„Preisparadies“ verabschiedet sich

Lübecker Nachrichten   15.02.2020

Oldesloer Kaufleute Angela und Martin Dittmar ziehen sich ab Mitte Mai zurück

Von Dorothea von Dahlen

Angela und Martin Dittmar schließen das „Preisparadies“, wollen aber nach Oldesloe ziehen. foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. Das Oldesloer „Preisparadies“ schließt zum 15. Mai für immer seine Pforten. Damit verabschieden sich gleichzeitig zwei gestandene Kaufleute aus ihrem aktiven Berufsleben. Über die Dauer von 28 Jahren haben Angela (63) und Martin Dittmar (68) ihr Geschäft in der Brunnenstraße zu einer richtigen Institution werden lassen. Für viele Oldesloer füllten sie die empfindliche Lücke, die das Verschwinden des letzten Kaufhauses gerissen hatte. Der Kreisstadt als solcher kehren die beiden aber nicht den Rücken. Im Gegenteil – die Hamburger wollen sich in Bad Oldesloe häuslich niederlassen.

Von langer Hand geplant war die Geschäftsaufgabe eigentlich nicht. Eine zunächst bedrohlich klingende Diagnose für Martin Dittmar gab den Ausschlag. Sie hatte innerhalb der Familie für viel Wirbel gesorgt, sich aber zum Glück nicht bestätigt. „Es war ein Warnschuss. Da wurde uns bewusst, wie schnell etwas passieren kann, ohne dass man etwas vom Ruhestand hat. Wenn mein Mann über längere Zeit ausfallen würde, hätte ich auch Probleme, die Arbeit auf Dauer allein zu schaffen“, sagt Ehefrau Angela. Aber nicht zuletzt aus kaufmännischer Sicht erfolge der Ausstieg nun zum richtigen Zeitpunkt. „Handel ist immer auch Wandel. Ich bediene schon Facebook und Instagram. Aber um weiterhin erfolgreich zu sein, müssten wir parallel einen Online-Shop aufbauen. Sonst würden wir ein Problem bekommen“, sagt die rührige Geschäftsfrau. Doch das koste zusätzliche Energie.

Martin Dittmar fällt der Abschied besonders schwer. „ Es ist es schon besser zu sagen: ,Jetzt ist Schluss’. Aber vom Gefühl her ist das für mich eine traurige Sache. Ich bin durch und durch Händler und fühle mich verwurzelt mit den Kunden und Bad Oldesloe. All das zurück zu lassen, bedeute schon einen herben Einschnitt“, sagt der 68-Jährige. Mit den Jahren habe er viele nette Menschen kennen gelernt. Manch einer habe ihm gegenüber sein Herz ausgeschüttet oder auch um Rat und Hilfe gebeten. „Ich habe beobachten können, wie aus dem kleinen Stöpsel, der kaum über den Tresen gucken konnte, um einen Lutscher zu kaufen, ein erwachsener Mann mit Bart geworden ist“, sagt der Kaufmann. „Ohne meine tollen Mitarbeiter hätten wir uns aber nicht so lange auf dem Markt halten können. Sie haben die Gesamtphilosophie unseres Geschäfts mitgetragen.“

Mit einer grundsoliden Lehre im Groß- und Außenhandel fing für den jungen Hamburger alles an. Nach erfolgreichem BWL-Studium ging Dittmar nach Hannover und arbeitete dort für ein Erdgasunternehmen. Schnell merkte er, dass ihm der Vertrieb abstrakt anmutender Fördermengen gar nicht lag. Seine Welt war eher der Handel mit konkreten Gegenständen und die Nähe zum Kunden. Nach dem Einstieg in den Versandhandel bei Otto, wechselte er zum Einkauf der daraus hervorgegangenen Modemarke Bonprix, wurde dort erster kaufmännischer Mitarbeiter. Seine Ehefrau betrieb damals eine Damenboutique in Hamburg.

Als sie schwanger wurde, entschieden sie, den Laden zu schließen. Martin Dittmar übernahm damals den Ausverkauf und hatte daran so viel Spaß, dass er sich selbstständig machte. Über mehrere Stationen gelangte er nach Bad Oldesloe. Das erste „Preisparadies“ sollte am 15. Februar 1992 in den heute noch existierenden 70er-Jahre-Bau in der Lübecker Straße einziehen, in dem zuvor mit Musikalien und Möbeln gehandelt worden war. Weil es Ärger mit dem Vermieter gab, zogen die Dittmars fünf Jahre darauf an den heutigen Standort in der Brunnenstraße.

„Ich bin sehr dankbar für die langjährige Treue unserer Kunden“, sagt Angela Dittmar. Sie hat die Atmosphäre der Kleinstadt sehr zu schätzen gelernt, was sich auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement für das Image der Stadt niedergeschlagen hat. „Unsere Kampagne ,Einkaufen in Bad Oldesloe’ und das Luscherheft mit Gutscheinen ist ein Beispiel dafür, wie sehr wir zur Stadt stehen“, sagt sie und kündigt an, auch nach dem 15. Mai in der Wirtschaftsvereinigung aktiv zu bleiben. Ehemann Martin hat sich vorgenommen, mehr Sport zu treiben. Und vielleicht bringt er ja auch die Saiten seiner E-Gitarre wieder zum schwingen . . .

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