Überraschender Abschied aus dem „Paradies“

Stormarner Tageblatt  15.02.2020

Nach 28 Jahren werden Angela und Martin Dittmar in Bad Oldesloe ihr „Preisparadies“ schließen

Schließen ihr „Preisparadies“ nach 28 Jahren: Angela und Martin Dittmar. Privat
Schließen ihr „Preisparadies“ nach 28 Jahren: Angela und Martin Dittmar. Privat

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Es ist ein Kapitel Oldesloer Einzelhandelsgeschichte, das nach 28 Jahren am 15. Mai enden wird: Für viele Kunden überraschend ziehen sich Angela und Martin Dittmar aus dem Geschäftsleben zurück – früher als geplant.

Hauptgrund ist eine Erkrankung Martin Dittmars. „Es war ein deutlicher Warnschuss. Und wir haben gemerkt, dass wir den geplanten Abschied ein paar Jahre vorziehen wollen“, sagt Angela Dittmar. Das falle schwer, aber Prioritäten verschieben sich in manchen Lebensabschnitten. „Als wir anfingen, waren wir Hamburger, die in Bad Oldesloe gearbeitet haben, jetzt sind wir Oldesloer, die in Hamburg schlafen. Wir verdanken dieser Stadt viel. Durch unser Geschäft konnten wir unseren Kindern viel ermöglichen“, sagt Dittmar.

Gerade in den vergangenen Jahren hatte sie sich öffentlich verstärkt für die Innenstadt generell und den Einzelhandel stark gemacht. Gemeinsam mit Nicole Brandstetter und der Wirtschaftsvereinigung startete sie viele Aktionen, die in Erinnerung bleiben. „Ich habe viel dazugelernt und Talente in mir entdeckt“, sagt die gebürtige Brasilianerin. Dafür sei man auch mit über 50 Jahren natürlich nicht zu alt. „Es macht mir Spaß, mich zu engagieren. Das werde ich auch weiterhin tun. Ich werde in der Wirtschaftsvereinigung aktiv bleiben“, sagt sie.

Auf die Oldesloer Innenstadt sieht sie große Veränderungen zukommen. „Online wird immer wichtiger. Hätten wir jetzt weitergemacht, dann wäre das auch der nächste Punkt gewesen, dass wir unser Online-Angebot deutlich ausweiten“, verrät sie. Sie habe früh erkannt, dass Online-Präsenz wichtig sei und dass man auch in den „Social Media“ sichtbar sein müsse. Für die Oldesloer Innenstadt erhofft Angela Dittmar sich Verbesserungen der Aufenthaltsqualität.

Damit meint sie nicht das gastronomische Angebot, sondern die Gestaltung, Sitzmöglichkeiten und das Ambiente. „Events und Gastronomie werden immer wichtiger für die Oldesloer Innenstadt. Das muss allen klar sein“, sagt die erfahrene Geschäftsfrau, die ihre Kenntnisse gern auch in Zukunft weitergeben möchte.

„Wir sind eines der letzten Geschäfte, das über 25 Jahre hier in der Innenstadt inhabergeführt ist. Es war eine tolle Zeit“, sagt sie. Ihr Mann erinnert sich an die Anfänge und sieht viele Veränderungen. „Damals bekam man auf der grünen Wiese noch nicht alle möglichen Produkte im Supermarkt. Heute sind das doch fast Vollsortimenter oder kleine Kaufhäuser. Das hält die Leut von der Innenstadt ab“, sagt er. Dazu komme die Parkplatz-Situation. „Ich bekomme hier ja viel mit. Und gerade die mangelnden Parkmöglichkeiten wurden oft erwähnt. Als ich das dann öffentlich machte, wurde ich zum Nörgler, der nicht zufrieden ist. Dabei geht es mir nicht um Schuldzuweisungen und Befindlichkeiten. Es geht darum gemeinsam was zu bewegen“, betont Martin Dittmar. Das möchte er anderen Händlern mit auf den Weg geben. „Manche halten sich zurück. Ich finde: Jeder gehört dazu, jedes kleine Geschäft. Selbst wenn keine Gewerbesteuer gezahlt wird, wird Umsatzsteuer generiert. Daher: Geht zu den Verantwortlichen, kontaktiert die Lokalpolitiker und bringt euch ein. Ihr habt ein Recht dazu. Nur meckern hilft nicht. Man muss die Dinge anpacken“, so Martin Dittmer.

Wie es nach dem Ende von „Preisparadies“ mit den Geschäftsräumen weitergeht, wissen sie nicht. „Da sind wir nicht involviert. Aber es hat eine Größe, die es hier sonst schwer zu finden gibt“, so Angela Dittmar. „Wir wollen am Ende nochmal eine große Party geben und die tolle Zeit voller Dankbarkeit feiern.“

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