Anwohner fürchten Verkehrschaos nach Amazon-Ansiedlung

Lübecker Nachrichten   12.02.2020

Viele Rethwischfelder sowie Anrainer der Straße Zur Düpenau schilderten ihre Sorgen im Oldesloer Wirtschafts- und Planungsausschuss

Von Dorothea von Dahlen

Die Planierraupe bereitet im neuen Oldesloer Gewerbegebiet bei Obi schon den Boden, damit sich Amazon und Co. dort niederlassen können.Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die Ansiedlung von Lagerstätten für den Online-Versandhändler Amazon und den Krankenhauskonzern Asklepios sorgt schon vor dem eigentlichen Baubeginn für Furore. So erschienen im jüngsten Wirtschafts- und Planungsausschuss (WPA) zahlreiche Beschwerdeführer aus Rethwischfeld, das in direkter Nachbarschaft zum neuen Gewerbegebiet liegt.

Die geplanten Logistikzentren geben ihrer Angst vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen neue Nahrung. Sie fordern die Politik auf, für einen besseren Schutz vor dieser Belastung zu sorgen. Als es um die Erschließung eines neuen Wohngebiets in ihrem Ort ging, waren einige von ihnen schon einmal aus diesem Grund auf die Barrikaden gegangen.

Wie im April vergangenen Jahres setzt sich auch jetzt die Wählergemeinschaft FBO an die Spitze der Protestler. Als deren Vertreter hatten Matthias Rohde, Dirk Sommer und Manfred Lieder bewirkt, dass ein Antrag von ihnen auf die Tagesordnung im Ausschuss gesetzt wurde. „Bad Oldesloe wächst, und durch die Ansiedlung der Firmen wird ein Vielfaches an Verkehr zu erwarten sein. Wir wollen nicht, dass das ausufert und möchten, dass rechtzeitig ein Stoppschild aufgestellt wird. Und das muss schnell passieren“, sagte Dirk Sommer.

Zum Erstaunen der anderen Fraktionen enthielt der Antrag der FBO jedoch keinerlei konkrete Handlungsempfehlung, wie dieser Entwicklung entgegengewirkt werden könnte. Stattdessen handelte es sich um eine Auflistung von Fragen, die sich auf die zu erwartende Zunahme des Verkehrs im Umkreis des Gewerbegebiets bezogen. „Ich kann nicht erkennen, dass es sich um einen Antrag handelt. Das ist nicht korrekt“, sagte der Ausschussvorsitzende Hartmut Jokisch (Grüne). Dem schloss sich die FDP-Vorsitzende Anita Klahn an. Da es sich um keine richtige Beschlussvorlage handele, möge abgestimmt werden, ob das Thema so überhaupt auf der Tagesordnung bleiben könne, schlug sie vor.

Die Mehrheit stimmte dafür, diesen sowie zwei weitere damit in Zusammenhang stehende Tagesordnungspunkte auf die kommende Sitzung im März zu verschieben. Dazu gehört ebenfalls die Debatte über mögliche Verkehrsberuhigungen in der Straße Zur Düpenau. Wie berichtet, hegen auch Anwohner dieser kleinen Straße die Befürchtung, Opfer des erhöhten Transportaufkommens in der Kreisstadt zu werden.

Damit war das Thema jedoch nicht vom Tisch. Denn anschließend hatten die Einwohner das Wort. Sönke Gerundt aus Rethwischfeld etwa fragte, in welcher Frequenz Transporter das Amazon-Lager anfahren beziehungsweise von dort aus Waren ausgeliefert werden sollen.

„Dieser Verkehr wird sich doch auch auf benachbarte Straßen auswirken“, sagte er und gab seiner Befürchtung Ausdruck, dass die Fahrer eine Abkürzung über die durch Rethwischfeld führende Alte Ratzeburger Landstraße und die Ölmühle nehmen könnten, um rascher zum Schwarzendamm und letztlich zur A 21 zu gelangen. Wie die Dorfbewohner schon seit Längerem beklagen, werde dieser Schleichweg derzeit schon von vielen aus Richtung A 1 kommenden Pendlern genutzt.

Dass die Kraftfahrer einen solch inoffiziellen Weg nähmen, sei höchst unwahrscheinlich, sagte Bürgermeister Jörg Lembke. „Es ist davon auszugehen, dass sie mit modernen Navigationsgeräten ausgestattet sind und keine Schleichwege nutzen“, sagte er. Bauamtsleiter Dr. Kurt Soeffing legte dar, dass Amazon ein Gutachten über das zu erwartende Verkehrsaufkommen eingereicht habe. Demnach sei die Befürchtung einer Rethwischfelderin unbegründet, dass auf der B 208 zwischen Autobahnabfahrt und Kreisverkehr ständig mit Stau zu rechnen sei.

Nehme das Unternehmen seinen Betrieb auf, bleibe „die Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs“ erhalten, sagte er. Derzeit passierten 18 000 Fahrzeuge täglich den Knotenpunkt, mit dem Lieferverkehr von Amazon seien es später 25 000.

Zu Spitzenzeiten könnten es 500 Sprinter pro Stunde sein, aber ansonsten pegele sich die Fahrzeugfrequenz auf ein normales Maß ein.

Auf die Frage von Manfred Hilmer, welche Verkehrsbeeinträchtigung vom Logistik-Großlager der Asklepios-Klinik zu erwarten sei, musste die Oldesloer Verwaltung passen. „Die Klinik hat noch keine Zahlen geliefert. Das wird im Rahmen des Bauantrags erfolgen und von uns geprüft“, sagte Soeffing.

Ausschussvorsitzender Hartmut Jokisch fühlte sich abschließend genötigt, klarzustellen, dass sich die Politik nicht gegen die Anwohner stelle. „Wir waren alle überwiegend entsetzt, als wir hörten, dass Amazon ein Lager in Bad Oldesloe bauen will. Wir hätten uns ein anderes Unternehmen gewünscht. Sie haben uns auf jeden Fall auf Ihrer Seite, wenn es darum geht, Maßnahmen zu ergreifen, die das Verkehrsaufkommen erträglich machen“, versprach er. Die Politik sei für Vorschläge offen.

Eingehend besprochen werden soll die Problematik nun erneut am Montag, 9. März.

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