, dass mit dem WPA-Beschluss rechtlich unklare Situation geschaffen worden sei, da nun zwei sich widersprechende Beschlüsse nebeneinanderstünden, entkräftete dessen Vorsitzender Hartmut Jokisch (Grüne). Die Sanierung stehe nicht im Widerspruch zum Gesamtkonzept für die Lübecker Straße, das zur Obdachlosenunterkunft auch weitere Sozialwohnungen vorsehe. Die Verwaltung wiederum versprach, die Pläne noch einmal konkreter aufzubereiten und dann in beiden Ausschüssen erneut zu präsentieren.

Begrüßt wurde von allen Seiten der Antrag von Cornelia Steinert (Linke), einen Runden Tisch zu bilden, der sich des Themas Obdachlosigkeit in der Stadt annimmt und versucht, Lösungen für die neu entstandenen Probleme zu suchen. Ein erstes Treffen für Dienstag, 28. Januar, zu dem die Öffentlichkeit eingeladen ist, hat sie schon organisiert. Die Veranstaltung im Bürgerhaus beginnt um 19 Uhr.

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