Anwohner sauer: In der Düpenau wird immer schlimmer gerast

Lübecker Nachrichten   08.02.2020

Ärger um die Verbindungsstraße zwischen Bad Oldesloe und Sehmsdorf: Bewohner beklagen immer mehr Verkehr und rücksichtslose Raser – Stadtpolitik will jetzt eingreifen

Von Markus Carstens

Immer mehr Verkehr und rücksichtslose Raser: Anwohner der Straße Düpenau zwischen Bad Oldesloe und Sehmsdorf haben genug und fordern Verkehrsberuhigungen. Foto: MARKUS Carstens

Bad Oldesloe. Anliegerstraße, Ortsstraße, Gemeindeverbindungsweg oder gar Wirtschaftsweg? Für die Anwohner der kleinen Straße Düpenau zwischen dem Oldesloer Gewerbegebiet Süd-Ost und dem Ortsteil Sehmsdorf ist völlig unklar, wie der Verbindungsweg klassifiziert ist. Was sie allerdings wissen: Seitdem die Schranke im Gewerbegebiet vor rund acht Jahren wieder abgebaut wurde, hat der Verkehr stark zugenommen. Sie fordern daher Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der schmalen Straße.

Seit rund einem halben Jahr trommeln die 32 Betroffenen wieder verstärkt für ihre Belange. Auf drei dicht beschriebenen Seiten haben sie die Entwicklung der vergangenen Jahre genauestens dokumentiert. „Immer mehr Autofahrer nutzen die Strecke als Abkürzung, um aus Richtung Reinfeld ins Gewerbegebiet zu fahren oder eben umgekehrt“, berichtete Anwohnerin Claudia Michahelles jetzt im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss der Stadt. Wenn nebenan das neue Gewerbegebiet Teichkoppel erschlossen sei, werde es sicher noch schlimmer durch den Lieferverkehr.

Zu der Sitzung waren fast alle Düpenau-Anlieger gekommen, um ihre Situation deutlich zu machen. Im Wohnbereich gilt zwar Tempo 30, doch daran halte sich kaum jemand. „Und hinter dem Schild beschleunigen einige auf 100 Stundenkilometer, was ja sogar erlaubt ist an der Stelle“, berichtete ein Anwohner. „Das ist manchmal lebensgefährlich. Es gab schon mehrere Unfälle.“ Eine Hundehalterin habe schon mal beiseitespringen müssen, als ein Auto angerast kam. Außerdem lebten dort Schul- und Kita-Kinder. Geschwindigkeitsmessungen brächten auch nichts. Sie seien nicht zu den Hauptverkehrszeiten gemacht worden, „und über die Tafeln mit der angezeigten Geschwindigkeit lachen die meisten Autofahrer doch“.

Erbost sind die Bürger auch, weil die Straße vor etwas mehr als zehn Jahren als Anliegerstraße klassifiziert worden war – und sie deshalb beim Straßenausbau teils saftige Beträge im fünfstelligen Bereich zahlen mussten. Diese Satzung ist in Bad Oldesloe mittlerweile abgeschafft worden. Und Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos) verwies zuletzt immer darauf, dass der Weg eine Gemeindeverbindungsstraße sei.

Die Stadtpolitiker zeigten sich durch die Bank offen für verkehrsberuhigende Maßnahmen. Zunächst wollen sie jedoch den exakten Status der Straße ermittelt haben. Dann könne man überlegen, ob sie vielleicht umgewidmet werde, also anders eingestuft, oder welche Möglichkeiten es sonst gebe. Die Anlieger hatten bereits Tempo 30 für den gesamten Bereich oder eine Klassifizierung als Fahrradstraße ins Spiel gebracht.

Besonders Jens Wieck (CDU) machte sich zum Anwalt der Bürger. Er beschäftigt sich schon seit einigen Monaten mit dem Thema und war ob der unzureichenden Aussagen der Verwaltung bei der Sitzung sichtlich verärgert. „Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr hält diese Straße für ungeeignet für Begegnungsverkehr. Trotzdem gilt sie als Verbindungsstraße“, sagte Wieck. Sein Antrag, die Einordnung der Straße zu ermitteln, wurde zu einem Antrag aller Fraktionen und sodann einstimmig angenommen.

Dirk Sommer von der FBO war „fassungslos“ über das, was die Anwohner zusammengetragen hatten. „Es muss etwas passieren, damit die Raserei unterbunden wird.“ Die Düpenau müsse dichtgemacht werden oder massiv entschärft, damit niemand mehr um sein Leben fürchten müsse. Die FBO hat auch schon Vorschläge für eine Beruhigung ermittelt – Fahrbahnschwellen, Tempo 30 auf ganzer Strecke, zur Verbreiterung Rasengittersteine in den Kurven –, stellte diese jedoch zurück bis zur nächsten Sitzung.

„Der Durchgangsverkehr muss da rausgehalten werden“, sagte Wilfried Janson (Grüne). „Wenn Asklepios und Amazon erstmal da sind, gibt es noch mehr Verkehr. Bei einem Stau nutzen dann noch mehr Autos und Transporter die Düpenau.“ Die Politiker wollen sich dafür einsetzen, dass die Straße künftig nur noch für Anwohner, Fahrräder, Liefer- und landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen ist. „So weit sind wir noch nie gekommen“, sagte eine Anwohnerin erfreut.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.
© CDU Stadtverband Bad Oldesloe 2020 and created by nordix.de