Schulsozialarbeit: Soll der Kreis bei privaten Sorgen zahlen?

Lübecker Nachrichten   14.01.2020

Damit Mobbing, Schwänzen und andere Konflikte den Frieden nicht stören, werden auch an Oldesloer Schulen Pädagogen engagiert – Doch wer finanziert das?

Von Dorothea von Dahlen

Lennard Hamelberg (Kinder- und Jugendbeirat) schilderte im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss Bad Oldesloe einen konkreten Fall.foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. Mobbing, Schwänzen und andere Konflikte belasten zuweilen auch den Alltag an Oldesloer Schulen. Dass diese Probleme schwerlich im Unterricht geklärt werden können und den Einsatz von Schulsozialarbeitern erfordern, bezweifelt niemand in den politischen Gremien der Stadt. Doch geht es um die Personalkosten, gerät alles ins Stocken.

Auf der Stadtverordnetenversammlung im Dezember war das nicht anders. Der Antrag für eine Vollzeitstelle, die sowohl den Theodor-Mommsen- als auch den Ida-Ehre-Schülern zugute kommen sollte, wurde auf Eis gelegt – sehr zum Bedauern einiger Fraktionen im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss, die das so nicht schlucken wollten.

„Ich bin fassungslos, wie es gelaufen ist. Der Ansatz der CDU, nach anderen Formen der Finanzierung zu suchen, war gut gemeint. Aber so haben wir nur über das Geld gesprochen und die Notwendigkeit, die Stelle zu schaffen, ausgeklammert. Das ist verquer gelaufen“, übte Dagmar Danke-Bayer (Grüne) Kritik an der Abstimmung. Bis dato habe die Stadt die Ida-Ehre-Schule im Stich gelassen. Dabei sei es wichtig, die Probleme der Jugendlichen gleich an Ort und Stelle zu klären, „ansonsten fällt uns das eines Tages auf die Füße“. Auch Torben Klöhn (SPD) zeigte sich frustriert, dass die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen kaum Beachtung fanden.

Anita Klahn (FDP) wiederum setzte die Debatte aus dem Vorjahr fort und regte an, andere Träger für die Finanzierung der Stelle ins Boot zu holen, nachdem sich die Landesregierung als nicht zuständig erklärt hatte. Aus dem Jahresbericht der Stadt gehe hervor, dass die Schüler viele private Probleme mit den Sozialarbeitern besprechen. Dafür seien aber in der Regel die Beratungsstellen des Kreises zuständig. Das könne eine Basis bilden, um mit ihm über eine Beteiligung an den Kosten zu verhandeln.

Das mochte Lennard Hamelberg vom Kinder- und Jugendbeirat so nicht stehenlassen. Selbst an der Ida-Ehre-Schule schilderte er den drastischen Fall einer Mitschülerin, die unter Problemen im Elternhaus litt. „Sie hatte Essstörungen, ritzte sich, trank viel Alkohol und war völlig aufgelöst. Gespräche mit dem Schulsozialarbeiter haben gut geholfen. In solchen Fällen braucht man Ansprechpartner, wenn kein Vertrauen zu Eltern oder Lehrern besteht. Das ist enorm wichtig“, appellierte er an die Ausschussmitglieder, die Stelle zu etablieren. Er zitierte aus einer Statistik des DRK, der zufolge inzwischen 26 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch auffällig seien – Tendenz steigend.

„Wenn sich niemand um die Kinder kümmert, sind sie aufgeschmissen. Deshalb ist es schwierig, messerscharf zu sagen, welche Probleme privater, welche schulischer Herkunft sind und wo wir uns kümmern und wo nicht“, gab Ralf Herrmann vom Fachbereich Bürgeramt, zuständig für die Sozialarbeit, zu bedenken. Die Schüler in dieser Situation mit ihren Sorgen allein zu lassen, könne niemand vor sich verantworten.

Erörtert wurde aber auch, inwieweit die Sozialarbeit zwischen den Oldesloer Schulen überhaupt gerecht verteilt ist. So wurde festgestellt, dass die eingeplante Stundenzahl der Sozialpädagogen mitunter abweicht. Im Vergleich schneidet die Ida-Ehre-Schule beispielsweise mit nur 37 Stunden Betreuung durch Diplompädagogen gegenüber Theodor-Storm- (TSS) und Theodor-Mommsenschule (TMS) schlechter ab, auf die jeweils 39 Stunden entfallen. An der TSS kommen zudem noch 39 Sozialarbeiterstunden hinzu. Zu beachten sei indes, wie bedürftig die einzelnen Schulen seien, hieß es. Ausschussvorsitzender Jörn Lucas (CDU) sprach sich dafür aus, eine Richtlinie mit klaren Kriterien auszuarbeiten, auf deren Grundlage dann die Versorgung der jeweiligen Schule erfolgen solle.

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