Goldener Löwe bewacht Hansen-Bau

Lübecker Nachrichten   16.01.2020

Nach der Schließung der Oldesloer Löwen-Apotheke wird sich das Stadtbild nicht verändern – Fassade steht unter Denkmalschutz – Weitere Nutzung der Räume ist aber noch offen

Von Susanna FofanaDas denkmalgeschützte Gebäude in der Hindenburgstraße wurde an zwei Investoren verkauft. Äußerlich ändert sich nichts, da die Fassade denkmalgeschützt ist.Fotos: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Der goldene Löwe über dem Eingangsportal zur einstigen Löwen-Apotheke ist ein Blickfang in der Oldesloer Fußgängerzone. Passanten und LN-Leser fragen sich nach der Schließung der Löwen-Apotheke nach mehr als 300 Jahren, was aus diesem stadtbildprägenden Gebäude und seinem Löwen wird.

Auch wenn das gesamte Gebäude mittlerweile an zwei Investoren aus der näheren Umgebung von Bad Oldesloe verkauft wurde: Rein äußerlich wird sich nichts ändern. Denn die Fassade des historischen Hauses in der Hindenburgstraße 9 steht unter Denkmalschutz.

Eine Apotheke wird nach Auskunft des Investors dort jedoch nicht wieder einziehen. Die Räume im Erdgeschoss sind für eine andere Nutzung vorgesehen. Allerdings beherbergt das Haus unter dem Dach noch jede Menge Apotheken-Utensilien von anno dazumal. Diese historische Materialkammer steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Ein Totenkopf auf dem Giftschrank und lateinische Aufschriften auf Schubladen und Glasgefäßen erinnern dort an längst vergangene Zeiten.

 

 

Die Materialkammer in der einstigen Löwen-Apotheke in Bad Oldesloe steht unter Denkmalschutz.

Die erste Oldesloer Apotheke von 1718 war damals übrigens die einzige zwischen Hamburg und Lübeck. Sie brannte beim Stadtbrand am 22. Mai 1798 nieder. 1798 wurde sie von dem damaligen Oldesloer Apotheker, Oberinspektor der Saline und Badedirektor Friedrich August Lorentzen (1765-1842) wieder aufgebaut.

Den Entwurf für das Apothekerhaus in der Hindenburgstraße, damals noch Langestraße, fertigte der berühmte dänische Architekt Christian Frederik Hansen (1756-1845), von dem auch die Pläne für das Oldesloer Rathaus und den Marktplatz stammen. Im Keller des historischen Gebäudes waren damals die Tinkturen und Flüssigkeiten untergebracht, die kühl gelagert werden mussten. Auf dem Dachboden wurden trockene Substanzen wie Kamille und Pfefferminz verwahrt.

Die riesige Materialkammer entstand erst, als das zunächst fünfachsig gebaute Apotheker-Haus 1841 auf achtachsig erweitert wurde. Sie enthält Apotheker- und Giftschränke, Rezeptbücher, Gefäße aus Glas oder Keramik. Eine große Holztafel bildet das Findbuch für die Arzneimittel. Im Stormarner Jahrbuch 2016 hat Frank Sonder die Materialkammer der Oldesloer Löwen-Apotheke detailliert vorgestellt.

Bis zum jetzigen Verkauf blieb das Gebäude im Familienbesitz. Die Löwen-Apotheke war nach dem Tod Wolfgang Sonders 1955 kurze Zeit verpachtet, bis sein Sohn Frank Sonder sein Studium abgeschlossen hatte.

Der führte sie viele Jahre gemeinsam mit seiner Ehefrau, die ebenfalls Apothekerin war. Seine Tochter, Annette Steglich, hatte die Oldesloer Löwen-Apotheke dann Mitte 2016 in fünfter Generation in der Familientradition übernommen. Im Herbst vorigen Jahres schloss sie die Löwen-Apotheke wegen interner, organisatorischer Probleme. Die Apothekerin arbeitet jetzt in der Apotheke am Markt in Bad Oldesloe.

Johann Daniel Sonder, der die Oldesloer Apotheke 1874 gekauft hatte und hier das Privileg bekommen hatte, leitete zuvor 20 Jahre lang die Privilegierte Reinfelder Apotheke, die er dann aufgab. Sein Sohn Dr. Christoph Sonder bekam übrigens den goldenen Löwen geschenkt, der jetzt weiterhin über dem Eingangsportal des historischen Gebäudes in der Hindenburgstraße Wache halten wird.

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