„Lebensweg“ vor der Vollendung

Stormarner Tageblatt  13.02.2020

Ende April soll das Hospiz in Bad Oldesloe eingeweiht werden, und im Mai werden die ersten Gäste einziehen

Hier entsteht ein besonderes Haus für die letzte Reise: Sabine Tiedtke (2.v.r.) und Katja Balkenhol vom Vorstand des Fördervereins Lebensweg stellten die beiden Pflegedienstleiter Karsten Wendt (r.) und Maximilian Wolf (l.) vor, die für den Betrieb des Hospizes verantwortlich sein werden.  Rohde
Hier entsteht ein besonderes Haus für die letzte Reise: Sabine Tiedtke (2.v.r.) und Katja Balkenhol vom Vorstand des Fördervereins Lebensweg stellten die beiden Pflegedienstleiter Karsten Wendt (r.) und Maximilian Wolf (l.) vor, die für den Betrieb des Hospizes verantwortlich sein werden. Rohde
 

Susanne Rohde Bad Oldesloe Noch ist es ein Rohbau und überall sind die Handwerker zugange. Doch das Hospiz Lebensweg im Sandkamp 28 geht seiner Vollendung entgegen. In knapp drei Monaten soll das rund 1500 Quadratmeter große Haus offiziell eröffnet werden. „Ich bin total überwältigt, dass meine Idee und Vision, die vor zehn Jahren entstand, jetzt steht und dass wir sie anfassen können“, sagt Sabine Tiedtke. Ihre Vision ist inzwischen zu Stein geworden und kann sich vor Besuchergruppen und Interessierten, die das Gebäude besichtigen wollen, kaum retten. Bereits Ende April wird es eingeweiht, und Anfang Mai werden die ersten Gäste im Hospiz erwartet.

Die Patienten, die hierher zum Sterben kommen, werden Gäste genannt und als solche auch begrüßt und beherbergt. Davon konnten sich jetzt rund 100 interessierte Mitglieder der Verbrauchergemeinschaft Stormarn überzeugen, die den Rohbau besichtigten. „Lebensweg ist das erste und einzige stationäre Hospiz in Stormarn“, betont die Sabine Tiedtke, Geschäftsführerin der Hospiz Lebensweg gGmbH, nicht ohne Stolz. Mit zwölf Betten sei das Hospiz angemessen ausgelegt für den Kreis. „Falls nötig, können wir hinten noch vier Zimmer anbauen“, so die Gründerin, die viel Wert auf ein familiäres Umfeld für die Gäste legt. Ein 13. Gästezimmer ist zum Abschiednehmen der Angehörigen von dem Verstorbenen vorgesehen. Die Räume sind allesamt barrierefreie Einzelzimmer mit Terrasse und werden später nach Bäumen benannt.

„Jede Reise wird geplant, nur die letzte nicht. Wir begleiten unsere Gäste auf ihrem letzten Lebensweg so weit wie möglich. Dafür brauchen wir ganz viele ehrenamtliche Mitarbeiter, denn es wird immer ein gemeinschaftliches Projekt sein“, betont die gelernte Krankenschwester und Bankkauffrau. Rund 35 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit werden dafür sorgen, dass der Betrieb reibungslos läuft. Und dafür werden in erster Linie zwei junge Männer verantwortlich sein. Denn inzwischen wurde mit Karsten Wendt ein höchst kompetenter und erfahrener Hospiz-Leiter gefunden. Der 47-Jährige arbeitete bisher als Pflegemanager am UKSH Lübeck und ist zudem Diplom-Betriebswirt. Sein Stellvertreter ist Maximilian Wolf, der aus Schmachthagen stammt und bisher als stellvertretender Pflegedienstleiter in den Segeberger Kliniken tätig war. „Das ist ein tolles Projekt und ich sehe es als große Ehre und Herausforderung an, hier arbeiten zu dürfen“, betont der 28-Jährige.

Die Aufnahme in das Hospiz ist genau geregelt. „Man benötigt die Einweisung durch einen Arztes. Das entspricht quasi der Genehmigung, hier einziehen zu dürfen“, sagt Sabine Tiedtke. „Wir haben schon Anfragen aus Hamburg und Heiligenhafen bekommen. Aber Gäste aus Stormarn werden wahrscheinlich bevorzugt.“ Die Kosten für den Gast werden komplett von den Krankenkassen und vom Hospiz übernommen. Rund 90 Prozent der Eingewiesenen würden auch im Hospiz sterben. „Die mittlere Verweildauer beträgt etwa drei Wochen, ist aber zeitlich nicht begrenzt“, betont die Geschäftsführerin. Für die Angehörigen gibt es zwei Apartments mit Zugang zur Dachterrasse, die noch begrünt werden soll. Selbstverständlich wird es auch einen Aufzug geben. In einem großen Schulungsraum im 1. Stock soll es Vorträge und Kurse rund ums Thema Sterben geben.

A uch das Palliativnetz Travebogen wird mit in das Hospiz einziehen und hier seinen Stützpunkt für die ambulante Palliativversorgung haben. „Diese enge Verknüpfung ist einzigartig und innovativ und eine wunderbare Kombination“, sagt Katja Balkenhol vom Vorstand des Fördervereins Lebensweg. Der Förderverein hat rund 320 Mitglieder, und jeder ist willkommen, für nur 30 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr dem Verein beizutreten. „Die Gemeinschaft der Lebenswegler ist wie eine Welle, die positive Energie bündelt und eine Vision umsetzt“, sagt Sabine Tiedtke.

Der rund 3,5 Millionen Euro teure Hospizbau wird über die Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn, die Lebensweg-Stiftung sowie die Palliativnetz Travebogen gGmbH finanziert. Die laufenden Betriebskosten sollen zu 95 Prozent von den Krankenkassen übernommen werden. Das sei allerdings nicht realistisch. „Zwischen 15 und 20 Prozent der Kosten muss das Hospiz selbst aufbringen. Dafür brauchen wir unbedingt Spenden“, so Sabine Tiedtke. Diesem Aufruf folgten Sigrun Stolle und Inge Käding von der Verbrauchergemeinschaft und überreichten nach der Hospiz-Besichtigung eine Schachtel mit einer Spende von fast 500 Euro, die die Stormarner Verbraucher zuvor gesammelt hatten. Eine bedeutende Spende kommt jetzt außerdem von der „Stormarn-Wind Energie GmbH Wolkenwehe“. Die Windkraftanlage ist in Sichtweite des Hospizes. Es hat im Jahr 2019 rund sieben Millionen kWh Strom erzeugt und damit den Bedarf von 3000 Haushalten gedeckt. Auf Anregung eines Gesellschafters aus der Kreisstadt wurde daher spontan beschlossen, 5100 Euro für das komplette Mobiliar eines Zimmers zur Verfügung zu stellen. Dem guten Beispiel schließt sich noch eine weitere Windkraft-Gesellschaft an und will ebenfalls 5100 Euro für eine Zimmereinrichtung spenden.

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