50 Millionen Euro: Asklepios baut Lager in Bad Oldesloe

Lübecker Nachrichten   23.01.2020

Nach Amazon kommt ein weiterer großer Name in die Kreisstadt – Der Krankenhauskonzern will an der Autobahn ein großes Zentrallager errichten

Von Markus Carstens

Das Gewerbegebiet Teichkoppel in Bad Oldesloe vor seiner Erschließung. Jetzt ist bereits eine Straße fertig, erste Unternehmen wollen in diesem Jahr bauen.  fotos: Manfred Giese/Ln-archiv

Bad Oldesloe. Die Asklepios-Kliniken bauen in Bad Oldesloe im Gewerbegebiet an der A 1 ein neues, hochmodernes Zentrallager auf einer Fläche von 65 000 Quadratmetern, die eigens dazu erworben wurde. Das teilte das Hamburger Unternehmen am Mittwoch mit. Es werde voll automatisiert alle Asklepios-Kliniken außerhalb Hamburgs sowie andere Krankenhausketten, Einkaufsgemeinschaften und einzelne Krankenhäuser und Rehakliniken versorgen. „Vom Bettlaken bis zur Spritze: Alles was Krankenhäuser benötigen, wird es dort geben“, sagte Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz.

Zusätzlich sollen von Bad Oldesloe aus Heil- und Hilfsmittel rund um die Uhr für Patienten deutschlandweit für die Zeit nach ihren Krankenhaus-Aufenthalten abrufbar sein. Mit dem neuen Zentrallager werde Asklepios die Versorgungssicherheit der angeschlossenen Kliniken und Einrichtungen stabil und auf hohem Niveau nachhaltig sicherstellen können. Bis auf Weiteres erhalten die Asklepios-Kliniken Hamburg hingegen auf Wunsch der Stadt Hamburg als Minderheitsgesellschafter keine Anbindung an das neue Zentrallager und behalten ihr bestehendes eigenes Lager.

Bereits seit Jahren sucht Asklepios einen Standort für ein neues Zentrallager, da das bisherige in Hamburg im Westen der Stadt in der Schnackenburgallee viel zu klein für die Versorgung von Kliniken außerhalb Hamburgs ist und die Versorgung der Kliniken im Rest Deutschlands meist von Dienstleistern übernommen wird. Die Hansestadt selbst konnte kein Grundstück zur Verfügung stellen, das der erforderlichen Größe für die Belieferung des Asklepios-Gesamtkonzerns entsprochen hätte.

Ein solches wollte Bad Bramstedt anbieten, aber dort habe sich der von der Stadt vorgesehene Boden als nicht tragfähig erwiesen, sodass der Klinikbetreiber davon habe Abstand nehmen müssen. Jetzt ist Bad Oldesloe als Standort gefunden, wo sich bereits eine Asklepios-Klinik befindet. Das entsprechende Grundstück wurde von Asklepios gekauft, voraussichtlicher Baubeginn wird in der zweiten Jahreshälfte 2020 sein, heißt es seitens des Unternehmens.

Das Zentrallager werde voll automatisiert und eines der modernsten seiner Art überhaupt werden. Die voraussichtliche Inbetriebnahme soll im zweiten Halbjahr 2021 erfolgen. Asklepios investiert nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro in das neue Zentrallager im Gewerbegebiet Teichkoppel.

Zur Zahl der Mitarbeiter machte der Konzern auf Nachfrage noch keine konkreten Angaben. „Es wird ein hoch automatisiertes Lager und deshalb sicher kein Jobmotor“, sagte der Unternehmenssprecher. Dafür wird es laut Asklepios einen regen Lkw-Verkehr geben, täglich und rund um die Uhr. Das hatte schon bei der Ansiedlung von Amazon für einigen Missmut gesorgt. Amazon will ein großes Paketverteilzentrum in dem Gewerbegebiet bauen, das privatwirtschaftlich von der PHE Land und Haus GmbH erschlossen wird.

Das Zentrallager in Bad Oldesloe trage durch seine unmittelbare Autobahn-Nähe zur Reduzierung von CO2-Emissionen und Lärmbelästigungen bei. „Wir wollen das Zentrallager besonders unter Nachhaltigkeitsaspekten errichten“, sagt Kai Hankeln.

In der Stadt wird Kritik an den Bauplänen laut

Bad Oldesloe. Nur wenige neue Arbeitsplätze, dafür mehr Lkw-Verkehr: Die Ansiedlungspläne des Asklepios-Konzerns für ein großes Zentrallager im Gewerbegebiet an der Autobahn 1 sorgen in Bad Oldesloe nicht für Begeisterungsstürme.

„Wir hätten uns etwas Schöneres gewünscht“, sagt Horst Möller, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Vermutlich entstehen bei Amazon sogar mehr Arbeitsplätze.“ Schon die Ansiedlung von Amazon hatte für Kritik in der Stadtpolitik gesorgt. „Aber wie schon bei dem Paketverteilzentrum hat die Stadt wenig Einfluss.“ Zum einen, weil der Bebauungsplan solche Ansiedlungen nicht ausschließt; und zum anderen, weil das Gewerbegebiet Süd-Ost privatwirtschaftlich erschlossen wird von der PHE Land und Haus GmbH.

„Keiner will diese Lager vor der Haustür, aber irgendwo müssen sie hin“, sagt Möller. Sorge bereitet ihm schon jetzt das zusätzliche Verkehrsaufkommen. In der Tat spricht der Asklepios-Konzern von einer „großen Lkw-Flotte“ und einem Betrieb rund um die Uhr. Die Notwendigkeit, auch aufgrund der demografischen Entwicklung ein großes Lager zu bauen, sieht auch die FDP. „Es dient der Krankenversorgung. Da hoffe ich doch inständig im Sinne der Patienten, dass dieses nicht infrage gestellt wird“, sagt Anita Klahn, Stadtverordnete und auch Landtagsabgeordnete der FDP.

„Das ist kein Gewinn für Bad Oldesloe“, meint Björn Wahnfried, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Wir haben mit einem weiteren Logistiker wieder das gleiche Problem wie bei Amazon.“ Wieder entstünden lediglich Jobs im Niedriglohnsektor. Der B-Plan stamme aus einer Zeit, in der solche Lager noch nicht allzu stark nachgefragt waren.

Auch Wahnfried macht sich Sorgen um die verkehrliche Anbindung. „Es werden sicher nicht alle Lkw auf die Autobahn fahren, sondern viele auch durch die Stadt in die andere Richtung.“ Im jüngsten Lärmgutachten haben sich die Stadtpolitiker auch für mehr Tempo-30-Zonen – zeitlich auf die Nacht beschränkt – ausgesprochen. Das ist jedoch nicht bindend. „Da müssen wir Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr führen“, so Wahnfried, der lobend den Verwaltungsneubau der Vereinigten Stadtwerke in dem Gewerbegebiet hervorhebt.

„Das ist nicht das, was wir dort gerne hätten“, sagt auch Grünen-Fraktionschef Wilfried Janson zu den Asklepios-Plänen. „Aber wir haben ja leider keinen Einfluss.“ Für die Zukunft strebt Janson an, solche Flächen nicht mehr von privater Hand entwickeln zu lassen. Das Areal dort lag lange brach, weil sich die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn und der Flächenbesitzer nicht über Verkaufsmodalitäten einigen konnten. Jetzt entwickelt Landwirt Peter Eggers aus Rethwisch das Gebiet selbst. „Solche Flächen sollten künftig städtisches Eigentum bleiben“, sagt Janson. Dann behalte man die Kontrolle. Janson hätte lieber produzierendes oder IT-Gewerbe angesiedelt. Er hofft jedoch zumindest, dass Asklepios auf erneuerbare Energien setzt. „Das Lager wird viel Strom verbrauchen. Den könnte der Konzern gut mit eigenen Solaranlagen selbst produzieren.“ Amazon hatte angekündigt, Elektroautos einzusetzen. Das wünscht sich Janson auch von Asklepios.

„Die Lehre daraus ist, dass wir besser mit der WAS zusammenarbeiten sollten als mit einem privaten Entwickler“, sagt auch Matthias Rohde von der FBO. „Die Flächen dort sind wirklich zu schade, um dort einen großen Schuhkarton neben den anderen zu stellen.“ Auch verkehrlich sieht Rohde auf die Stadt erhebliche Probleme zukommen. „Es ist fraglich, ob der Kreisel für so viel Lkw-Verkehr ausgelegt ist“, sagte er. mc

 

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