Soll die „NDR-Sommertour“ wieder in Bad Oldesloe Station machen?

Lübecker Nachrichten   07.02.2020

26 000 Euro Kosten stehen einem großen Imagegewinn für die Kreisstadt gegenüber

Von Dorothea von Dahlen

Yippie, Yippie, Yeah: Bürgermeister Jörg Lembke (Mitte) im Siegestaumel. Denn Bad Oldesloe gewann die „NDR-Stadtwette“ im Sommer. foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. Mit über 26 000 Euro war die „NDR-Sommertour“ im Vorjahr als eine der teuersten Ausgaben im Kulturhaushalt der Stadt Bad Oldesloe zu Buche geschlagen. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Veranstaltungsmanagement jetzt rückblickend auf das vergangene Jahr präsentierte. Auf der jüngsten Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses stellte Kulturmanagerin Inken Kautter die Kosten der einzelnen Events gegenüber und gab Aufschluss darüber, wie sie beim Publikum angekommen waren und was sich daran noch verbessern ließe. Dabei wurden Stimmen laut, ob die Stadt nicht künftig von der teuren Teilnahme an der NDR-Stadtwette Abstand nehmen sollte.

„Die ,NDR-Sommer’-Tour hat viel Arbeit gemacht und einen großen Batzen Geld gekostet. Mir stellt sich die Frage, ob wir uns als Kleinstadt eine solch teure Veranstaltung in Zukunft noch einmal herholen sollten. Bad Oldesloe liegt nicht auf dem Weg zur Ostsee und braucht kein aufwendiges Kulturprogramm für Touristen“, gab Dagmar Danke Bayer (Grüne) zu bedenken. Mit der stolzen Summe von 26 000 Euro lasse sich sicherlich noch etwas anderes veranstalten.

Das mochte Inken Kautter so nicht stehen lassen. „Wir haben uns für die landesweit wirksame ,Sommertour’ des NDR selbst beworben. Nach unserer Einschätzung bringt sie mit nur geringem Arbeitsaufwand für uns einen sehr großen Imagegewinn. Es ist ein Riesen-Event. 8000 bis 10 000 Leute waren auf dem Festplatz am Exer“, sagte sie. Der Name Bad Oldesloe sei ständig in Funk und Fernsehen erwähnt worden und so landesweit im Gespräch gewesen. Eine solche Außenwirkung habe sonst keine andere Veranstaltung. Dass die Kosten sehr hoch seien, wolle sie nicht verhehlen, fuhr die Kulturmanagerin fort. Doch dürfe man nicht vergessen, dass der NDR die Bühne stelle und die Künstler engagiere. Mit Sängerin Christina Stürmer sei immerhin ein großer Star nach Bad Oldesloe gekommen, deren Engagement sich die Stadt so nie hätte leisten können. Abgesehen davon habe die Buchstaben-Wette eine nicht zu unterschätzende bindende Wirkung in der Bevölkerung gehabt. „Wenn der NDR in fünf Jahren wieder auf Sommertour geht, bin ich der Meinung, wir sollten wieder dabei sein“, sagte Kautter.

Von mehreren Seiten bekam sie Schützenhilfe. Heiko Vosgerau, als bürgerliches Mitglied für die FDP im Ausschuss, rechnete vor, dass die „Sommertour“ gemessen an den Besuchern so teuer nicht gewesen sei. „Bei 10 000 Leuten macht das einen Eintrittspreis von 2,60 Euro aus. Und so viel sollten uns die Oldesloer und die Gäste schon wert sein“, sagte er.

Auch Kosten und Nutzen des Bier- und Genussfestes standen zur Debatte. Für Unverständnis hatte zunächst gesorgt, dass die Stadt mit einem Betrag von 15 700 Euro beteiligt war, obgleich es sich um eine kommerzielle Veranstaltung gehandelt hatte. Kautter zufolge lebt die Veranstaltung nicht allein von den dargebotenen Speisen und Getränken. Die Band habe bezahlt werden müssen, ebenso die Security und die Toiletten. Die Verkäufer hätten zudem ebenso Auslagen gehabt, da Honorar für Aushilfskräfte angefallen sei. Das Genussfest sei im Übrigen als gemütliches Beisammensein der Oldesloer gedacht und werde auch in Zukunft mit dem verkaufsoffenen Sonntag gekoppelt.

Positiv wurde die „Pflasterart“ hervorgehoben. Wie andere Ausschussmitglieder lobte auch Cornelia Steinert (Linke) die Qualität der Veranstaltung. Es sei ein Wunder, dass die Künstler jedes Jahr wiederkämen, obgleich sie kaum Honorar bekämen und zum großen Teil nur durch Hutgeld entlohnt würden. „Die Artisten bedanken sich immer für die Großzügigkeit der Leute. Sie sagen immer: ,Bad Oldesloe ist ein tolles Pflaster’ “, berichtete dagegen Inken Kautter. Die Zuschauer hier seien spendabler als in Travemünde. Insofern seien die Künstler hochzufrieden.

Als verbesserungswürdig erachteten einige Ausschussmitglieder den „Weihnachtszauber“. Der diesjährige Weihnachtsmarkt sei enttäuschend gewesen, sagte Andreas Lehmann (CDU). Der Standort am KuB sei ungünstig. Besucher müssten ständig Autos Platz machen, die zur Wohnanlage durchfahren wollten. Auch Dagmar Danke-Bayer merkte an, dass die „Location“ nicht so angenommen werde und der Markt nicht so belebt sei. Ihren Vorschlag, die Veranstaltung auf den Mühlenplatz zu verlegen, wies Inken Kautter als nicht praktikabel zurück. Dort gebe es kaum Platz für die fünf Buden und die kleine Bühne, die der Markt schon bieten müsse. „Wir waren im Übrigen froh, ihn überhaupt ausrichten zu können, da uns die Agentur Tiedemann kurzfristig als Veranstalter abgesprungen war“, sagte sie.

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