Oldesloes treuester Feuerwehrmann

Lübecker Nachrichten   28.01.2020

Hans-Jürgen Voß ist seit 70 Jahren bei den Rettern aktiv – Als Schüler trat der heute 88-Jährige der Wehr bei

Hans-Jürgen Voß aus Bad Oldesloe ist seit 70 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt.Foto: Fofana

Bad Oldesloe. „Als ich bei der Feuerwehr anfing, war ich der Jüngste. Und jetzt bin ich der Älteste“, sagt Hans-Jürgen Voß (88) augenzwinkernd. Am 12. August 1949 wurde er Feuerwehrmann. Damals hatte die Oldesloer Wehr ihr Domizil noch mitten in der Stadt, im historischen Blauen Haus an der Hude, das sich heute das „Mocca“ und die Buchhandlung Willfang teilen. Zur 70-jährigen Mitgliedschaft in der Ortswehr bekam der Löschmeister jetzt eine Urkunde der Stadt Bad Oldesloe und die Ehrenspange.

„Da ging ich noch zur Schule“, berichtet Voß von seinem Eintritt in die Wehr. Sein Vater sei damals auf Plattdeutsch angesprochen worden, ob „sin Jung“ nicht „Lust bi de Feuerwehr“ hätte. Voß: „Die Erwachsenen waren damals noch richtig Respektspersonen.“ Eine Jugendfeuerwehr gab es noch nicht.

Insgesamt wurden 1949 sechs Neue in der 35 Mitglieder starken Oldesloer Feuerwehr aufgenommen. Wenn mal wieder die Sirenen ausfielen, wurde die Wehr mit Nebelhörnern alarmiert. Vor 70 Jahren wurden sieben Groß- und zwölf Kleinbrände in Bad Oldesloe gemeldet, zudem vier blinde Alarme und 13 Übungen. „Wir hatten drei Fahrzeuge“, erinnert sich der 88-Jährige an seine Anfänge im Feuerwehrgerätehaus an der Hude. Eines davon stammte noch von der Wehrmacht. „Bei dem ältesten saß man halbwegs draußen.“ Und die Schläuche passten nicht überall an den Fahrzeugen, wie es heute Standard sei. Später wurde das Blaue Haus zu klein und die Wehr wechselte 1973 in das für 1,4 Millionen Mark errichtete Feuerwehrhaus an der Lübecker Straße – pünktlich zum 100. Geburtstag der Oldesloer Feuerwehr.

Auch wenn es schon 70 Jahre her ist – an seinen ersten Einsatz bei einem richtigen Feuer erinnert Voß sich noch lebhaft: „Das war ein Strohdachhaus am Meddelskamp.“ Bei vielen großen Einsätzen war er dabei, auch 1959 bei einem Großbrand in einer Lederfabrik an der Hagenstraße. „Das war ein gewaltiges Feuer. Brennende Lederteile flogen durch die Luft und wir mussten aufpassen, wo sie herunterkamen und sie ablöschen.“ So konnten benachbarte Häuser der Altstadt vor den Flammen gerettet werden. Großbrände in der Schaumstofffabrik im Gewerbegebiet, im Stroh-Silo am Bahnhof oder im Bullenstall auf dem Gut Altfresenburg (beide 1971) gehörten ebenfalls zu Voß’ großen Oldesloer Einsätzen. Wenn die damals noch lauten Sirenen die Feuerwehrmänner zu jeder Tages- oder Nachtzeit zur Hilfe riefen, hoffte Voß stets, dass es galt, ein Feuer zu löschen und nicht etwa zu einem schrecklichen Unfall ausrücken zu müssen.

„Lieber zehn Feuer als einen Unfall“, sagt Voß. Heute hat die Oldesloer Ortswehr jährlich 356 Einsätze (2019) abzuarbeiten, darunter viele Unfälle oder technische Hilfestellungen. Voß: „Wenn früher ein Papierkorb brannte, kippten die Leute Wasser rein. Heute rufen sie die Feuerwehr.“

Der gebürtige Oldesloer ist an der Hagenstraße in der Innenstadt aufgewachsen. Neben seinem Elternhaus gab es damals eine Eisdiele, in der sie als Kinder einmal die Woche „Eis satt“ bekamen, wenn sie nach der Tochter des Hauses fragten. Nebenan im heutigen Kultur- und Bildungszentrum spielten die Oldesloer Kinder früher in leerstehenden Gefängniszellen. Mittlerweile ist sein Zuhause im einstigen Gebäude seiner Großeltern an der Hindenburgstraße. Dort hatte vor vielen anderen Läden und Nutzungen früher sein Vater als Malermeister auf der linken Seite seinen Betrieb. Voß: „Rechts war unser Wohnzimmer.“ Bei seinem Vater absolvierte er nach der Schule dann auch seine Malerlehre. „Es war nicht mein Traumberuf“, gibt er zu. Eigentlich hätte er lieber Radios repariert. Doch nach der Währungsreform wurde neu gekauft statt repariert. „So wurde ich zwangsläufig Maler.“ Und arbeitete zuletzt 35 Jahre in einem Betrieb in Ahrensburg.

Immer wieder kreuzten seine Wege die des verstorbenen langjährigen Gemeindewehrführers Kurt Schlüter. Mit ihm drückte Voß schon die Schulbank in der Stadtschule. Beide waren zudem von Beruf Maler und Feuerwehrmänner. Laut einigen Zeitungsberichten oder dem Internet ist Voß übrigens schon 89 oder gar 90 Jahre alt. Über dieses Hin und Her wundert sich der Jubilar und versichert lachend, dass er kurz vor Weihnachten wirklich erst seinen 88. Geburtstag gefeiert hat. Ähnlich viele Varianten gibt es für seinen Familiennamen. Die zum Teil noch heute genutzte Schreibweise „Voss“ entstand, als es einst kein „ß“ auf den alten Schreibmaschinen gab, erklärt er. Die Großeltern hätten sich noch mit „hs“ geschrieben, erklärt Voß.

Weil er in der Schule die Sütterlin-Schrift gelernt hatte, konnte er für die Oldesloer Feuerwehr uralte Aufzeichnungen in die heute übliche Lateinische Schrift übertragen. Voß erinnert sich: „Das konnte kein anderer mehr lesen.“

Feuerwehrauszeichnungen hat Voß im Laufe der 70 Jahre schon viele bekommen, darunter diverse Brandschutz-Ehrenzeichen. Zum 70. gab es eine weitere Ehrenspange für die Uniform. Voß trägt zudem vier Ärmelstreifen für je zehn Dienstjahre. Seit 25 Jahren schon ist er in der Ehrenabteilung der Oldesloer Feuerwehr. Der 88-Jährige: „Einmal im Monat treffen wir uns, alle drei Monate mit Frauen. Ein schöner Zusammenhalt.“

Sein erster Oldesloer Wehrführer war 1949 Heinrich Wolgast. Ihm folgte 1954 Otto Oellrich, der die Oldesloer Ortswehr 30 Jahre lang leitete. Weitere Wehrführer: 1983 Heinz Möller, 1991 Jan-Peter Struck, 1997 u. a. Klaus Schulz, 1999 Bernd Luther für 14 Jahre, seit 2013 Kai-Uwe Gatermann.

Die Kunde von seiner 70-jährigen Feuerwehrmitgliedschaft erneuerte für Voß nun sogar einen verlorenen Kontakt aus der Schulzeit. Ein Treffen und vielleicht sogar ein kleines Klassentreffen sollen folgen.

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