Wohngebiet „Claudiussee“: Junge Familie sorgt sich um Krippenplatz

Lübecker Nachrichten   22.01.2020

Die Kita vor der Haustür – diese Aussicht hat einige Eltern aus dem Umland veranlasst, ein Eigenheim in der neuen Siedlung zu bauen – Doch jetzt kommt das große Erwachen

Von Dorothea von Dahlen

Schmökern im Bilderbuch: Regina und Matthias Heinrich ziehen demnächst ins neue Wohngebiet „Claudiussee“. Ab März braucht Sohn Jakob einen Krippenplatz.foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Wie Pilze wachsen die Eigenheime im Oldesloer Neubaugebiet „Claudiussee“ aus dem Boden. Einige junge Familien sind schon eingezogen, andere stecken noch in der Bauphase. Ihre Entscheidung, sich in Bad Oldesloe niederzulassen, wurde nicht zuletzt davon beeinflusst, dass in unmittelbarer Nachbarschaft eine Kita entstehen würde. Auch Matthias Heinrich und seine Frau Regina betrachteten es als Glückstreffer, ihren Sohn Jakob gut aufgehoben zu wissen. Im Mai erwarten die jungen Eltern gar ihr zweites Kind. Die anfängliche Euphorie schlug jetzt aber in Sorge um. Denn ob, und wenn ja, wann die Kita gebaut wird, ist noch längst nicht sicher. Ein Investor, der die Immobilie errichten will, hält sich zwar bereit. Doch bestehen zwischen der Stadt und ihm offenbar Differenzen, die das Projekt zu vereiteln scheinen.

„Bad Oldesloe sollte unser Lebensmittelpunkt werden. Ich arbeite in Lübeck, meine Frau in Hamburg. Ein Haus in Bahnhofsnähe ist da perfekt. Wir waren deshalb mit die Ersten, die den Grundstückskauf unterschrieben haben“, erzählt Matthias Heinrich. „Aber jetzt zeichnet sich ab, dass es mit dem Thema Kita-Bau nicht so recht weitergeht und wir Eltern stehen vor der Frage, wo wir die Kinder unterbringen sollen, wenn wir hier einziehen“.

Die Heinrichs sind nämlich nicht die Einzigen, die dieses Problem in absehbarer Zeit lösen müssen. Denn bis auf eine Familie zieht der überwiegende Teil der Häuslebauer aus Hamburg oder dem Umland nach Bad Oldesloe. Bei einem Richtfest lernte das derzeit noch bei den Schwiegereltern im Amt Bad Oldesloe-Land wohnende Paar weitere junge Eltern kennen. So stellte sich heraus, dass allein zwischen März und Juni zehn Kinder einen Betreuungsplatz brauchen werden. Die Familien tauschten Adressen aus und gründeten eine WhatsApp-Gruppe, auf dass Matthias Heinrich alle über den aktuellen Stand informieren sollte.

Viel Positives konnte er den anderen indes noch nicht berichten. „Das Ärgerliche ist, dass das Thema Kita nur hinter verschlossenen Türen diskutiert wird in der Stadt. Wenn wenigstens öffentlich gesagt würde: ,Wir haben das Geld nicht’, wäre es ja noch verständlich. Aber so erfährt man nichts“, sagt der junge Vater. Ihm sei nichts anderes übrig geblieben, als Klinken zu putzen bei beiden Verhandlungspartnern. Der Investor gebe an, alles von seiner Seite aus getan zu haben. Der Ball liege jetzt bei der Stadt und dem Finanzausschuss. Da Letzterer sich nicht öffentlich dazu äußere, ließen sich nur Mutmaßungen anstellen.

Auf der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses sprach Heinrich das Problem an. „Wir versuchen mit Hochdruck, das Problem zu lösen“, entgegnete Bürgermeister Jörg Lembke. 30 Krippenplätze seien in Vorbereitung, dabei handele es sich um Erweiterungen bestehender Einrichtungen. Für das Neubaugebiet gebe es in der Tat noch keine Planung. Der Dialog mit dem Investor halte noch an.

Neben den größeren Einrichtungen gebe es Plätze in der Tagespflege. „Bisher ist noch kein Fall bekannt, dass es nicht geklappt hat, die Kinder unterzubringen“, sagte Lembke. Bürgeramtsleiter Thomas Sobczak wiederum bedankte sich bei Heinrich dafür, dass er der Stadt eine Liste mit den Neuzuzügen und den zu erwartenden Kindern zur Verfügung gestellt hat. Konkretere Angaben, wie es mit der Kita am „Claudiussee“ weitergehen könnte, machte aber auch er nicht. „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir mit einem Träger im Gespräch sind. Der nächste Termin findet Ende Januar statt“, sagte er.

Die Liste ist für die Planung der Stadt durchaus wichtig. Denn die noch nicht in Bad Oldesloe gemeldeten Eltern haben offenbar Probleme, ihre Kinder über das neue Kita-Portal anzumelden. Das neue System, das die Plätze wie im Selbstlauf gerecht vermitteln soll, zeigt offenbar Schwächen, wenn Sonderfälle auftreten. „Wenn wir als Wohnort Oldesloe-Land angeben, werden wir nicht so berücksichtigt, weil wir noch nicht als Einwohner zählen“, berichtet Heinrich. Dass der Umzug erst später erfolgt, lasse sich lediglich im Kommentarfeld erklären. Das wiederum werde scheinbar gar nicht ausgelesen.

Außerdem müsse einer von drei ausgewählten Kindertagesstätten Priorität eingeräumt werden. In den Einrichtungen selbst würden jedoch nur die Erstwünsche wahrgenommen, selbst wenn es in den zweit- und drittplatzierten Kitas noch Plätze gebe. Abgesehen davon habe das etwas komplizierte Anmeldesystem, das einen auf 28 Tage befristeten Freischalt-Code erfordere, schon zu einigen Missverständnissen bei den Eltern geführt.

„Wir sind ja nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Heinrich. Er ist sich sicher, dass noch mehr Familien ins neue Gebiet ziehen werden. „Es sollen ja auch Mehrfamilienhäuser entstehen. Dann wird Bedarf bestehen und eine neue Kita wird zwingend nötig.“

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