>>> Leserbrief: Populismus pur

Markt Bad Oldesloe Wochenendzeitung   18.01.2020

Leserbrief zum Beitrag von Patricia Rohde im MARKT vom 8. Januar

Eigentlich hatte ich nicht vor, mich nach meinem Ausscheiden aus der Stadtverordneten-versammlung zu Wort zu melden. Aber nach der MARKT- Kolumne der so freundlich dreinbli- ckenden FBO-Dame schwoll sich mir der Kamm. Die Erhöhung der so bezeichneten Sitzungsgelder in dieser Art und Weise zu kritisieren, ist Populismus der aller übelsten Sorte.

  Allein der Ausdruck Sitzungsgeld ist fragwürdig. Man könnte glauben, die Stadtvertreter würden sich im Rathaus bei einer politischen Plauderei den Hintern breit sitzen. Richtig ist
die Bezeichnung Aufwandsentschädigung. Und die ist dringend auf den neuesten Stand
zu bringen und zu erhöhen. Vor allem in Würdigung für den enormen Einsatz dieser Ehrenamtler.

Allein für Ausschuss- und Fraktionssitzungen müssen wöchentlich im Mittel zehn bis 15 Stunden aufgebracht werden. Hinzu kommt der Zeitaufwand für das Durcharbeiten von Sitzungsvorlagen, Gutachten, Finanzplänen und vieles mehr. Natürlich sind auch Kenntnisse in den Bereichen Finanzausgleich, Schlüsselzuweisungen, Sozialgesetzbuch, Baugesetzbuch, Landesbauordnung bis hin zur städtischen Haushaltswirtschaft für die Entscheidungsfindung erforderlich.

Dass die monatliche Entschädigung dafür zur Zeit erheblich niedriger ist als das Honorar je
Stunde eines Freiberuflers, ist nachdenkenswert.

Und dann scheint es auch das Hobby der FBO zu sein, sich am stellvertretenden Bürgermeister
abzureagieren. Der ist nun mal ein auf das Wohl der Stadt vereidigter Ehrenbeamter und hat im Vertretungsfall eine hohe Verantwortung. Während meiner Zeit als Stadtvertreter hatte ich den Eindruck, dass der jetzige Amtsinhaber den Bürgermeister wie auch dessen Vorgänger exzellent vertreten hat. Diese Bürgermeister konnten beruhigt auf Dienstreise oder in den Urlaub gehen. Auch im Krankheitsfall war durch die Vertretung gewährleistet, dass im Verwaltungsablauf die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Und das war bei einem seiner Vorgänger nicht immer so.
Uwe Rädisch
Bad Oldesloe

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