Betrachtungen zum Wochenausklang: Wehe, wenn sie losgelassen …

Stormarner Tageblatt  15.02.2020

Stormarner Wochenschau

Wehe, wenn sie losgelassen …

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Volker Stolten

Uneinsichtig Konfuzius sagte 200 Jahre nach Christus: „Was du nicht willst, was man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu“ – im Großen wie im Kleinen. Doch diese goldene Regel verhallt heute immer öfter. Leider! Menschen machen etwas, was sie zuvor selbst kritisiert haben. Und sind, wenn man sie anspricht, um Ausreden nicht verlegen: „Ich will ja nur mal schnell…“

Egoismus ist das neue Schlagwort, das besonders im Straßenverkehr zutage tritt. Da wird gerast, gedrängelt, gehupt, geschimpft, gedroht. Dieser Negativ-Trend setzt sich ungebremst fort. Nehmen wir doch nur mal das aktuelle Beispiel: Die Rathausstraße in Bargteheide. Seit Jahren die Achillesferse der Stadt, ein Nadelöhr. Da tragen auf der Fahrbahn parkende Lieferwagen nicht gerade zur Entspannung bei. Dem trägt die Stadt jetzt Rechnung, reißt das Steuer rum, um den Verkehrsfluss und die Sicherheit zu verbessern, und richtet zwei Parkzonen für Lieferfahrzeuge ein. Gute Idee. Aber Pustekuchen. Die Parkplätze können von Paketboten nicht genutzt werden, weil Autofahrer das Halteverbot für ihre privaten Pkw ignorieren und dort ganz dreist ihr Fahrzeug abstellen. Und die Lieferwagen stehen wieder auf der Straße. Sogar Knöllchen werden von den Park-Sündern in Kauf genommen. Liegt wohl an der Höhe des Bußgeldes. Vielleicht sollte das drastisch erhöht werden. Doch Einsicht wäre der erste und bessere Weg zur Besserung. Wir erinnern uns? „Was du nicht willst, was man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.“ Die Parksünder möchten sicher auch nicht, dass sich fremde Autos frech auf ihren eigenen Parkplatz am Eigenheim stellen, gell?!

Ungenügend Das Abi-Party-Komitee der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule hat einen Fehler gemacht. Es ließ sich von einer Kleinstadtdisco vor den Abi-Party-Promo-Karren spannen und wurden so mit niveauloser, sexistischer, diskriminierender Werbung direkt in Verbindung gebracht. Auf den Social-Media-Kanälen teilte das Party-Komitee diese Werbung als „TMS.Abi.2020“ auch. Es entstand der Eindruck, ein Jahrgang stehe hinter einer Party, für die sexistisch und diskriminierend geworben wurde. Das Ergebnis: Einige Mitschüler, Jahrgangsmitglieder und der Schuldirektor waren entsetzt. Wir berichteten, andere Medien zogen nach. Kritik erreicht jetzt die Berichtenden: Das alles sei „nicht objektiv“, Artikel „dämlich“ und „falsch“. Auf Nachfrage, was denn inhaltlich genau „falsch“ sei, kommen von solchen „Kritikern“ keine konkreten Antworten, sondern vor allem Selbstmitleid. Es sei halt „unfair“, denn jetzt sei es noch schwieriger, Sponsoren für den teuren Abi-Ball zu finden. Es möge doof gelaufen sein, und ja, die Werbung war ungeschickt, aber andere Schulen hätten auch mitgemacht. Und überhaupt: Der Zweck heilige im Endeffekt ein wenig die Mittel. Man brauche halt Geld und schuld sei die Agentur und die Diskothek – wenn überhaupt. Jetzt sei der Jahrgang öffentlich blamiert. Aber nicht etwa durch das Abi-Party-Komitee und den Fehler, den man begangen hat, sondern durch die mediale Berichterstattung. Anstatt die eigenen Fehler aufzuarbeiten und sich öffentlich von der Werbung und solchen Partys zu distanzieren, keilen einige im Gegensatz zum souverän reagierenden Schulleiter aus. Schade eigentlich. Man hätte zeigen können, dass man aus Fehlern lernt, selbstkritische Kompetenz hat und in der Lage ist, so einen Vorfall aufzuarbeiten. Doch stattdessen begibt man sich teilweise in die Opferrolle schmollender Teenager, die sich einer hinterhältigen Kampagne gegen sich ausgesetzt sehen. Als wolle die Berichterstattung einfach nur die Finanzierung des Abi-Balls verhindern. Da fragt man sich schon, mit welchem Weltbild manche Schüler – die angeblich bald fit fürs Abitur sein sollen – auf die Berufswelt, die Universitäten und das wahre Leben losgelassen werden.

Unterwegs Die Kreisverwaltung ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. Von den über 800 Mitarbeitern gehen in den nächsten zehn Jahren 30 Prozent in den Ruhestand. Fachkräfte sind schwer zu ersetzen. Die Bewerberlage ist noch okay, aber der Kreis will vorsorgen. Und so lässt er drei Jahre lang einen Bus der Autokraft mit Werbung für eine Karriere in der Verwaltung durch den Kreis fahren. Die Karikatur lässt grüßen. Zeitgenossen sagen nun augenzwinkernd, wer in den Karrierebus einsteige, müsse immer einen Zwischenstopp in der Personalabteilung der Kreisverwaltung einplanen.

 
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