Neues Gewerbegebiet: Die große Ernüchterung

Stormarner Tageblatt  27.01.2020

Zwar werden Arbeitsplätze geschaffen, aber die zu erwartenden Steuereinnahmen bleiben überschaubar

Symbolcharakter: Während beim Auftakt die Sonne schien, hängen nun vermehrt  auch graue Wolken über dem Projekt.Nie
Symbolcharakter: Während beim Auftakt die Sonne schien, hängen nun vermehrt auch graue Wolken über dem Projekt.Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Euphorie war spürbar als zum ersten Spatenstich im Gewerbegebiet Teichkoppel in Bad Oldesloe geladen wurde. Landrat Dr. Henning Görtz sagte, dass er sich für Bad Oldesloe freue und natürlich für den ganzen Kreis, denn es entstünden Arbeitsplätze und Stormarn werde als Gewerbestandort noch attraktiver. Bürgermeister Jörg Lembke dankte dem Investoren Peter Eggers, dass er das Projekt vorantreibe und zugesagt habe, attraktiven, zukunftsorientieren mittelständischen Firmen aus der Region einen Standort zu bieten.

Eigentlich arbeitet die Stadt Bad Oldesloe bei der Vermarktung von Gewerbeflächen mit der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft (WAS) zusammen. Das hätte man auch gerne bei betroffenem Gewerbegebiet. Doch Eggers und die WAS einigten sich über Jahre nicht, so dass der Landwirt Eggers Jahr für Jahr noch seine Ernte auf seinen Grundstücken einfuhr, für die seit 2006 ein Bebauungsplan bestand. „Hätte man so weitergemacht, wäre wohl auch in den nächsten Jahren nichts passiert“, sagt Lembke rückblickend. Und so verkaufte die WAS ihre Anteile an Eggers. Dieser begann als privater Investor mit seiner Firma PHE gemeinsam mit Berater Gerhard Heyer, der selbst mal der Chef der WAS war, mit der durchaus erfolgreichen Vermarktung der Gewerbegrundstücke.

Seit diesem Zeitpunkt hat die Oldesloer Politik, WAS und Verwaltung, abseits von der Kontrolle der Einhaltung der Baurechtsregeln, keine Handhabe mehr in dem Gebiet. SPD, Linke, FBO und Grüne merkten schon in dieser Phase an, man bitte darum, dass es nicht zur Ansiedlung von Logistikern und großer Lager käme. Das wäre das schlimmstmögliche Szenario, hieß es damals im Ausschuss. Selbst beim Spatenstich war Berater Heyer aber noch bemüht solche Sorgen vom Tisch zu wischen. Klar ist mittlerweile: Es kam dann trotzdem wie befürchtet. Von vor allem mittelständischen regionalen Unternehmen kann nicht die Rede sein. Stattdessen entstehen ein riesiges Zentrallager von Asklepios und ein Verteilzentrum von Amazon. Zwei Bauten, die genau die „hässlichen Schuhkartons“ sind, vor denen FBO-Mann Matthias Rohde grauste.

Aus Euphorie ist Enttäuschung und Frust geworden. Davon, dass Eggers irgendwas Positives für Bad Oldesloe bewirkt, ist abgesehen von Wortbeiträgen der FDP nicht mehr die Rede. Im Gegenteil. Seine Art der Vermarktung unter Aspekten der Gewinnmaximierung – von der der Bürgermeister sagt dass das Vorgehen nachvollziehbar sei – wird nicht zum Gewinn, sondern zum teuren, langfristigen Problem für die Kreisstadt.

„Da ist vor allem für die Stadt eine teure Tasse Tee, was dort passiert“, sagt Bürgermeister Lembke. Während sich Eggers Konto durch die Verkäufe an die Großunternehmen füllt, die sehr große Grundstücke erwerben, werden die Steuereinnahmen für die Stadt überschaubar bleiben.

Die Lokalpolitik hat zum Großteil das Problem erkannt: Bei Amazon entstehen vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse. Sollten die Mitarbeiter in die Kreisstadt ziehen, wird noch mehr sozialer Wohnungsbau benötigt. Der Verkehr in der Kreisstadt und Richtung Autobahn wird durch beide Ansiedlungen massiv zunehmen, die Infrastruktur der Straßen schwer belastet. Die Kosten trägt am Ende der Steuerzahler, nicht der Investor.

Für den zweiten noch nicht erschlossen Teil des Gebiets möchte der Bürgermeister jetzt schauen, wie stärkerer Einfluss auf die Ansiedlungen genommen werden kann. Und was er von der Entwicklung hält, wird deutlich wenn er sagt: „So wird das hier nie wieder laufen. Wir arbeiten nur noch mit der WAS.“

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