Bad Oldesloe: Mäusefamilie legt Solaranlage monatelang lahm

Lübecker Nachrichten   06.02.2020

Über Monate testen Fachleute die schwächelnde Photovoltaikanlage der Stadtwerke  Bad Oldesloe am Wasserwerk und vermuteten technische Pannen

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Großes Rätselraten bei den Oldesloer Stadtwerken: Bei der Jahresabrechnung 2018 war schon aufgefallen, dass die Photovoltaikanlage am Wasserwerk nicht mehr die gewohnten Erträge einspielte. Statt wie in den ersten fünf Jahren seit ihrer Inbetriebnahme lieferte sie nicht mehr 85 000 bis 90 000 Kilowattstunden per anno, sondern mit einem Mal rund 15 000 Kilowattstunden weniger. Damit war die Jahresausbeute im Jahr 2017 Besorgnis erregend gesunken. Wie sich die aus der Sonne gewonnen Energie und somit Einnahmen von etwa 4000 Euro verflüchtigen konnten, bereitete den Mitarbeitern der Stadtwerke Kopfzerbrechen. Und auch die von ihnen hinzugezogenen Techniker waren lange Zeit ratlos.

„Es hat in der Tat gedauert, bis wir den Fehler gefunden hatten“, erinnert sich Werkleiter Jürgen Fahl. In aufwendiger Kleinarbeit überprüften die Fachleute jedes einzelne der 434 Solarmodule, fertigten Wärmebilder mit Infrarotkameras, um festzustellen, wo die Schwachstelle im System liegen könnte. Doch all das lieferte keine Erklärung dafür, weshalb die im Jahr 2012 installierte Anlage mit einem Mal so schwächelte.

Zum Glück fand sich eine Spezialfirma, die der Sache tiefer auf den Grund ging. Bei einer Inspektion der Leitungen wartete eine Überraschung auf die Techniker: Nager hatten es sich in den Kabelkanälen gemütlich gemacht. Sie waren durch Fugen und Ritzen in die Kunststoffabdeckung eingedrungen. Dort fühlten sie sich so wohl, dass sie beschlossen, sich häuslich niederzulassen. Ein deutliches Indiz dafür waren nicht nur die Fraßstellen an der Ummantelung der Kabelstränge, sondern Unmengen an Nüssen, Samen und anderer Nahrung. Die Mäuse hatten ihre Vorratskammer für schlechte Zeiten gut gefüllt.

Als der Auftrag zur Reparatur ausgeschrieben war und sich tatsächlich ein Solarbetrieb mit Lücken im Auftragsbuch fand, musste Familie Maus Abschied nehmen. Die Techniker ersetzten alle Kabel. 2000 Meter neue, vor Nagetieren sichere Leitungen mit Stahlmantel mussten verlegt werden, um künftige Schäden abzuwenden. Im November vergangenen Jahres wurde alles fertig und die Anlage lief wieder störungsfrei.

Der Schaden betrug 16 500 Euro, also annähernd der Ertrag, den die Stadtwerke bis dato in durchschnittlich guten Jahren erwirtschaftet hatte. „Das tat natürlich weh. Wenn wir vorhergesehen hätten, wie anfällig die Kabelkanäle sind, hätten wir gleich mehr in anderes Material investiert“, sagt Jürgen Fahl.

Denn im Gegensatz zu Dachmodulen seien am Boden aufgeständerte Anlage offenbar ein gefundenes Fressen für Mäuse. Ein wenig verringern wird sich der Schaden, da die Anlage versichert ist. 5000 Euro bekommen die Stadtwerke für das Austauschen der Kabel erstattet, mit einer weiteren, noch nicht genau bezifferten Summe sollen auch die Einnahmeeinbußen abgefedert werden.

Die auf einen Schlag obdachlos gewordenen Mäusefamilien mussten sich also ein neues Quartier suchen. Fahl ist sich sicher, dass sie künftig einen Bogen um Solaranlagen machen. „Durch die neuen Kabel ist es dort für sie zu langweilig geworden. Da ist kein Unterschlupf mehr, um Nester zu bauen und Nachwuchs hochzuziehen“, sagt der Leiter der Stadtwerke lachend.

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